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Green 2/2017

Bauen, bauen, bauen — und zwar schnell und kostengünstig: Dieses Mantra ist in der politischen Arena derzeit immer wieder zu hören. Nicht nur in Deutschland brauchen die Städte dringend zusätzlichen, bezahlbaren Wohnraum. Etablierte Standards im Brand-, Schall- und Wärmeschutz erscheinen vielen in diesem Zusammenhang als lästiger Kostentreiber. Als teurer Luxus, propagiert von Vertretern jener Industrien, die an der regelmäßigen Verschärfung der Vorschriften kräftig mitverdienen.

Zumindest beim Brandschutz ist diese Ansicht seit dem Inferno im Londoner Grenfell Tower viel seltener zu hören. Wo Menschenleben in Gefahr sind, sollten ein paar Prozent Mehrkosten für höhere Standards keine Rolle spielen. Schwieriger ist die Lage bei den energetischen Vorschriften für Gebäude. An laxeren Dämmstandards und fossilen Energieschleudern im Heizungskeller stirbt niemand — zumindest nicht hier und heute. Und doch gefährdet unser CO2-Ausstoß die Lebensgrundlagen künftiger Generationen. Da hilft auch der Verweis auf dreckige Kohlekraftwerke in China nichts: Klimaschutz bedeutet Strukturwandel — auch im europäischen Bauwesen. Der Rekurs auf vergangene Zeiten, als das Bauen vermeintlich viel einfacher war, ist da nur bedingt zielführend.

Dennoch muss die Frage, was nachhaltiges Bauen wirklich bedeutet und welches Komfortniveau Gebäude erreichen sollten, erlaubt sein. Rainer Vallentin stellt sie in seinem Beitrag in dieser Ausgabe. Mit den Nebenfolgen des zeitgenössischen Bauens für die Vogelwelt haben sich Hans Schmid und Wilfried Doppler für uns befasst. Des Weiteren dokumentiert DETAIL green eine Fassadensanierung, die Flagge zeigt, Europas wohl größten »vertical garden« und vielversprechende Neuentwicklungen bei der Farb- und Oberflächengestaltung von ­Solarmodulen. Wenn die Energiestandards beim Bauen schon immer ambitionierter werden, sollte dabei zumindest der gestalterische ­Anspruch gewahrt bleiben.

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