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Die Welt auf den Kopf stellen: Valerie Mulvin zur Architektur der 60er-Jahre – und der in 60 Jahren

Nach Ansicht der Dubliner Architektin Valerie Mulvin haben die 60er-Jahre und ihr Fortschrittsdenken auch heute noch großen Einfluss auf die Architektur. Die damaligen – und andere bestehende – Bauten für die Zukunft zu ertüchtigen, zählt sie zu den wichtigsten Aufgaben heute. Zum 60. Geburtstag von DETAIL blickt Valerie Mulvin in die Zukunft des Bauens und erinnert sich an ihre erste Begegnung mit unserer Zeitschrift.

Detail wurde in den 1960er-Jahren gegründet. Was hat uns dieses Jahrzehnt in Bezug auf die Architektur hinterlassen?
Einer meiner brillantesten Funde in meinem Lieblingsantiquariat vor einigen Jahren waren zwei Bücher von DETAIL aus dem Jahr 1965 – „Contemporary Architectural Design – selected examples from DETAIL“. Die Bilder und Detailzeichnungen des Buchs sind inspirierend, insbesondere wenn wir aus heutiger Sicht bewerten, was die 1960er-Jahre im Hinblick auf innovatives Denken, frische Designideen und das Gefühl, die Welt auf den Kopf zu stellen, gebracht haben. Filme, Bücher und insbesondere architektonisches Design aus dieser Zeit haben wieder großen Einfluss gewonnen. In den 1960er-Jahren etablierte Vorstellungen von der Moderne und ihrem Wert werden aus heutigem Blickwinkel quasi neu erfunden. Viele Details aus dieser Zeit können überdacht und aktualisiert werden, um den modernen Bauvorschriften zu entsprechen, wobei die Frische der ursprünglichen Konzepte erhalten bleibt.

Wann sind Sie zum ersten Mal auf DETAIL gestoßen, und was verbinden Sie mit unserer Zeitschrift?
DETAIL ist für mich eine bedeutende Zeitschrift aus College-Tagen. In der Bibliothek gab es regelmäßig die Print-Ausgaben, sie wurden von jedem von uns nacheinander eingehend studiert – ein bisschen wie das Konsultieren eines wertvollen, erhellenden Manuskripts. Die Ausgaben eines Jahrgangs wurden jeweils gebunden und waren immer eine großartige Quelle für Projekte.
DETAIL war auch eines der ersten Magazine, die wir in unserem Büro abonniert haben. Ich kann sagen, dass jede Ausgabe eine Freude ist – die thematische Herangehensweise, die Research-Beiträge zu bestimmten Themen und die Ausarbeitung von Details bei den Projekten sind alle wirklich wertvoll für die Lösung von Problemen, sie helfen uns, unsere Entwurfsideen umzusetzen. Die Bauindustrie ist ja eher konservativ, daher ist es großartig, ein tatsächliches Gebäude vorzustellen, die Details aufzuzeigen und damit zu fragen: „Warum nicht so?“

Wo wird Architektur Ihrer Meinung nach in 60 Jahren stehen?Mit welchen Problemen müssen die Architekten sich befassen, und welche Arten von Gebäuden werden sie entwerfen?
Große Fragen! Meiner Meinung nach wird die Architektur eine große Rolle spielen bei der Hinterfragung und Lösung der Probleme, die uns alle beschäftigen – Probleme der Ungleichheit, des Klimawandels, des Wohnens und der Städte, um unseren Fußabdruck auf dem Planeten nachhaltiger zu gestalten. Positiv gesehen glaube ich, dass Architektur ein wesentlicher Bestandteil sein wird, um Freude und ein großartiges Umfeld für die Menschen zu schaffen. Ich vermute, dass die Materialien, die wir verwenden werden, sowohl traditionell als auch modern sein werden – Stein, Ziegel, Holz und Beton (Letzterer durch nachhaltigere Produktionsprozesse gewonnen). Außerdem neue Materialien, die wir uns noch nicht vorstellen können, die aus der Erforschung natürlicher Strukturen, Materialien aus dem Recycling und nachhaltigen Technologien stammen. Auch Meer- und Sonnenenergie können eine zentralere Rolle in unseren Überlegungen spielen.

Je nachdem, wo auf der Welt gebaut wird, wird es unterschiedliche klimatische Herausforderungen geben. In Irland sieht es so aus, dass es extreme Winde und Regen sein werden. Jede Region wird zweifellos spezifische Methoden entwickeln müssen, um sich der Herausforderung zu stellen Schutz zu bieten, also Bauten, die auf eine bestimmte Nutzung zugeschnitten sind und dennoch flexibel genug, um künftigen Veränderungen Rechnung zu tragen. Standardlösungen zu vermeiden wird sowohl gut für unsere Erde sein als auch uns mehr Vielfalt bescheren.
Der Klimawandel und die Sorge um unser Wohlergehen werden uns zwingen, andere Gebäude zu entwerfen, solche, die weniger Energie benötigen, natürliche Belüftung und die Eigenschaften einiger neuer Materialien nutzen. Gleichzeitig sollten wir großzügige Raumstandards beibehalten, die für eine gesunde soziale Interaktion sorgen und schließlich Technologien einsetzen, die den Bedürfnissen jeder Region auf der Erde entsprechen. Die Nutzung alter Gebäude wird weiterhin ein starker und nachhaltiger Bestandteil der Architektur sein, sowohl auf einer einfachen praktischen Ebene – nämlich der nachhaltigen Verwendung von Bausubstanz, die auch für andere Zwecke eingesetzt werden kann, als auch beim Erhalt von kulturellem Erbe durch Instandhaltung und Modernisierung bedeutender Bauwerke früherer Epochen. Möglicherweise verschwimmen dann die Kategorien von Gebäudetypen, die wir derzeit für selbstverständlich halten – beispielsweise Wohnhäuser, Gebäude für Schulen, Kultureinrichtungen, Forschung oder Fertigung. Stattdessen wird es flexiblere Bauwerke mit elastischeren Funktionen geben, die durch einen anderen Einsatz von Materialien und Energie weniger umweltzerstörerisch sind.
Schließlich glaube ich, dass die Gestaltung der Umwelt und des öffentlichen Raums weltweit an Bedeutung gewinnen wird, wobei die Natur im Mittelpunkt unseres Handelns steht und Gebäude entstehen, die Freude bereiten.

Valerie Mulvin ist Mitbegründerin (mit Niall McCullough) von McCullough Mulvin Architects – einem 1985 gegründeten, in Dublin ansässigen Architekturbüro. Valerie promovierte 1981 am University College der Dublin School of Architecture. Nach Abschluss zahlreicher Projekte in Irland waren McCullough Mulvin in den letzten Jahren auch international tätig. In Indien haben sie mehrere Gebäude der Thapar University in Punjab fertiggestellt, von denen eines im Januar 2021 mit dem DETAIL Leserpreis ausgezeichnet wurde.

Weitere Informationen zur Thapar University in Punjab finden Sie hier.

Valerie Mulvin zur Architektur der 1960er und 60 Jahren, Foto: McCullough Mulvin Architects
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