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Besucherzentrum KZ-Gedenkstätte Dachau

Architekten: Florian Nagler Architekten
Bauherr: Stiftung Bayerische Gedenkstätten,
Gedenkstätte Dachau
Standort: Dachau
Eröffnung: 30.4.2009

Jedem Deutschen ist Dachau als Teil des düstersten Kapitels deutscher Geschichte ein Begriff. Bereits am 22. März 1933, kurz nach Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, wurde das Konzentrationslager Dachau zur Internierung vor allem politischer Häftlinge geöffnet. Es war der erste Ort, in dem geltendes Recht außer Kraft gesetzt und dem Lagerkommandanten die alleinige Befehlsgewalt übertragen wurde. Dachau war Vorbild für viele weitere Lager. Während der zwölf Jahre seines Bestehens waren dort mindestens 200000 Häftlinge aus ganz Europa inhaftiert, 43000 davon wurden ermordet.

Besucherzentrum KZ-Gedenkstätte Dachau

Nach der Befreiung 1945 durch die Amerikaner wurde das Lager zunächst als Internierungslager für NSDAP-Funktionäre und Mitglieder der SS genutzt, danach als Wohnquartier für Flüchtlinge und Vertriebene. Erst zwanzig Jahre nach seiner Befreiung entstand dort 1965 eine Gedenkstätte. Jedoch waren viele geschichtliche Spuren mittlerweile verwischt: So waren alle Baracken abgerissen worden und auch der ursprüngliche Eingang in das Lager war nicht mehr zugänglich. Im Rahmen der 1995 begonnenen Neugestaltung des Geländes mit dem außerhalb des Lagers geschaffenen »Weg des Erinnerns« wurde nun der frühere Eingang wieder geöffnet. Am Rande dieses Zugangswegs, ohne städtebaulichen Bezug zu den bestehenden Gebäuden, steht das neue Besucherzentrum für die rund 800000 Menschen, die jährlich aus dem In- und Ausland hierher kommen.

Blick in den Eingangshof

Wohltuend ist, dass Florian Nagler bewusst auf jegliche Art von Symbolik verzichtet. Die Idee einer gläsernen Fassade hinter teils schräg stehenden Stützen aus grau lasierter, sägerauer Douglasie entnahm er dem Wäldchen, das dem Gebäude weichen musste. Die Stützen verbinden Decke und Bodenplatte, die beide gleichermaßen in sandgestrahltem Sichtbeton ausgeführt sind. Sie zeichnen im Grundriss ein 40 ? 40 Meter großes Quadrat nach. Unterbrochen wird dieses von mehreren Höfen, aus deren Kiesbelag, der sich auch auf dem Weg zum Eingang des Lagers findet, verschiedene Arten von Zierbäumen wachsen. Über diese Höfe erhalten die Räume – Buchladen, Foyer mit Informationsbereich, Audioguide-Ausgabe und Küche – ausreichend Licht. Auch an die Caféteria ist ein Hof mit Bänken und Tischen angegliedert.

Detailaufnahme Eingangshof

Das 3,8 Millionen teure Gebäude nimmt sich zurück. Im Laufe der Zeit soll es Bestandteil der Gehölzgruppe werden, in der es liegt. Zwar meint manch ein Besucher in der Fassade des Baus Gefängnisgitter zu sehen oder beim Anblick des Grundrisses ein deformiertes Hakenkreuz zu erkennen. Wer will, kann Symbole finden. Kehrt man nach dem Rundgang durch die Gedenkstätte in das Besucherzentrum zurück, ist es jedoch sehr angenehm, beim Anblick der sägerauen Fassadenpfosten und dem Lichtspiel auf dem glänzenden Boden aus geschliffenem Estrich an einen Wald und nicht an Gefängnisgitter zu denken und auch die Akustikdecke stört nicht mehr, die man beim ersten Betreten vielleicht noch als etwas zu profan eingestuft hat.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 6/2009

Treppen, Wege, Rampen

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