18.02.2026 Jakob Schoof

Architecture’s Coming Home: UIA-Weltkongress in Barcelona

Barcelona ist immer eine Reise wert – und Anfang Juli für Architekturinteressierte erst recht: Der UIA-Weltkongress ist vom 28. Juni bis 3. Juli in der katalanischen Metropole zu Gast. © Ikumaru/Shutterstock

Als die Union Internationale des Architectes 1996 zum letzten Mal ihren Weltkongress in Barcelona veranstaltete, war die Stadt noch eine ganz andere. Die Olympischen Spiele gerade einmal vier Jahre her, Richard Meiers MACBA frisch eröffnet und von Overtourism und Gentrifizierung kaum eine Spur. In der Altstadt gab es noch Lebensmittelläden und niemand glaubte daran, dass Antoni Gaudís Sagrada Familia je fertiggestellt würde. Auch das Centre de Convencions Internacional de Barcelona (CCIB) und das Designmuseum Disseny Hub, zwei der drei Haupt-Austragungsorte des UIA-Kongresses von 2026, existierten noch nicht einmal als Handskizze ihrer Entwerfer Josep Lluís Mateo und MBM Arquitectes. Nur die Energiezentale „Tres Xemeneies“ (deutsch: Drei Schornsteine) im Vorort Sant Adrià de Besòs produzierte bereits fossilen Strom. 2011 wurde sie stillgelegt, 2024 für die Kunstausstellung Manifesta 15 zu neuem Leben erweckt. In diesem Jahr ist sie der zentrale Schauplatz und mit Sicherheit die größte architektonische Attraktion des Kongresses.

Die Turbinenhalle des ehemaligen Heizkraftwerks „Tres Xemeneies“ in Sant Adrià wird zum zentralen Veranstaltungsort des Kongresses. © Anna Mas 

Welthauptstadt der Architektur

Weitere Bestandteile des Programms sind die Verleihung der UIA-Architekturpreise in der Sagrada Familia sowie die Abschlussfeier im Kastell auf dem Montjuïc. Mit diesem über die ganze Stadt verteilten Konzept unterscheidet sich die Veranstaltung in Barcelona auch deutlich vom letzten UIA-Weltkongress 2023 in Kopenhagen, als alle Programmpunkte im Kongresszentrum „Bella Center“ auf halbem Weg zum Flughafen stattfanden. Im Vergleich zum Vorgänger haben sich die Veranstalter in Barcelona viel vorgenommen: Rund 10 000 Interessierte aus aller Welt sollen im Lauf der sechstägigen Veranstaltung (28. Juni bis 3.Juli 2026) nach Barcelona kommen. Das ist rund ein Drittel mehr als die 6000 Gäste, die Kopenhagen 2023 vor drei Jahren empfing.

In der Sagrada Familia werden die diesjährigen Architekturpreise der UIA verliehen. © Sagrada Familia

Wie üblich trägt Barcelona zeitgleich auch den Ehrentitel als World Capital of Architecture. Er wird von der Unesco stets an den Austragungsort des Welt-Architekturkongresses verliehen. Damit will die UN-Tochterorganisation die Rolle von Architektur und Stadtplanung einer breiten Öffentlichkeit bewusst machen. Der Kongress selbst wird vom spanischen und dem katalanischen Architektenverband organisiert und erhält Fördermittel vom Staat, der Provinz Katalonien und der Stadt Barcelona. Für die Auswahl der Programmpunkte zeichnet ein sechsköpfiges Kuratorenteam verantwortlich – alles Absolventinnen der örtlichen Architekturfakultät, die inzwischen eigene Architekturbüros leiten und an Hochschulen im In- und Ausland lehren.  

Das Kuratoren- und Organisationsteam des UIA-Kongresses, © Anna Mas

Bekannte Namen und Hoffnungsträger von morgen 

Das verspricht eine enge Verzahnung zwischen Forschung, Lehre und Praxis, die sich auch im Veranstaltungsprogramm niederschlägt. Eine erste Liste mit rund 100 Speakern und Podiumsteilnehmern wurde bereits im Januar veröffentlicht. Darauf stehen viele Namen, deren Werke bereits in Detail veröffentlicht wurden: Roger Boltshauser und Tatiana BilbaoPeris + Toral und Max Núñez, das belgische Architekturbüro 51N4E und Bruther aus Paris. Aus Deutschland werden unter anderem Protagonisten wie Arno Brandlhuber vertreten sein, dessen Büro sich gemeinsam mit der Initiative HouseEurope! mit der europäischen Baugesetzgebung und deren Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft befassen wird. 

Auch das Designmuseum Disseny Hub gegenüber der Torre Agbar wird zahlreiche Podiumsdiskussionen, Workshops und Vorträge zu Gast haben. © Ajuntament de Barcelona

Der Weltkongress als Forschungslabor 

Über dieses und andere Probleme wird beim UIA-Kongress nicht nur geredet – im Vorfeld des Kongresses wird auch gearbeitet. „A Wicked Laboratory“ ist der Titel eines zehntägigen Workshops für Studierende und junge Absolventen. Angeleitet von zwölf aufstrebenden Architekturbüros sollen sie sich mit den drängendsten Problemen der Stadt Barcelona auseinandersetzen – von der mittlerweile oft unerträglichen Hitze im Sommer über den Massentourismus bis zum Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Die Arbeitsergebnisse werden während des Kongresses in der ehemaligen Energiezentrale ausgestellt. Gleiches gilt für die Forschungsinitiative „Research by Design“. Darin hatten zwölf internationale Architekturteams ein Jahr Zeit, um sich einer selbst gesetzten Aufgabenstellung zu widmen – sei es zum Urban Mining, neuen, feministischen Wohnformen oder adaptionsfähigen Bauweisen. Es wird sich zeigen, ob die Architekturbüros genuin neue Forschungsergebnisse präsentieren oder lediglich eine Essenz ihrer bisherigen Arbeit.

Wo 10 000 Architektinnen und Architekten aus mehr als 130 Ländern zusammenkommen, darf auch Detail nicht fehlen. Im Rahmen des UIA-Kongresses werden wir die Sieger des Detail Construction Awards auszeichnen. Der Preis wurde im letzten Jahr erstmals ausgelobt; die Jury hat Ende Januar in München über die 331 Einreichungen entschieden. Alle sechs Preisträger werden in der Detail-Jubiläumsausgabe im Juni 2026 vorgestellt.



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