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green 2/2011

Alle Welt streitet derzeit ums Geld. Das ist nicht verwunderlich, wird davon doch künftig immer weniger in Europas Staatskassen zu finden sein. Es wäre illusorisch zu glauben, dass die Sparzwänge der öffentlichen Haushalte spurlos an der Klimapolitik vorbeigehen werden: Zu viele Technologien und Vorhaben sind – aller langfristigen Sinnhaftigkeit zum Trotz – noch immer von öffentlichen Fördergeldern abhängig.

Bislang waren sich selbst Akteure mit sonst völlig konträren Interessen meist überraschend einig in ihrem Ruf nach Staatsgeld. Künftig dürfte dieser Ruf immer öfter ungehört verhallen. Werden damit gestalterische Aspekte vollends ins Hintertreffen geraten? Und wie wird es um die Akzeptanz seitens der Bürger bestellt sein, wenn Klimaschutz für sie teurer wird? Schon jetzt mutmaßen Soziologen, dass die Bereitschaft, einschneidende Maßnahmen mitzutragen, künftig eher ab- als zunehmen wird.

Dabei ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass wir mit dem Sparen nicht einmal wirklich begonnen haben. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist in der Politik, der Wirtschaft und Öffentlichkeit deutlich populärer als eine Steigerung der Energieeffizienz – von einer Einschränkung der eigenen Ansprüche einmal ganz zu schweigen. „Bloß keinen Verzicht!“ tönt es unisono von den Vordenkern der Nachhaltigkeitsdebatte.

Womöglich werden wir jedoch um die Frage „Wie viel ist genug?“ langfristig nicht herumkommen. Sonst werden auch künftig wachsende Wohnflächen je Einwohner und der fortschreitende Flächenfraß unserer Siedlungen die Bemühungen um Effizienz ad absurdum führen.

Suffiziente Lebensstile müssen aus der Überzeugung des Einzelnen entstehen – und tun dies bereits: Immer mehr Arbeitnehmer verzichten zugunsten von mehr Freizeit auf höhere Gehälter oder zugunsten eines geregelten Familienlebens auf berufliche Mobilität. Zeit, Bildung und sozialer Austausch gehören zu jenen Ressourcen, deren Gewinnung keine negativen Umweltwirkungen zeitigt. Und sie sind heute so begehrt wie nie zuvor.

Gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten könnte Architektur diese Lebensstile unterstützen. Wo sind die Wohnhäuser, die auf wenig Fläche Angebote für Rückzug und für soziale Interaktion gleichermaßen bereithalten, wo die gemischt genutzten Stadtquartiere, die Mobilität gar nicht erst entstehen lassen, und wo die Räume, die auch bei 19 Grad Innentemperatur noch behaglich sind? Verzicht auf Überflüssiges hat nichts mit Selbstkasteiung zu tun, sondern kann sehr wohl mit einem Plus an Lebensqualität einhergehen. Noch mag diese Einsicht höchst unpopulär sein. Doch die Situation könnte sich schneller ändern, als wir heute noch denken.

Jakob Schoof

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