[Translate to en:] Auf dem Promenadendeck: Fußgängerbrücke in Mantes-la-Jolie von Dietmar Feichtinger Architectes (copy 1)
Foto: Dietmar Feichtinger Architectes
Nicht nur Großstädte wie Paris entdecken ihre Flussufer als Orte des Flanierens und der Erholung neu. Auch Mantes-la-Jolie, eine 45.000-Einwohner-Stadt rund 50 km nordwestlich der französischen Metropole, hat einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan. Die neue Fußgänger- und Fahrradbrücke von Dietmar Feichtinger Architectes ist Verkehrsweg und Promenadendeck in einem. Sie verbindet den Stadtkern rund um die historische Stiftskirche Notre Dame mit dem Nachbarort Limay am östlichen Seineufer. Und sie bietet Passanten und Radfahrern eine bisher ungekannte Aufenthaltsqualität am und über dem Fluss.
Die neue Brückenverbindung resultiert aus einem Wettbewerb, den die Pariser Architekten schon 2012 gewonnen hatten. Sie beginnt auf der Altstadtseite buchstäblich zu Füßen der Notre Dame und verläuft zunächst parallel zur Straßenbrücke Pont-Neuf hinüber zu einer Flussinsel in der Seine. Den zweiten, östlichen Flussarm soll der Fuß- und Radweg dann auf dem Vieux Pont überqueren, einer historischen Steinbrücke, die derzeit renoviert wird. Sie wurde 1940 von der französischen Armee gesprengt, seither fehlen ihre mittleren beiden Brückenbögen. Die Pläne von Dietmar Feichtinger Architectes sehen vor, die Lücke mit einem geradlinigen, filigranen Stahltragwerk und einem Deck aus Stahl, Glas und Holz zu schließen.
Bei der jetzt fertiggestellten Fußgänger- und Fahrradbrücke konnten die Architekten auf zusätzliche Brückenpfeiler verzichten. Das Bauwerk liegt auf zwei Widerlagern an den Flussufern und – über stählerne Schrägstützen – auf den beiden Betonpfeilern der Pont Neuf auf. Die Stahlstützen werden von Blechen mit variablem Querschnitt gebildet, die gemeinsam mit seitlichen Streifen einen Kreuzquerschnitt bilden. Horizontale Zugbänder nehmen die Zugkräfte auf, die durch die Auskragung der neuen Brücke entstehen. Längs unter dem Brückendeck verläuft ein geschwungener, trapezförmiger Hohlkastenträger aus Stahl. Daran sind wie Rippen an einer Wirbelsäule im Abstand von 3 m Stahlkonsolen mit T-Querschnitt befestigt.
Zwischen dem Fuß- und dem Radweg haben die Architekten einen Niveauunterschied hergestellt, der eine Sitzbank bildet. In der Mitte der Flussquerung überlagern die beiden Brückendecks einander. Hier weitet sich das mit tropischem Bilinga-Holz belegte Brückendeck, um den Passanten einen Ausblick über Fluss und seine Ufer zu bieten.


















