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Die Kulisse explodiert: Frederick J. Kiesler, Architekt und Theatervisionär

Die aktuelle Ausstellung in der Villa Stuck legt erstmalig den Fokus auf Kieslers Theaterschaffen als Keimzelle für sein gesamtes Oeuvre und zeigt, wie er die dabei gewonnenen Erkenntnisse für andere Gattungen weiterentwickelt und produktiv nutzt.

Ort: Villa Stuck, Prinzregentenstr. 60, 81675 München
Eröffnung: Mittwoch, 20. März 2013
Dauer: 21. März bis 23. Juni 2013, Di - So, 11-18 Uhr, erster Freitag im Monat bis 22 Uhr

Zeitlebens stand die Überwindung der Grenze zwischen Kunst und Leben an oberster Stelle all seiner Bemühungen: Der österreichisch-amerikanische Visionär war in allen Kunstgattungen zuhause. Ob Architektur, Design, bildende Kunst oder Film, Frederick J. Kiesler schaffte es, mühelos zwischen den einzelnen Disziplinen hin- und herzugleiten und experimentell gewonnene Erkenntnisse an anderer Stelle innovativ zu verwerten.

Nach abgebrochenen Studiengängen der Architektur und Malerei trat Kiesler 1923 mit dem Furor jugendlicher Enttäuschung über das altmodische und verstaubte Theater seiner Zeit paukenschlagartig in die Kunstwelt ein. Als Nobody erlebt er mit seiner »elektromechanischen Kulisse« für das damals auf einen Welterfolg zusteuernde Bühnenstück R.U.R. einen spektakulären Einstand.

Fortan nutzte er das Theater als Labor um seine überschäumenden Gestaltungsideen in die Praxis umzusetzen und dabei die neuen geistigen wie auch technisch-wissenschaftlichen und sozialen Bedingungen des Menschen in ein theatralisches Gesamtkunstwerk zu überführen. Inspiriert von Architekturbeispielen aus dem lebendigen Alltagsleben, wie Sportplätzen und Arenen, schrieb er Manifeste gegen das starre Korsett traditioneller Bühnenkonzepte und plädierte für ein Theater, das die Idee des Räumlichen ins Zentrum stellt und experimentell erkundet, »a theatre without actors«.

Die Ausstellungskonzeption begegnet Kieslers künstlerischer Vielfalt mit chronologisch, thematischer Aufgeräumtheit. Großformatige, kulissenartige Präsentationstafeln stehen für einzelne Kunstgattungen, grüne Punkte markieren die »turning points« und machen darauf aufmerksam, ob und wie sich die ursprünglich für das Theater entwickelten Konzepte auch in anderen Kunstformen manifestieren.

Die für Kiesler typische Arbeitsweise des Ideentransfers zeigt sich, wenn aus einem Bühnerequisit plötzlich eine Serie mit »Galaxy-Skulpturen« hervorgeht oder sich das Konzept für ein »Endless Theatre« in ein »Endless Home« verwandelt, einem biomorphen Gegenentwurf zu den geltenden Regeln orthogonal rationaler Architekturprinzipien. Modelle, Grafiken, Filmsequenzen und Touchscreens liefern genügend visuell aufregendes Anschauungsmaterial um den Reichtum im Kiesler’schen Gedankenkosmos mit einem kurzweiligen Rundgang durch die Villa Stuck zu verbinden.

Peter Popp

Eine Ausstellung des Museums Villa Stuck in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Theatermuseum, Wien, und La Casa Encendida, Madrid. Die Ausstellung wurde organisiert in Kooperation mit der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien.

Kuratorin: Dr. Barbara Lesák
Ausstellungsleitung Museum Villa Stuck: Michael Buhrs
Gesamtleitung Wien: Thomas Trabitsch
Projektkoordination Museum Villa Stuck: Nadja Henle
Restauratorische Betreuung Museum Villa Stuck: Bettina Bünte und Susanne Eid
Ausstellungstechnik Museum Villa Stuck: Christian Reinhardt, Michael Dietmann, Christian Langenholt, Patrick Matthews, Robert Matthews, Ruth Münzner, Andrea Snigula, Friederike Warneke

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Christian Bandstätter Verlag, herausgegeben von Barbara Lesák und Thomas Trabitsch, mit Beiträgen von Dieter Bogner, Jeni Dahmus, Maria Auxiliadora Gálvez Pérez, Barbara Lesák, Laura M. McGuire, Monika Pesser und Gerd Zillner. Das Buch umfasst ca. 256 Seiten, enthält zahlreiche Abbildungen und ist zum Preis von € 29,90 im Museumsshop erhältlich, ISBN 978-3-85033-682-6

Führungen und Veranstaltungen begleiten die Ausstellung.

Weitere Informationen
www.villastuck.de

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2013

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