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Interview, NordBau 2019, Dietmar Walberg

Alternativen zum Neubau bei Baulandmangel

DETAIL: Welche Lösungsvorschläge außer Neubau gibt es, um in urbanen Lagen sinnvoll nachzuverdichten?
Dietmar Walberg: Generell muss man zwischen zwei Sorten von Neubau unterscheiden: Neubau kann als Zubau stattfinden, das heißt ich brauche Bauland. Steht dies nicht zur Verfügung, gibt es die andere Variante: die des Bestandsersatzes. Wir reden nicht über denkmalgeschützte Bausubstanz, sondern über Gebäude, die aus technisch-konstruktiver Sicht und vor allem nutzungstechnischer Sicht mittel- oder langfristig für abgängig gehalten werden müssen. Wir haben dafür bundesweit je nach Land, Zuschnitt und Bautypen 10 bis 14 Prozent aller Wohnungen verortet. Man kann diese Gebäude zwar modernisieren, aber ein Teil der Probleme ist nicht in den Griff zu bekommen. Das fängt beim Schallschutz an, aber es geht vor allem um den Zuschnitt der Wohnungen. Gerade Wohnungen der 50 er und 60 er Jahre entsprechen dem damaligen Ideal einer Familie – eines Durchschnittsbewohners. Und den gibt es heute nicht mehr. Unsere Gesellschaft hat sich deutlich ausdifferenziert. Wir haben viel mehr Single-Haushalte, Alleinerziehende, Patchwork Familien, etc. und brauchen daher ganz andere Wohnungen.
Es nützt nichts, Wohnungen zu modernisieren, die der Markt nicht braucht. Das größte Problem ist der immer weiterwachsenden Pro-Kopfbedarf an Wohnfläche. Und wir müssen uns überlegen, ob man sich nicht sinnvollerweise von solchen Wohnungen trennt und sie durch neue zeitgemäße, energieeffiziente Wohnungen ersetzt, die deutlich höher verdichtet sind. Das ist eine Möglichkeit des Neubaus an bestehender Stelle.
Die andere Variante ist Nachverdichtung durch Anbau und Erweiterung, oder zusätzliche Aufstockung und Ausbau. Viele Dachgeschosse, die sich in unseren durchschnittlichen Wohngebäuden in Schleswig-Holstein befinden, sind nicht sinnvoll genutzt oder könnten umgenutzt werden. Das ist nicht unbedingt preisgünstiger Wohnbau. Aber man kann vielleicht im gleichen Zug auch die unteren Geschosse mitmodernisieren und dort preisgünstigeren Wohnraum weiterpflegen. Das sind die Möglichkeiten, die wir haben.

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Interview, NordBau 2019, Dietmar Walberg

Portrait Dietmar Walberg; © ARGE e.V.

DETAIL: Die Deutschlandstudie 2019 von Prof. Dr.-Ing. Karsten Tichelmann erörtert Aufstockung und Umnutzung von Nichtwohngebäuden. Sehen Sie hierbei Hürden?
Dietmar Walberg: Hauptsächliche Hürde sehe ich im Planungsrecht. Wenn sich diese Gebäude nicht in Wohngebieten befinden, sondern in Gewerbegebieten oder in Gebieten, die keine Wohnraumnutzung vorsehen, haben wir ein erhebliches bauordnungsrechtliches Problem. In diesen Gebieten ist Wohnraum gar nicht oder nur in Ausnahmefällen zulässig. Es muss über besondere Lärmschutzanforderungen nachgedacht werden, da mit einer höheren Emission zu rechnen ist. Hamburg hat das im großem Umfang in der Hafencity erlebt. Das Hafengebiet ist einfach nicht für Wohnungsbau vorgesehen, da fahren Schiffe, da findet Ladeverkehr statt – und Lärm. Besondere Anforderungen für das – sogenannte – „Hamburger Fenster“ (ein gutes Beispiel) wurden dort definiert, damit nicht jeder sofort den Hafen verklagt, dass der Ruhe zu schaffen hat – das wäre ja kontraproduktiv. Diese Dinge müssten also ähnlich gelöst werden. Es ist also weniger ein konstruktives Problem. Die meisten Gewerbebauten sind mit so viel statischer Reserve ausgestattet, dass Aufstockungen machbar sind. Es sind also eher bauordnungsrechtliche Probleme, die vor Ort individuell gelöst werden müssen.

 

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Dietmar Walberg zu:
Baukostenreduzierung im Wohnungsbau
Infrastrukturen im Wohnungsbau

 

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