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Architektur | Themen

Masse gegen Vibrationen: Spezialbau für Experimentalphysik

Durch die anstehende Modernisierung des Hauptgebäudes der Universität Bielefeld ergab sich die Notwendigkeit, die Labors der experimentellen Physik in einen Neubau auszulagern. Gutachten ergaben, dass ansonsten die auftretenden Schwingungen und Schallemissionen während der Sanierung die Messungen der Physiker maßgeblich beeinträchtigen würden.

Labor für Experimentalphysik, Universität Bielefeld, Carpus+Partner

Rendering: Carpus+Partner

Der Neubau wird unter anderem Laser-Labore, Reinräume und Rasterlaserelektronenmikroskope für sehr störanfällige Verfahren beherbergen.  Das Planungsbüro Carpus+Partner aus Aachen muss daher sicherstellen, dass die äußerst empfindlichen Messgeräte fehlerfrei arbeiten können: bestmögliche Schwingungsfreiheit, spezielle Raumkonditionen, Reinraumbedingungen.

Vorgesehen sind extra dicke Decken und Fußböden, zum Teil 40 cm stark. Die Decken werden in Ortbeton ausgeführt. Die Bodenplatte wird aus speziellem Beton C50/60 mit extrem hoher Steifigkeit gefertigt, E-Modul = 37.000 N/mm³, normal sind ewa 21.000 37.000 N/mm³. Das benötigte Volumen beläuft sich auf rund 640 m³ wasserundurchlässigen Beton, das entspricht ca. 90 Betonmischern.

Die Physiker benötigen große Verkehrsflächen und Türanlagen, um sperrige Geräte transportieren und aufbauen zu können. Alle Laborräume liegen innen, damit Messungen nicht durch unkontrollierten Einfall von Tageslicht beeinflusst werden.

Labor für Experimentalphysik, Universität Bielefeld, Carpus+Partner

Horizontalschnitt: Carpus+Partner

Labor für Experimentalphysik, Universität Bielefeld, Carpus+Partner

Schnitt A-A (Fenster Fassade) und B-B (Pfosten-Riegel Fassade): Carpus+Partner

Labor für Experimentalphysik, Universität Bielefeld, Carpus+Partner

Detail: Carpus+Partner

Als Baufläche wurde der Platz neben dem Gebäude der Verhaltensforschung an der Morgenbreede ausgewählt. Die Nutzflächen, Verkehrsflächen und Technikflächen umfassten insgesamt rund 3.500 m². Es handelt sich um einen reinen Laborbau – die dazugehörigen Büros kommen im angrenzenden Gebäude der Verhaltensforschung unter. In dem Neubau sind alle Anforderungen der modernen Physik umgesetzt und für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedeutet der Umzug eine deutliche Verbesserung ihrer Forschungsbedingungen.

Labor für Experimentalphysik, Universität Bielefeld, Carpus+Partner

Grundriss EG: Carpus+Partner

Die Kosten für den Ersatzneubau von 12,2 Millionen Euro werden durch das Land Nordrhein-Westfalen, den Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB NRW) und die Universität Bielefeld gemeinsam getragen. Der Grundstein wurde im Juli 2013 gelegt.

Im April 2013 war an der Universität Bielefeld der neue CITEC-Forschungsbau im Rahmen der Campus-Erweiterung fertiggestellt und übergeben worden, ebenfalls von Carpus+Partner entworfen. Die Modernisierung des Uni-Hauptgebäudes soll im ersten Quartal 2014 beginnen.

Hintergrund
Die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Bielefelder Experimentalphysik ist international anerkannt. Unter anderem beteiligen sie sich an dem seit 2002 an der Universität Bielefeld bestehenden Sonderforschungsbereich 613. Dieser wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und ist eine gemeinsame Einrichtung der Fakultäten für Physik, Chemie und Biologie. Die Wissenschaftler forschen interdisziplinär zum Thema „Physik von Einzelmolekülprozessen und molekularer Erkennung in organischen Systemen“.

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