Betonmonolith auf grüner Wiese
Carl-Orff-Museum in Dießen von Meck Architekten
Der Museumsneubau ist schon von weitem durch das markante Tonnendach über dem großen Saal zu erkennen © Florian Holzherr
Vorn der unverbaubare Blick auf den Ammersee und die Alpen, hinten der Waldrand zum Greifen nah: Man kann sich leicht vorstellen, warum sich Carl Orff und seine dritte Ehefrau, die Schriftstellerin Luise Rinser, in das Anwesen „Am Ziegelstadel 1“ in Dießen verliebten. Es war Mitte der 1950er-Jahre, Orff war fast 60 Jahre alt und suchte nach einem Altersruhesitz abseits des Großstadttrubels von München.
Unscheinbar und doch denkmalgeschützt
1954 erwarb das Ehepaar das Grundstück mit den beiden Wohnhäusern aus dem 19. Jahrhundert. Orffs Schwager, der Landschaftsarchitekt Alwin Seifert, baute es im nüchternen Nachkriegsstil um. Bis 2012 wohnte darin Orffs vierte Ehefrau Liselotte, dann ging es in den Besitz der 1986 gegründeten Carl-Orff-Stiftung über. Sie hat den Wohn- und Arbeitsort jetzt mit Unterstützung des Architekturbüros Meck Architekten zu einem Museum erweitert. Der Entwurf geht auf einen Architektenwettbewerb 2019 zurück, im Dezember 2023 wurde der Grundstein für den Erweiterungsbau gelegt.


An der Innenseite des Deckengewölbes streuen einbetonierte Rippen den Schall. © Florian Holzherr
Zeitgleich dazu ließen Meck Architekten die beiden Bestandsgebäude, die seit 2018 unter Denkmalschutz stehen, sanieren. Das ehemalige Wohnhaus beherbergt heute die Räume der Carl-Orff-Stiftung, ein Museumscafé und das originalgetreu erhaltene Wohnzimmer. Im westlich davon gelegenen „Arbeitshaus“ ist Orffs Komponierzimmer erhalten. Eine in den 1960er-Jahren errichtete, nach Süden ausgerichtete Pergola mit tief herabgezogenem Pultdach verbindet die beiden Häuser miteinander.


Markante Deckenrippen aus Infraleichtbeton überspannen den Saal mit der Dauerausstellung. © Jakob Schoof
Rippendecken aus Infraleichtbeton
Die Museumserweiterung schließt sich auf der Nordseite an den Bestand an. „Roh, einfach und schön“ – wie Orffs Musik auch – wollten Meck Architekten das Gebäude gestalten. Dazu kontrastieren sie Seiferts alpenländisch angehauchte Putz-Architektur mit Außenwänden und Rippendecken aus Sichtbeton. Oder, um genau zu sein: aus monolithischem Infraleichtbeton ohne zusätzliche Wärmedämmung. Der Beton wurde komplett vor Ort geschalt mit Ausnahme des markanten Gewölbedachs über dem großen Saal, das in Form von halbtonnenförmigen Fertigteilen angeliefert wurde. Sie sind an der Unterseite mit einem einbetonierten Feinripp-Muster versehen, das den Schall in alle Richtungen streut. Die Rippendecken des Foyers und der Dauerausstellung sind mit schalldämpfenden Holzwolle-Leichtbauplatten versehen. Der Boden besteht aus dunklem, geschliffenem Gussasphalt mit hellen Einsprengseln.


Das Arbeitszimmer des Komponisten blieb unverändert erhalten. © Jakob Schoof
Mit Tonnendach und Fernblick
Der Saal wird derzeit für Konzerte und Veranstaltungen genutzt, langfristig sollen hier auch Sonderausstellungen stattfinden. Die Dauerausstellung zu Carl Orffs Leben und Werk ist hingegen in einem Flachbau auf seiner Rückseite untergebracht, der die beiden Bestandsgebäude wie eine Klammer verbindet. Die Ausstellung ist, wie heute üblich, auf Interaktion mit dem Publikum ausgelegt. Per Smartphone kann man sich die Ausstellungstexte vorlesen lassen und könnte – zumindest theoretisch – auch Carl Orffs Musik erleben.
Besuch vor Ort
Hätte, wenn und könnte: Bei unserem Besuch vor Ort Anfang November 2025 streikte die Museums-App gerade, und bei einem Starkregen war Wasser in den Fußbodenaufbau im Keller eingesickert. Wenn solche Kinderkrankheiten einmal überwunden sind, die Bautrocknungsgeräte ihren Dienst getan haben und auch die Außenanlagen begrünt sind, ist das neue Carl-Orff-Museum in jedem Fall einen Besuch wert. Mit seiner Sichtbetonarchitektur beeindruckt der Erweiterungsbau von Meck Architekten schon heute.
Weitere Projekte von Meck Architekten finden Sie in unserer Datenbank Detail Inspiration.
Architektur: meck architekten
Bauherr: Carl-Orff-Stiftung
Standort: Ziegelstadel 1, 869111 Dießen am Ammersee
Baumanagement, Kosten- und Terminplanung: meck ingenieure
Landschaftsarchitektur: Lohrer Hochrein Landschaftsarchitekten und Stadtplaner















