Energieeffizienter Koloss
Schwarzman Centre in Oxford von Hopkins Architects
Das Schwarzman Centre hat zwei einander gegenüberliegende Haupteingänge. © Hufton + Crow
Kaum ein Universitätsgebäude in Großbritannien und Amerika entsteht noch ohne finanzkräftige Geldgeber. Auch nicht an der altehrwürdigen Universität Oxford. Hier war es Stephen Schwarzman, Mitbegründer und CEO des Finanzverwalters Blackstone, der für den Neubau der geisteswissenschaftlichen Fakultäten rund 185 Millionen britische Pfund und seinen Namen hergab.


Arkadengang vor dem Eingang, © Hufton + Crow
Zwischen Sternenguckern und Nachwuchspolitikern
Anfang 2020 gewannen Hopkins Architects den Architektenwettbewerb für das Schwarzman Centre for the Humanities. Der Neubau mit mehr als 25 000 m² Geschossfläche steht nördlich des Stadtzentrums auf dem Areal eines ehemaligen Krankenhauses, dass die Universität schon 2007 für ihre Erweiterungsbauten abreißen ließ. Er ist umgeben von prominenten Nachbarn, darunter Bauten von Rafael Viñoly, Niall McLaughlin und Herzog & de Meuron. 2015 stellten die Schweizer unmittelbar südlich den Rundbau der Blavatnik School of Government fertig. Auf der anderen Seite, im Norden, steht ein weiteres stadtbildprägendes Architekturjuwel – die 1773 fertiggestellte Sternwarte des Radcliffe Observatory.


Längsschnitt durch das Gebäude, Grafik © Hopkins Architects
Umfangreiches Raumprogramm auf wenig Geschossen
Es ist in Oxford gute Tradition, dass sich auch die größten Neubauten auf vier, höchstens fünf Geschosse beschränken. Das machte es nicht leicht für Hopkins Architects, das gewaltige Raumprogramm im Neubau unterzubringen. Räume für sieben Fakultäten von Theologie über Musik bis zu mittelalterlichen Sprachwissenschaften, die neu gegründete Bodleian Library of the Humanities, ein Café sowie vier Veranstaltungssäle sollten im Gebäude ihren Platz finden. Rund ein Sechstel der Gebäudefläche – darunter fast das komplette Erdgeschoss – ist öffentlich zugänglich. Auch damit bildet das Schwarzman Centre eine Premiere in der Universitätsstadt.


Eine Holz-Glaskonstruktion mit 19 m Spannweite überwölbt das Atrium. © Hufton + Crow
Das Atrium als Begegnungs- und Arbeitsort
Den zentralen Dreh- und Angelpunkt des Neubaus bildet das Atrium mit seiner 19 m breiten und 7 m hohen Kuppel aus Glas und Holz. Die sich kreuzenden Holzbalken bilden nicht nur das Primärtragwerk der Kuppelkonstruktion, an ihnen ist auch eine Lamellenkonstruktion befestigt, die den Innenräumen Schatten spendet. Von hier aus gelangt man in den Obergeschossen Richtung Süden, Westen und Osten in die Fakultätsräume sowie auf der Nordseite in die dreigeschossige Bibliothek. Das Atrium ist aber nicht nur ein Bewegungs-, sondern auch ein Arbeitsraum: Im Erdgeschoss und auf den drei Galerieebenen warten Lounge-Möbel und Arbeitstische auf die Studierenden.


Rund 500 Personen finden in dem dreigeschossigen, unterirdischen Konzertsaal Platz. © Hufton + Crow
Vier unterirdische Veranstaltungssäle
Direkt unter dem Atrium gelangt man in ein weiteres, zweigeschossiges Foyer, dass die vier Veranstaltungssäle erschließt: eine Konzerthalle mit 500 Plätzen, ein Theater mit 300 Plätzen sowie eine experimentelle „Black Box“ und ein Kino mit je rund 100 Plätzen. Die Verlegung der Säle unter die Erde war die einzige Möglichkeit, die überbaute Fläche einigermaßen im Rahmen zu halten. Doch auch so sind die Gebäudeflügel derart tief, dass die Glaskuppel von der Straße aus nicht sichtbar ist.


Klassizismus trifft Vorfertigung: Die luftdichte Gebäudehülle war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Schwarzman Centre den Passivhausstandard erreicht. © Simon Kennedy
Spätklassizistisches Passivhaus
An den Gebäudefassaden begegnen sich Klassizismus und moderne Fertigungsmethoden. Hopkins Architects komponierten Ziegel aus Yorkshire sowie Kalkstein aus der englischen Grafschaft Rutland zu einem Fassadenbild mit Arkaden, Blindfenstern und Horizontalgesimsen. Die Fassaden wurden als großformatige Elemente im Werk vorgefertigt, auch um eine hohe Luftdichtheit zu erreichen. Diese ist Voraussetzung, um den von der Universität vorgegebenen Passivhausstandard zu erreichen. Bis 2035 will die Universität Oxford komplett CO2-neutral werden – da passt es gut ins Bild, dass mit dem Schwarzman Centre das größte Passivhaus Großbritanniens und der weltweit erste Passivhaus-Konzertsaal entstanden sind. Der U-Wert der Gebäudehülle beträgt – einschließlich Fensterflächen – gerade einmal 0,12 W/m²K. Frische Luft erhält das Universitätsgebäude aus insgesamt 22 Lüftungsgeräten mit Rotationswärmetauschern. Und auch der Baustellenbetrieb war laut Hopkins vorbildlich: Zugelassen waren nur vollelektrische oder mit Pflanzenöl betriebene Baustellenfahrzeuge.
Lesen Sie mehr zu Projekten von Hopkins Architects in unserer Datenbank Detail Inspiration.
Architektur: Hopkins Architects
Bauherr: Estates Services Capital Projects, University of Oxford
Standort: Oxford OX2 6AH (GB)
Tragwerksplanung: AKT II
Landschaftsarchitektur: Gillespies
TGA-Planung: Max Fordham
Bauunternehmen: Laing O’Rourke
Theaterberatung: CharcoalBlue
Akustikberatung: Arup, Max Fordham
Passivhausplanung: Etude
Brandschutzingenieur: Fire Ingenuity
Projektmanager: CPC Project Services
Kostenberater: Arcadis



























