Einfachheit als Statement
Doppelhaus in Friedrichsruhe von Larob Studio und Florian Nagler Architekten
Das Doppelhaus in Friedrichruh folgt dem Prinzip des „Einfachen Bauens“. © Sebastian Schels
In Friedrichsruh entstand mitten in Ackerfeldern, bewaldeten Hügeln und dem weitläufigen Landschaftsraum ein neues Doppelhaus, das mit seinem Erscheinungsbild Ruhe und Schlichtheit ausstrahlt. Florian Nagler Architekten und Larob Studio folgten mit ihrem Entwurf dem Prinzip des „Einfachen Bauens“. Die Bebauung funktioniert aus sich selbst heraus und verzichtet bewusst auf gestalterische Komplexität. Durch den Einsatz natürlicher Materialien und einfacher Konstruktionsprinzipien entstand eine hohe räumliche und atmosphärische Qualität.
Materialität
Beim Doppelhaus in Friedrichsruh setzten die Architekten bewusst auf Materialien, die sich seit Jahrhunderten bewährt haben. Die Konstruktion besteht aus massiven Brettsperrholzelementen aus unbehandelter Fichte. Auf zusätzliche Verkleidungen wurde verzichtet, sodass die Holzoberflächen sichtbar bleiben und die Räume prägen. Wände, Decken und Dachflächen schaffen dadurch eine helle, ruhige Atmosphäre mit natürlicher Wärme. Dieses Prinzip setzt sich auch im Erdgeschoss fort. Böden aus Stampflehm wurden nicht nur aus gestalterischen Gründen gewählt, sondern auch wegen ihrer funktionalen Eigenschaften. Sie speichern Wärme, regulieren die Luftfeuchtigkeit und verbessern die Akustik. In Kombination mit dem Holz entsteht ein ausgewogenes Raumklima, das die Räume im Sommer angenehm kühl und im Winter behaglich warm hält.


Brettsperrholz-Elemente und Böden aus Stampflehm lassen eine helle und ruhige Atmosphäre entstehen und strahlen Wärme aus. © Sebastian Schels


Unverkleidete Holzoberflächen prägen das räumliche Klima. © Sebastian Schels
Einfachheit statt Komplexität
Die Idee der Einfachheit prägt den gesamten Entwurf. Langlebigkeit entsteht hier nicht durch unnötige technische Komplexität, sondern durch eine klare, reduzierte Konzeption. Das Gebäude ist nachhaltig, weil es sich konsequent auf das Notwendige beschränkt und bewusst mehr weglässt, als es hinzufügt. Dieses Prinzip zeigt sich nicht nur in Konstruktion und Materialität, sondern auch in der technischen Planung. Die Technik ordnet sich der Architektur unter: Warmwasser wird dezentral erzeugt, Installationen bleiben zugänglich und nachvollziehbar geführt. So bleibt das Gebäude in seiner Struktur klar lesbar und ist flexibel sowie reversibel gestaltet.


Die Größe der Fensteröffnungen ist an die jeweilige Raumfläche angepasst. © Sebastian Schels


Die Gebäudehülle besteht aus einer vorvergrauten Holzschalung und Dach aus Bieberschwanzziegeln. © Sebastian Schels
Belichtung und Gebäudehülle
Die Größe und Position der Fensteröffnungen wurden aus den jeweiligen Raumflächen abgeleitet, sodass alle Räume optimal belichtet und natürlich belüftet werden. Belichtung und Energieertrag sind dabei sorgfältig aufeinander abgestimmt. Dadurch konnte auf einen externen Sonnenschutz verzichtet werden. Mit seiner Proportion, Speichermasse und Ausrichtung reguliert sich das Gebäude weitgehend selbst. Die Gebäudehülle besteht aus einer vorvergrauten Holzschalung, das Dach ist mit Bieberschwanzziegeln gedeckt. Das Haus wirkt zurückhaltend und zugleich präzise in seiner Ausführung – es fügt sich selbstverständlich in die Umgebung ein, ohne sich an sie anzupassen.
Architektur: Florian Nagler Architekten (LPH 1-2), larob.studio für architektur (LPH 3-8)
Bauherr: Privat
Standort: Zweiflingen, Friedrichruhe (DE)
Tragwerksplanung: merz kley partner
























