25.04.2013

Jakob Fink

Jakob Fink

In drei Worten: Was bedeutet das DETAIL-Stipendium für dich?
Motivation, Freiraum, Wissen

Welcher deiner Entwürfe wird die Architekturwelt in zwanzig Jahren gravierend beeinflussen?
Ich glaube, dass Architektur weniger die Kunst des Erfindens, als eine kunstvolle Anwendung von Regeln ist. Unsere Häuser und Haustypen sind nicht zufällig entstanden, vielmehr sind sie Spiegel ihrer Zeit. Heute zerstören wir jedoch eine Vielzahl dieser gebauten Geschichte und am Ende bleibt uns nur das Erfinden. Hoffentlich kann ich durch meine Arbeit, diesen Trend in der Architekturwelt gravierend beeinflussen.

Welches Bauwerk hättest du gern entworfen?
Die "Casa e atelier Meier" von Armando Ruinelli in Soglio.

Was inspiriert dich? Mit welchen Hobbys tankst du Kraft für neue Aufgaben?

Die Berge begleiten mich schon seit geraumer Zeit und geben mir viel Kraft und Inspiration. Beim Klettern kann ich meinen Kopf absolut freibekommen und mich ganz auf mich und auf meine Entscheidungen konzentrieren. Die Stille in den Bergen ist für mich der perfekte Ausgleich zur hektischen und lauten Stadt Zürich.

Welches Low-Budget-Projekt würde dich begeistern?
Alles was heute nicht mehr funktioniert, schmeißt unsere Gesellschaft sofort und ohne darüber nachzudenken in den Müll. Die wenigsten versuchen sich überhaupt darin, etwas zu reparieren. Ein Projekt, welches den Menschen zeigt wie einfach sich vieles mit kleinen Handgriffen wieder zum Leben erwecken lässt, würde mich begeistern.

Monatsbericht Dezember 2012 Im vergangenem Monat habe ich mich hauptsächlich mit einem Essay über
das „flache Gewölbe“ im Schloss El Escorial beschäftigt. Vor allem die Recherche arbeiten sind nicht ganz einfach, da es kaum deutsch- oder englisch
sprachige Literatur gibt. Es gibt im Allgemeinen eigentlich nur wenige Menschen, die sich mit dieser Art von Gewölbe befasst haben, aber genau
das macht die Arbeit eigentlich so spannend.
Das besondere an dem erwähnten Gewölbe ist das es nur an den Außenseiten
ein Gewölbe im eigentlichen Sinn ist. Der gesamte innere Teil besteht aus mehreren, zum Boden Parallel laufenden, Granitringen, welche nur durch Reibung und Druckspannung an Ort und Stelle bleiben. Die Frage, welche ich zu beantworten versuche, ist, durch welche Maßnahmen auf der Baustelle dieser Grad von Perfektion eigentlich erreicht werden konnte.
Ganz unabhängig von dieser Arbeit habe ich eine Reihe von ETH-Vorträgen
besucht. Auf der einen Seite ist es immer extrem spannend Architekten wie
Jacques Herzog, Prof. Marc Angelil oder Annette Gigon reden zu hören, auf der anderen Seite verstehe ich immer weniger was sie uns eigentlich zu sagen versuchen. Bei den Podiumsdiskussionen kommt man eigentlich immer wieder zu dem Konsens das die Schweiz in einer tiefen Architekturkrise steckt. Nicht in einer auf den Arbeitsmarktbezogenen, sondern in einer Krise der „Analogie“. Sprich die Schweiz kann seit Jahren nicht aus den immer wieder verwendeten Formen und Denkstrukturen ausbrechen und das Phänomen wird durch das Totalunternehmertum auch noch unterstützt bzw. vorangetrieben. Hier frage ich mich immer wieder, wie können eigentlich Architekten wie Jacques Herzog diese Meinung vertreten aber auf der anderen Seite immer neue riesige Bauprojekte, zusammen mit Totalunternehmern stemmen - ohne eine Antwort auf ihre eigenen Fragen zu geben?
Monatsbericht Januar 2013 Diesen Monat ging es bei mir mehr darum meine Familie und meine Verwandtschaft mal wieder zu sehen und Architektur stand nicht zwangsläufig im Mittelpunkt. Trotzdem war ich ein paar mal mit meinem Vater in München unterwegs um, mir weniger bekannte, Gebäude und Stadtteile an zu schauen. Unter anderem haben wir frühe Häuser von Otto Steidle angeschaut und dann parallel dazu die neuen in einen Vergleich gestellt.
Mein eigentliches Highlight war allerdings die St. Johann Kirche vom Architekten Sep Ruf. Der Innenraum und die dortige Reduktion auf ein absolutes Minimum hat mir unheimlich gut gefallen. Besonders dass sich der religiös wichtigste Objekt, der Altar, absolut in den Hintergrund befindet und den Raum als solchen wirken lässt.
Ausserdem hab ich mir noch mal die Ausstellung „Der Architekt“ angeschaut,
welche auch beim zweiten Mal noch Spaß gemacht hat. Endlich konnte ich auch in Ruhe die Glyptothek anschauen, da ich die letzten Jahre eigentlich nur zum Caffee trinken dort war. Das Caffee ist im Sommer mindestens so gut wie das im Vorhölzer Forum!
Jetzt beginnt die Prüfungsvorbereitungszeit, nichts spannendes mehr - einfach nur noch blindes Auswendig lernen um es dann im richtigen Moment aus zu kotzen. Mir ist ein absolutes Rätsel, warum Professoren mit Weltrang nicht mal dazu gezwungen werden ein Buch über das Lernverhalten von Studenten zu Lesen. Es kann doch nicht sein, dass ich 20 Vorlesungen + 20 Texte + 20 Syllabus lernen soll (Für eine Prüfung mit 2 ECTS). Es werden einzig und alleine Namen und kurze Stichpunkte abgefragt - es geht also nicht um die Zusammenhänge sondern tatsächlich ums blinde auswendig Lernen von Namen und Fakten.
In meinen Augen ist die Prüfungsmethodik der ETH ein steinzeitliches Überbleibsel einer anderen Generation und alles andere als fortschrittlich !

St. Capistran, München

Monatsbericht Februar 2013 Das viele Lernen hat sich gelohnt und der erste Prüfungsblock bestanden. In
meinem letzten Monatsbericht habe ich mich sehr kritisch zu dem Prüfungssystem geäußert und war mir nicht ganz sicher, ob ich eventuell etwas unfair war. Daher hab ich als Selbstversuch letzte Woche noch mal alle meine Karteikarten der Prüfungen durchgearbeitet. Das Ergebnis war, wie schon befürchtet, nicht sonderlich erfolgreich, da ich nur noch ca. 30% aller Namen/Daten wusste und das schon zwei Wochen nach der Prüfung! So wie´s ausschaut, muss sich wohl jeder durch unser antiquiertes Bildungssystem kämpfen und dafür auch noch immer mehr Zahlen.
Parallel dazu, erschien in der „Zeit Campus“ ein Artikel mit dem Namen „Die
Noten Lüge“ von Leonie Seifert. Sie legt gut argumentiert dar, dass unser gesamtes Bildungssystem und deren Notengebung ein völlig unfaires Konstrukt aus der Zeit vor Bologna ist. Leider fällt auch ihr kein neuer Weg der Benotung oder des Vergleichs unter Studenten ein.
Letzte Woche hab ich die Ausstellung „3D – Dreidimensionale Dinge drucken“ im Museum für Gestaltung in Zürich angeschaut.
http://www.museum-gestaltung.ch/de/ausstellungen/aktuell/
Die Ausstellung ist in Zürich ziemlich gehypt und hat viel versprochen, doch
schlussendlich war sie ziemlich uninteressant. Das Thema hätte natürlich ein unheimliches Potenzial gehab, da es eigentlich eine der ersten Ausstellungen war, welche das doch ziemlich komplexe Thema dem Besucher hätte näherbringen können. Vielmehr war es dann aber nur eine Ansammlung von Ausstellungsstücken aus Barcelona ohne Beschreibungen und Kontext. Auch wurde an keiner Stelle der gesamte und teils langwierige Entwicklungsprozess eines solchen Modelles dargestellt. Hier rate ich jedem interessierten, einfach in der ETH vorbeizuschauen, dort können spannendere Projekte betrachtet werden und man bekommt ein viel besseres Gespür für den eigentlichen Prozess des 3D-Druckens. - Umsonst
Nach wie vor arbeite ich an dem Projekt, welches wir im Rahmen der Netzwerkparty angefangen haben. Wie schon erwartet, ist es nicht ganz einfach von den Pritzkerpreisträgern Antworten/Skizzen zu bekommen. Eventuell war die Idee mit den persönlichen Briefen nicht so gut, weil eine Antwort einfach zu viel Arbeit ihrerseits bedeutet. Daher werd ich in den nächsten Tagen noch einen zweiten Versuch per E-Mail starten und hoffen, dass ich dann wieder ein paar Antworten bekomme. Wenn ich mal Zeichnungen von bekannten Architekten habe, dann wird es sicher auch einfacher, weitere zum teilnehmen zu animieren.
Monatsbericht März 2013 Begonnen hat der Monat mit der „Concrete“ Ausstellung im Fotomuseum Winterthur. Jedoch ist die Ausstellung so groß, dass ich um einen zweiten Besuch nicht herumkommen werde. Ich konnte für mich keinen klaren Fokus der Ausstellung finden, vielmehr werden viele verschiedene Fragestellungen aus den Bereichen Fotografie und Architektur thematisiert. So kann man dort schnell Stunden verbringen, ganz unabhängig, ob man mit Beton etwas anfange kann oder nicht.
http://www.fotomuseum.ch
Den eigentlichen Ansporn für die Ausstellung hatte ich durch ein Fotografiekurs, welchen ich dieses Semester besuche. Hier arbeiten wir an einer Fotoserie für das „trans magazin“ mit dem Thema: Grenzen. Explizit werden wir uns mit den Grenzen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Raum auseinander setzen. Hierfür möchten wir eine Reihe Orte aufsuchen, die zwar der Öffentlichkeit dienen von ihr jedoch nicht betreten oder gesehen werden. Wenn du/ihr eine gute Idee für einen solchen Raum hast, bin ich dankbar für jedweder Tipps! Die Fotos werden wir mit analogen Fachwerk Kameras im Großformat aufnehmen. Ganz unabhängig von der Fotografie werde ich in den ruhigen Osterwochen mal wieder in die Schreinerei gehen und versuchen mir ein massives Sideboard aus Kirschholz zu bauen. Da ich die letzten Jahre nur noch sehr selten handwerklich anspruchsvolle Arbeiten machen konnte, bin ich jedoch ein wenig skeptisch, ob ich mich Sechs Jahre nach meiner Lehrzeit noch an die Maschinen traue, oder ob am Ende einfach schönes Brennholz dabei herauskommt. Anbei mal ein paar erste Gedanken über das Eckdetail:

Eckdetail

Monatsbericht April 2013 Im laufe des Monats habe ich viele Vorträge besucht, unter anderem von Tatiana Bilbao, Helmet K. Stern, Freek Persyn, Tigran Haas und James Campbell. Besonders möchte ich den spannenden Vortrag von J. Campbell aus Cambridge hervorheben. Er ist Architekt und Historiker in den USA, Hong Kong und forscht im Bereich der Geschichte von Baukonstruktion. Aus dieser Arbeit entstand 2003 auch das Buch „a World History“. In seinem Vortrag an der ETH stellt er die Geschichte der Ziegel dar. Angefangen bei den ersten Bauten aus Lehmziegel ca. 6000 v. Chr. über die Künste im Iran und der Türkei bis hin zu den späten Bauten in England.
Es war auch toll zu sehen, wie Unterschiedlich wir an der ETH, im Vergleich zu
unseren nördlichen Studienkollegen ausgebildet werden. Darauf spielte T. Haas, welcher Professor am schwedischen Royal Institute of Technology ist, immer wieder an. Er ist der Meinung, dass die Schweizer Städtebauausbildung den Stil des „Post Urbanismus“ vertritt und wir uns damit eigentlich auf dem absteigenden Ast befinden. Vielmehr sollten wir uns ihren Stil des „Re_Urbanism“ anschauen und ihn am besten auch gleich anwenden. Im konkreten ist damit gemeint, dass die Stadt als „konstantes städtisches Gewebe“ zu sehen ist, mit existierenden Gebäuden, verschiedenen Dichten und einer Vielzahl von freien Flächen. Wir müssen erst diese gegebenen Faktoren verstehen und analysieren können um überhaupt etwas neues Bauen zu können. Aus seinem Vortrag gehen vier wichtige Punkte für eine bessere Stadt hervor:
1 - Das Zentrum jeder Nachbarschaft sollte durch einen öffentlichen Platz einen
     eigenen Charakter bekommen und durch Läden und Anwohner aktiviert
     werden.
2 - Jede Nachbarschaft sollte verschiedenste Wohntypen beinhalten.
3 - Alles muss zu Fuß erreichbar sein - Vorrang für öffentlichen Verkehr,
4 - Die Architektur sollte auf die städtischen Gegebenheiten und das                      umliegende Gewebe reagieren.
Ich persönlich fand die Punkte von T. Haas äußerst spannend, vor allem weil er sie ziemlich klar definiert hat und seine Aussagen durch gute Beispiele belegen
konnte. Parallel dazu zeigte er auch gut die negativen Aspekte unserer Ausbildung.
Über die Ostertage war ich in der Werkstatt und hab an dem Sideboard gearbeitet, allerdings werde ich erst die nächsten Tage damit fertig. Dann schick ich Bilder im nächsten Bericht.
Monatsbericht Mai 2013 Anfang Mai war ich wieder in München um das Sideboard endlich fertig zu bauen. Nach ein paar Tagen in der Werkstatt waren alle Oberflächen lackiert und das Möbel transportbereit. So Gings dann halblegal (Nicht einmal der Zoll selbst weiss wie ein selbst gebautes Möbel zu verzollen ist...) über die Grenze nach Zürich. Daheim noch die Schubladenfronten montiert und fertig wars.

Sideboard

Sonst war ich noch auf Vorträgen von Atelier Bow-Wow, Miroslav Sik und von Tom Emerson. Darüber hinaus gabs noch die Fotoausstellung im Bündner Kunstmuseum, Diplomausstellung und die Endkritiken zu sehen. Besonders die Endkritiken machten unheimlich Spaß, da ich langsam aber sicher ungeduldig werde ohne Entwurf - Ein Architekturstudium ist irgendwie nicht sonderlich fordernd ohne Entwurf. Bis zum Entwurf im September muss ich wohl noch einen Block von ungemütlichen und sinnfreien Prüfungen im August über mich ergehen lassen. Besonders die Arbeiten der Studierenden bei Miroslav Sick haben mich begeistert, da dort alle zwei Wochen Kritiken sind, arbeiten die Studenten unheimlich hart - dementsprechend gut auch die Resultate. Seit Jahren habe ich kaum bessere Entwürfe und perfektere Pläne gesehen und trotzdem war die Kritik hart - jedoch auf höchstem Niveau!
Außerdem fängt diesen Monat unsere Wohnungssuche an, da wir im September ausziehen müssen. Dabei war zwar klar, dass es nicht ganz einfach wird in Zürich eine Wohnung zu finden, welche nicht völlig überteuert ist - aber das Erlebte ist noch verrückter als ich erwartet hatte. Letzte Woche waren wir auf zwei Wohnungsbesichtigungen, bei einer waren trotz Regen, mindestens 200 Leute da. Die Schlange ging wie in einem schlechten Film einmal ums gesamte Haus und dann zwei Stockwerke nach oben. Naja Beworben haben wir uns mal, aber da die Erfolgschancen eher schlecht sind, lasst mich Wissen wenn jemand was hört!
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