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Analoge Maßarbeit: Kapelle von Niall McLaughlin Architects

Aufträge für Sakralbauten sind in England selten geworden. Die Kapelle in der Nähe von Oxford ist deshalb in mehrerlei Hinsicht eine Besonderheit. In dem von alten Bäumen geprägten Park von Ripon College gelegen und an drei Seiten von steinernen Gebäuden aus viktorianischer Zeit gesäumt, bildet sie das neue Zentrum des Campus der theologischen Fakultät.

Architekten: Niall McLaughlin Architects, London
Standort: Wheatley Road, GB–OX44 9EX Oxford

Zu verdanken hat die Institution den Neubau fünf Nonnen zweier anglikanischer Orden. Weil sie ihre Klöster aufgaben und zu den Studenten nach Cuddesdon zogen, wünschten sie sich dort einen besonders geschützten Raum für die Andacht. Wie reizvoll eine solche Bauaufgabe ist, zeigte die beachtliche Zahl von 126 Wettbewerbsteilnehmern. Fünf davon kamen letztendlich zum Zug.

Der Siegerentwurf ist annähernd unverändert umgesetzt. Lediglich die im Wettbewerb vorgeschlagene geflochtene Holzfassade musste aus Sorge vor der feuchten Witterung einer Fassade aus Stein weichen.

Gemeinsam mit Studenten der Universität Dublin konstruierten die Architekten den Grundriss auf einem Reißboden aus Gips – allerdings nicht, wie bei den großen Kirchenbauten im Mittelalter üblich, in Originalgröße, sondern im Maßstab 1:5. Anhand von Modellen überprüften sie vor Ort die ­optimale Ausrichtung des Gebäudes, die Lichtwirkungen und die Blickbeziehungen.

Den Bau der Kapelle prägten nicht Zeit- und Kostendruck, sondern Qualität und Nachhaltigkeit. Allein für das Versetzen der ersten Mauerwerksschicht benötigten die Maurer eine Woche, weil sie Stein für Stein nach Augenmaß anordneten.

Die Mauer umringt ein selbständig stehendes Tragwerk aus vorgefertigten Brettschichtholzstützen. Sie verzweigen sich nach oben und gehen nahtlos in die Rippen eines »Netzgewölbes« über. Gotische Kirchenarchitektur zitiert auch die Lichtführung. Durch den umlaufenden Obergaden fällt Tageslicht in den Zen­tralraum und bei Sonne wandert das grafische Muster der Schatten über Boden und Wände.

Dem Bauherrn war es von Anfang an ein großes Anliegen, die Dorfbewohner einzubeziehen. Um darüber aufzuklären, was auf dem Campus gerade vor sich geht, lud er sie in regelmäßigen Abständen auf einen Drink ein. In entspannter Atmosphäre konnten sie den Baufortschritt mitverfolgen und Fragen stellen. Zugleich dienten die Veranstaltungen dazu, über Straßensperrungen oder andere Beeinträchtigungen durch die Baustelle zu informieren. So wurde es den Dorfbewohnern, die heute gerne zu Gottesdiensten in die Kapelle kommen, leicht gemacht, den Neubau wertzuschätzen.

Bauherr: Ripon College, Oxford

Architekten: Niall McLaughlin Architects
Projektleitung: Maria Fulford
Bauleitung: Richard Bayfield

Tragwerksplaner:
Price and Myers
Steinarbeiten: Szerelmey
Fenster: Northolt Glass Company Ltd.
Dachdeckung: Boothville Roofing & Construction Limited
Schreiner: D. Smith Joinery
Möblierung: Westside Design
Holztragwerk: Cowley Timberwork

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe DETAIL 2013/12zum Thema »Planen und Bauen als Prozess«.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 12/2013

Planen und Bauen als Prozess

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