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Altstadt Frankfurt, Dom Römer GmbH, Juliane Schmidt

Wie neu oder alt ist die neue Altstadt Frankfurt?

Das Altbewährte sei das Beste und Richtige, heißt es oft. Aber wäre es in der heutigen Bankenmetropole Frankfurt nicht Zeit für etwas Neues gewesen? Oder anders gefragt: Brauchen die Frankfurter tatsächlich die Rekonstruktion der Vergangenheit, um Heimatgefühle zu entwickeln? Wäre dies nicht auch möglich gewesen mit einer mutigen Architektur, die sich klar zur Gegenwart oder gar zur Zukunft bekennt? Die Politik jedenfalls fordert für die Frankfurter das Recht auf Fachwerk. Mit ihm wird der ursprüngliche Charakter der Altstadt zwischen Rotem Haus und Goldener Waage wiederhergestellt. Das Altbewährte steht derzeit am Main hoch im Kurs ...

Beim Rundgang ist mir die Assoziation zu Disneyland in den Sinn gekommen. Was eigentlich als rekonstruiertes Stück Heimat geplant war, gibt Anlass zur Auseinandersetzung. Die kleinteilig  angeordneten Häuser passen sich in ihrer Kubatur an die Gebäudevolumen auf historischen Fotografien an. Man sieht eine Mischung aus rekonstruierten und neuinterpretierten Fassaden. Und es fällt auf: Das äußere historische Erscheinungsbild lässt sich vielleicht nachahmen, aber trotzdem sind die Häuser eben Neubauten.

Der neue alte Stadtteil verniedlicht eine Geschichte, die es so nie gegeben hat. Einst Wohnsitz der Armen hinter schmucken Fassaden – teilweise mit Kaufleuten durchmischt, die ihre Läden dort führten – war die Frankfurter Altstadt nie ein Zuhause nur für die Wohlhabenden. Heute kann in dem rekonstruierten Viertel jedenfalls nur wohnen, wer es sich leisten kann – schließlich handelt es sich hier um ein städtisches Freilichtmuseum mit Wohnmieten von bis zu 30 Euro pro Quadratmeter.  Auch die Läden und Cafés in den Erdgeschossen zeigen eine inszenierte heile Welt – ihre Produkte entsprechen dem Luxus des Altbewährten, nicht jedoch der Alltagsrealität einer Metropole.

Auch wenn die schmuckvollen Fassaden handwerklich gut gemacht sind, bleibt doch die Frage, warum etwas Zeitgenössisches nicht gut genug war. Umso erfreulicher ist die Erfahrung, dass sich vereinzelt auch neuinterpretierte Traditionsformen zwischen den Altbauten finden lassen. Beispielsweise das Ensemble um das schmale, rote Stadthaus von Morger Partner Architekten am Markt 30. Die Verbindung aus Alt und Neu wird hier zu einer gelungenen Mischung, die zeigt, dass sich Frankfurt  doch noch weiterentwickelt.

Zur Fertigstellung der neuen Altstadt hat das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt eine Ausstellung eröffnet. Sie kann bis zum 10. März 2019 besucht werden.
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