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Putztechniken, Baumaterial, Buch

Zwischen Funktionalität und Oberflächenkunst: Materialgeschichte(n) in Buchform

Materialkunde nicht nur für Bauhistoriker
Zum denkmalgerechten Sanieren gehört auch die Kenntnis der wichtigsten Baumaterialien aus der jeweiligen Epoche und ihrer Verarbeitung. Bei Gebäuden des 20. Jahrhunderts steht man dabei vor mehreren Herausforderungen: Die Materialvielfalt ist in den letzten 100 Jahren stark gestiegen, ebenso der Vorfertigungs- und Komplexitätsgrad der Bauteile. Eine systematische Dokumentation der wichtigsten Bauprodukte der Moderne fehlte bisher. Für den Innenausbau der frühen Nachrkriegszeit haben Uta Hassler und ihre Mitautorinnen eine solche jetzt vorgelegt. Der Fokus ihres Buchs liegt auf der Schweiz, doch viele Inhalte sind auch auf andere europäische Länder übertragbar. »Vom Baustoff zum Bauprodukt« gliedert sich in drei Abschnitte: Der einleitende Textteil enthält Beiträge zur Entwicklung der Massenproduktion im Bauwesen, zur Schadstoffproblematik und zum Umgang mit denkmalgeschützter Substanz aus der Nachkriegszeit. Kapitel zwei widmet sich ausführlich den Werkstoffen im Innenausbau der 50er- bis 70er-Jahre – von der Korkdämmung bis zur Gipskartonplatte – und ihrer Herstellung. Den Abschluss bildet ein Produktkatalog mit summarischen Hinweisen zu Inhaltsstoffen und Verarbeitung. Trotz der recht unübersichtlichen grafischen Gestaltung ist das Buch eine Fundgrube an Wissen für alle, die sich näher mit der Nachkriegsarchitektur befassen. Patentrezepte für die Sanierung sollte man davon freilich nicht erwarten.

Die Oberfläche der Architektur

Er ist Farbträger, Malgrund, Schutz- und Reliefschicht: Putz prägt die Architektur unserer Breiten wie kein anderes Oberflächenmaterial. In seinem Buch »Historische Putztechniken« hat der Restaurator und ehemalige Hochschullehrer Oskar Emmenegger nun seine Erkenntnisse aus mehr als 40-jähriger Beschäftigung mit historischen Verputzen zusammengefasst. Den größten Teil des Buchs nimmt die Dokumentation von 120 histo­ri­schen Gebäudebeispielen ein. Hinzu kommen Kapitel über Putzaufbauten und die Geschichte des Mauerwerksbaus sowie Beiträge von Gastautoren über Putzanalysen, historische Mörtelmischungen und den denkmalpflegerischen Umgang mit Putzoberflächen. Der inhaltliche Schwerpunkt des Buchs liegt auf der Schweiz, Süddeutschland und Norditalien, doch wo ihm dies relevant erscheint, präsentiert Emmenegger auch Putzarchitektur aus Mazedonien und Ägypten. Mehr als 900 Fotos, darunter viele Detailaufnahmen, vermitteln die visuellen und haptischen Qualitäten des Themas. Für Baupraktiker, die nur sporadisch im alten Gebäudebestand arbeiten, gehen die historischen Exkurse teils sehr in die Tiefe; außerdem fehlen Informationen zur fachgerechten Konservierung und Sanierung schadhafter Putzschichten. Dennoch ist »Historische Putztechniken« eine faszinierende Lektüre, nach der man manches auf den ersten Blick unscheinbare historische Bauwerk mit anderen Augen betrachtet.

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Weitere Buch­rezensionen finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 1+2 mit dem Themenschwerpunkt »Materialästhetik«.
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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 1+2/2019
DETAIL 1+2/2019, Materialästhetik

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