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green 2/2014

Ein – gerade unter Architekten – verbreitetes Lamento besagt: Nachhaltiges Bauen ist zum ­Tummelplatz der Technikexperten geworden, die hochgezüchtete Kraftwerke entwerfen statt Wohnstätten für Menschen. Verstärkt wird diese ­Tendenz durch überzogene gesetzliche Anforderungen, die hochkomplexe, aber in der Praxis ­dysfunktionale Gebäude zur Folge haben. Davon, dass diese Anforderungen den Prinzipien guter Gestaltung zuwiderlaufen, einmal ganz zu ­schweigen.

Ganz falsch ist das alles nicht. Nur: Wer bloß lamentiert, zeigt damit implizit seine Macht­losigkeit. Daher ist es nur ermutigend, dass sich derzeit vielerorts Anzeichen einer Gegenbewegung zeigen und Gebäude entstehen, die alle Kriterien der Nachhaltigkeit und der guten ­Gestaltung gleichermaßen erfüllen. Bei ihnen gilt: Architecture first – erst kommt das Entwurfskonzept, dann (und ihm untergeordnet) die technische Ausstattung. Raum und Konstruktion, nicht Röhren und Aggregate, sind bei diesen ­Gebäuden die wichtigsten Mittel für mehr Energieeffizienz. Oft kommen sie zudem im Gewand einer neuen Einfachheit daher, der nicht wie beim Minimalismus früherer Tage komplizierte Konstruktionen zugrunde liegen, sondern das genuine Bestreben, mit weniger mehr zu erreichen.

Eine ganze Reihe dieser Gebäude stellen wir in der aktuellen Ausgabe von DETAIL Green vor. Das beginnt mit den Bauten des Solar Decathlon 2014, dessen Teilnehmer nicht bloß Plusenergie-Einfamilienhäuser entworfen haben wie bei den Vorgängerveranstaltungen, sondern Lösungen für drängende soziale und städtebauliche Probleme in ihren Heimatländern entwickelt haben. Es setzt sich fort mit der Diskussion um Suffi­zienz im Bauwesen, bei der sich Architekten als Pioniere des Weglassens profilieren können, und mit einem Forschungsprojekt im dänischen ­Nyborg, das Antworten auf Nachhaltigkeitsfragen jenseits der reinen Energieeffizienz suchte. Auch bei den Neubauten in London, Hamburg und Dehlingen in dieser Ausgabe zielte die Planung nicht primär auf technische Innovation ab, sondern auf die kluge Kombination bewährter Lösungen.

Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Auch diese Gebäude sind – vor allem räumlich - oft komplexe Gebilde, und auch sie müssen ihre Funktionsfähigkeit erst unter Beweis stellen. Es soll auch nicht der Abkehr von allen technischen Errungenschaften der letzten Jahre das Wort geredet werden. Aber es gilt, einer immateriellen Ressource zu neuer Wertschätzung zu verhelfen, die sich auch mit Unmengen an Technik nur unzulänglich ersetzen lässt: der menschlichen Intelligenz. Sie wird – Hightech-Materialien hin, Simulationsprogramme her - auch künftig ein unverzichtbarer Bestandteil nachhaltiger Gebäudeplanung bleiben. (Jakob Schoof)

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