Regional und ökologisch
Sozialzentrum bei Bordeaux von ABF-Lab
Weit auskragende Dächer schützen die Fassaden des Sozialzentrums vor der hochstehenden Sonne. Vor den Erdgeschossfenstern ließen die Architekten Faltläden aus Weidengeflecht einbauen. © Ivan Mathie
Weite Dachüberstände verschatten das zweigeschossige Sozial- und Gesundheitszentrum des Départements Gironde in Langon, einer Gemeinde mit knapp 10 000 Einwohnern rund 50 km südöstlich von Bordeaux. Mit der flachen Bauweise reagierte das Pariser Büro ABF-Lab auf den örtlichen Kontext aus Einfamilienhäusern, einer Grundschule und dem örtlichen Fußballstadion. Früher stand auf dem Grundstück eine Gendarmerie. Der Bauherr stellte hohe Anforderungen an die Ökobilanz des Neubaus, der als Pilotprojekt des Départements ökologische, energetische und gesundheitliche Gesichtspunkte gleichermaßen berücksichtigen sollte.


Die Eingangshalle ist der einzige zweigeschossige Teil des Gebäudes. Rechts im Hintergrund ist der gläserne Korridor zu sehen, der die beiden Gebäudeflügel verbindet. © Ivan Mathie
Fast alle Baustoffe stammen aus Frankreich
Genau auf solche Herausforderungen hat sich das Büro von Étienne Feher und Paul Azzopardi seit seiner Gründung 2012 spezialisiert. Ihr Entwurf basiert auf der konsequenten Nutzung regional gewonnener Naturbaustoffe – Wände mit Lehmputz und Strohballendämmung, Fassaden aus verkohltem Douglasienholz – und auf der Vermeidung von Gipskarton-Ständerwänden und Kunststoffen. Lediglich bei der Dachabdichtung machten die Architekten eine Ausnahme. Davon abgesehen wird man sich schwertun, Baumaterialien auf Erdölbasis im Haus zu finden.


Grundriss Erdgeschoss, Grafik © ABF-LAB
Abwechslungsreiche Fassadengliederung
Der Baukörper hat die Form eines nach Westen offenen U. Eingeschnittene Patios auf der Nord- und Südseite verbessern die Belichtung der Innenräume. Über einer Sockelzone mit rotem Lehmputz ragt eine Fassade aus schwarz verkohltem Douglasienholz mit zweigeteilter Gliederung empor. Vor den Erdgeschossfenstern schützen Klappläden aus Weidengeflecht vor Sonne und Einbrüchen, gewährleisten aber auch im geschlossenen Zustand noch ein Mindestmaß an Durchlüftung. Die Fenster im Obergeschoss erhielten Außenjalousien als Sonnenschutz.


Schwere Wände aus Lehmstein-Filtermauerwerk geben den Innenräumen zusätzliche thermische Trägheit. © Ivan Mathie
177 wiederverwendete Heizkörper
Gerade in den Sommermonaten waren die Architekten bestrebt, das Sozialzentrum ohne Klimatisierung zu betreiben. Sieben Oberlichter über den zentralen Fluren erzeugen einen Kamineffekt, der durch Ventilatoren in den Innenräumen unterstützt wird. Zudem wirken der Lehmputz auf den Wänden sowie schwere Trennwände aus Lehmsteinen als Feuchte- und Wärmepuffer. Hinter dem Lehmputz der Außenwände steckt eine Wärmedämmung aus rund 1000 Strohballen. Auch beim Vorgängerbau auf dem Grundstück, der abgerissenen Gendarmerie, haben sich ABF-Lab bedient: Vier Außentüren und 177 Radiatoren wurden im Neubau wiederverwendet. Letztere erhielten wie alle Einbauten aus Metall einen schwarzen Anstrich und wirken dadurch ein wenig als Fremdkörper in dem ansonsten so harmonischen Innenraumkonzept.
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Architektur: ABF-LAB
Bauherr: Département du Gironde
Standort: 7 rue Raymond Poincaré, 33210 Langon (FR)
Baukosten: € 9,5 Mio. Netto
Interaktives Fassadenmodell: pts-maquette























