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Forschung & Entwicklung

Research | Forschung & Entwicklung

Fundierte Energiebilanzen: verbesserte Software

Die Software EnerCalC 2013 ermöglicht die Berechnung und Darstellung der Gesamtenergiebilanzierung von Null- und Plusenergiegebäuden – einfach und übersichtlich. Die Software ist im Kontext der Forschungsinitiative für Energieoptimierten Bauen (EnOB) entstanden, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wird, und kann dort seit Anfang Dezember 2012 kostenlos bestellt werden.

In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Hundert Null- und Plusenergiegebäude als Wohnbauten, Büro- oder Fabrikationsgebäude, auch Quartiere und Sanierungsprojekte befinden sich darunter. Was jedoch bislang fehlt sind Standards für die Berechnung der Gebäudeenergiebilanzen. Kommerzielle Rechenwerkzeuge für Energiebilanzen und Energiepässe unterstützen die Berechnung von Null- und Plusenergiegebäuden bisher nicht. Planer setzen in der Praxis daher auf aufwändige Nebenrechnungen mit individuellen, oft nicht nachvollziehbaren Annahmen. So sind die Ergebnisse oft wenig aussagekräftig und nicht vergleichbar.

Energiebilanzierung auf Knopfdruck

Die Software EnerCalC gibt es seit 2011, jetzt wurde sie um eine übersichtliche und flexible Darstellung der Gesamtbilanz von Null- und Plusenergiegebäuden erweitert. Dem Excel-basierten Werkzeug zur vereinfachten Energiebedarfsberechnung von Nichtwohngebäuden liegen bei vergleichsweise simpler und übersichtlicher Bedienung wissenschaftlich anerkannte Methoden zugrunde. EnerCalC 2013 ist damit das erste Werkzeug dieser Art.

Die Idee von EnerCalC ist bestechend: Im Vergleich zu vielen kommerziellen Programmen zur DIN V 18599 ist EnerCalC einfach in der Handhabung und liefert extrem schnell und übersichtlich die planungsentscheidenden Daten. So wird die Software auch bereits tausendfach genutzt: Planungs- und Architekturbüros, Bundesbehörden, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen sowie die Organisatoren von Architekturwettbewerben setzen das Werkzeug für die energetische Bewertung von Gebäudekonzepten und zu Forschungs- oder Ausbildungszwecken ein. In der neuen Version EnerCalC 2013 sind nun zusätzlich vier verschiede Ansätze für die Bilanzierung von Null- und Plusenergiegebäuden hinterlegt. "EnerCalC 2013 eignet sich sehr gut, um Gebäude bereits in den frühen Planungsphasen energetisch zu charakterisieren", betont Karsten Voss, Professor für Bauphysik und Technische Gebäudeausrüstung an der Bergischen Universität Wuppertal. Im Unterschied zum streng normbasierten Verfahren in Anlehnung an die DIN V 18599, ist der Eingabeaufwand bei EnerCalC 2013 relativ gering und die Berechnung erfolgt praktisch auf Knopfdruck. Dies liegt an einem wissenschaftlich fundierten Näherungsverfahren, das von Dr. Markus Lichtmeß im Rahmen seiner Dissertation an der Bergischen Universität Wuppertal entwickelt wurde.

Die Bilanzierung erfolgt bei EnerCalC 2013 sowohl in den Größen Endenergie und Primärenergie als auch in Form von äquivalenten Klimagasemissionen. Zur Detaillierung stehen unterschiedliche Bilanzierungsverfahren zur Verfügung, die auch eine Betrachtung auf Monatsebene erlauben. Weiterhin unterstützt die Software jetzt auch Versorgungskonzepte mit Kraft-Wärme-Kopplung und Solarthermie. Verbesserte Erläuterungen erleichtern zudem die Bedienung.

Nullenergiegebäude: Internationale Projekte zum klimaneutralen Wohnen und Arbeiten

Umfassende Hintergrundinformationen zum Status Quo der Bilanzierung von Null- und Plusenergiegebäuden haben Prof. Karsten Voss und Eike Musall in der Publikation „Nullenergiegebäude: Internationale Projekte zum klimaneutralen Wohnen und Arbeiten“ zusammengetragen. Das Buch, im Rahmen der DETAIL Green Books erschienen, zeigt die Analyse exemplarischer Gebäude nahe der Nullenergiebilanz. Die Erläuterung entscheidender Begriffe und deren Verwendungszusammenhänge, die Darstellung einer umfassenden Methodik sowie der Gebäudebilanzierung in der Praxis befasst sich mit der Thematik der noch nicht standardisierten Energiebilanzierung von Null- und Plusenergiegebäuden. Die gewonnenen Erkenntnisse basieren auf der Analyse realer Projekte und den Erfahrungsberichten von Planern und Nutzern.

Weitere Informationen zur Publikation finden Sie im Blätterkatalog 

Über die Forschungsinitiative EnOB – Energieoptimiertes Bauen

Während in der allgemeinen Baupraxis die Schritte in Richtung Energieeffizienz eher behutsam und moderat ausfallen, arbeitet man in der Forschung seit einigen Jahren an Konzepten, um Gebäude auch bei stark steigenden Energiepreisen wirtschaftlich nutzen und betreiben zu können. Mit dieser Zielrichtung ist "Gebäude der Zukunft" das Leitbild von EnOB – Forschung für Energieoptimiertes Bauen. In den vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderten Forschungsprojekten geht es um Gebäude mit minimalem Primärenergiebedarf und hohem Nutzerkomfort – und das bei moderaten Investitions- und deutlich reduzierten Betriebskosten. Dazu werden innovative Gebäudekonzepte, Baustoffe, Komponenten und Systeme für den Neubau und die Sanierung unter Alltagsbedingungen erprobt und deren Zusammenspiel und Performance detailliert untersucht.

Ausführliche Nutzerinformationen über EnerCalC 2013 finden Sie hier: EnerCalC 2013 – Was ist neu?

EnerCalC 2013 ist kostenfrei bestellbar über die Website der Forschungsinitiative EnOB 

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