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Rosensteinquartier, Stuttgart, Stadtentwicklung, asp Architekten/Koeber Landschaftsarchitektur

Dicht und zugleich radikal grün

Insgesamt 54 Planungsbüros hatten sich für den städtebaulichen Wettbewerb »Rosenstein – Ideen für den neuen Stadtteil« zur Planung und Realisierung des Stuttgarter Rosensteinquartiers beworben. Der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft asp Architekten/Koeber Landschaftsarchitektur überzeugte die Jury aus Stadtplanern, Architekten und Stadträten nach der Überarbeitung auch in der zweiten Wettbewerbsphase. Mit der Umsetzung ihres Konzepts soll ein durchmischter, sehr grüner Stadtteil mit hohen Aufenthalts- sowie Wohnqualitäten und viel Raum für Experimente entstehen.

Übergeordnetes Rahmenwerk und Vernetzung
Die Entwicklungsfläche Rosenstein gilt als derzeit größtes Bauprojekt, das in naher Zukunft in Stuttgart verwirklicht wird. Im Herzen der Landeshauptstadt soll ein lebendiger neuer Stadtteil entstehen. Für Stuttgart besonders wertvoll: Die historische Achse vom Neuen Schloss zum Schloss Rosenstein wird aufgenommen. Damit gelingt der Brückenschlag zwischen Innenstadt und Neckar. Der Entwurf sieht nutzungs- und sozial durchmischte Nachbarschaften mit innovativem Mobilitäts- und Energieversorgungskonzept und durchgrünten Freiräumen vor. Schon im April hatte das Preisgericht die Vernetzung der vier neuen Quartiere mit den umgebenden städtischen Strukturen sowie die Einbindung des Bestands als besonders gelungen hervorgehoben. Auch der Gleisbogenpark, Rückgrat und prägendes Element des Entwurfs, fand viel Zuspruch. In der Überarbeitung wurden die Qualitäten innerhalb des grünen Bandes weiter herausgearbeitet, die Topografie angepasst und das Leitbild der dichten und zugleich radikal durchgrünten Nachbarschaften geprägt.

Radikales Freiraumkonzept
Die Architekten verbinden urbane Strukturen mit landschaftlichen und landwirtschaftlichen Elementen. Es entstehen Räume mit hohen Erholungs- und Aufenthaltsqualitäten, die außerdem förderlich für die Klimaanpassung und Artenvielfalt sind. Das komplette Gebiet wird minimal versiegelt, Höfe, Plätze sowie Straßenräume nicht unterbaut. Große Laubbäume prägen das Bild des neuen Stadtteils. Anfallendes Oberflächenwasser wird über die barrierefreie Topografie in bepflanzten Rinnen abgeleitet und gesammelt. Der Gleisbogenpark nimmt eine Vielzahl an Funktionen auf, die auf vielfältige Weise von unterschiedlichen Nutzern bespielt werden können. Als grünes Infrastrukturband finden sich hier neben Freizeit-, Kultur- und Sporteinrichtungen ebenso Elemente zur Verbesserung der ökologischen und stadtklimatischen Bedingungen wie auch Themen der urbanen Landwirtschaft. Die Infrastrukturbauten der S-Bahn und ein zentraler Marktplatz sind ebenfalls im Gleisbogenpark integriert.

Balance zwischen festen Regeln und offenen Räumen
Das Leitbild der dichten und zugleich grünen Nachbarschaften entwickelt sich aus der Typologie des urbanen Blocks, der nach außen eine geschlossene Kante bildet und im städtischen Kontext einen klaren Rahmen vorgibt. Dieses Prinzip modifizieren asp Architekten für die neuen Quartiere und öffnen die Blockstruktur im Innern. Durch Parzellierung, differenzierte Höhenabstufung, offene und geschlossene Bereiche und die Freiraumgestaltung entsteht eine Vielfalt an qualitativ unterschiedlichen Räumen. Dabei machen die verschiedenen Parameter die Grundstruktur äußerst anpassbar, so dass auf kommende Entwicklungen und Anforderungen flexibel reagiert werden kann.

Lebendige Quartiere
Die vier Quartiere sind vielfältig und unterschiedlich. So werden in der sogenannten Maker City als lebendiges Stadtlabor und Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) beispielsweise neue Formen der Nutzungsmischung getestet. Wohnen, Arbeiten, Experimentieren und Produzieren sollen hier modellhaft gemeinsam angesiedelt und die Grenzen zwischen öffentlich und privat neu definiert werden. Im Rosensteinviertel liegt der Fokus auf extremer Dichte in Zusammenhang mit neuen Formen der Gemeinschaft und des soziales Zusammenleben. Hierfür wird das Quartier autofrei gehalten, der öffentliche Raum kann fast vollständig begrünt und von den Anwohnern in Besitz genommen werden.

In einem städtebaulichen Rahmenwerk lassen die Architekten Platz für flexible Lösungen des städtischen Zusammenlebens und entwickeln Möglichkeiten für die individuelle Aneignung. Die Stadt der Zukunft ist nachhaltig, innovativ und offen – und vor allem: grün.

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