26.01.2010

AGIP - Tankstelle des Wirtschaftswunders


Die Agip-Tankstelle der 1950er Jahre weckt in vielen sehnsüchtige Erinnerungen an die ersten Italienurlaube. Als durchaus „schick“ galt damals die Tankstelle – man fuhr sie nicht nur zum Auftanken an, sondern auch, um an der Bar einen Espresso zu trinken und dabei modernes Flair zu genießen.

Dem italienischen Mineralölkonzern Agip kommt der Verdienst zu, den Bedeutungswandel der Tankstelle in Europa eingeleitet zu haben – fort von einem rein funktionell geprägten, unwirtlichen Ort hin zu einem mondänen Treffpunkt, der neben dem Tanken auch Shopping und Gastronomie bietet. Auch sprachlich hat das seine Spuren hinterlassen: hieß die Tankstelle ursprünglich stazione di rifornimento (Tankstelle), so sollte sie in den 1950er Jahren zur stazione di servizio (Servicestelle) nobilitiert werden.
Das Neuartige an dem Konzept, das Agip Anfang der 1950er Jahre vorlegte, ist die Kopplung der Tankstellenarchitektur an die Corporate Identity des Konzerns. Parallel zur Entwicklung des weltweit bekannten Logos lässt Enrico Mattei, Vorstandvorsitzender des Agip-Mutterkonzerns Eni, einen Prototyp für die standardisierte Tankstelle entwerfen. Vom kleinen Kiosk für Innenstadtbereiche über die mittelgroße Tankstelle mit Bar bis hin zur Großtankstelle mit Restaurantbereich entlang der großen Verkehrsadern folgen alle Typen denselben Parametern: Die Architektur mit dem dynamisch nach oben geschwungenen, fliegenden Dach zeichnet die Gebäude bereits von weitem klar als Agip-Tankstelle aus. Der hohe Wiedererkennungswert lässt die Tankstelle zu einem markanten architektonischen Markenzeichen werden.

Die Ausstellung in der Galerie im Erdgeschoss des Architekturmuseums beleuchtet nicht nur die architektonischen und bautechnischen Aspekte der Tankstelle mit Planzeichnungen und Skizzen. Die erzählstarken Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem Konzernarchiv von Eni eröffnen die Tür zu einer vergangenen Welt, einem Land voller Hoffnung und Optimismus auf eine bessere Zukunft. Exkurse in das neuartige Servicedenken der Zeit sowie zu dem Initiator des Programms Enrico Mattei (1906-62) runden die Schau ab.

Agip-Tankstelle Barletta, 1950er Jahre

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