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Experimentierfreude als humanitäre Praxis: Shigeru Ban erhält Pritzker-Preis 2014

Zum zweiten Mal in Folge wird die höchste Auszeichnung auf dem Feld der Architektur an einen Japaner verliehen: Am 24. März 2014 gab die Jury des Pritzker-Preises den diesjährigen Preisträger bekannt, die Auszeichnung geht an den 56-jährigen Architekten Shigeru Ban. Im vergangenen Jahr hatte Bans Landsmann Toyo Ito „den Pritzker“ erhalten.

Shigeru Ban, Pritzker-Preisträger 2014

Das Werk Shigeru Bans zeichnet sich durch eine Verschränkung von material- und konstruktionsbezogener Experimentierfreude mit humanitärem und sozialem Engagement aus. Ban unterhält Architekturbüros in seiner Geburtsstadt Tokio sowie in New York und Paris. Seine Ausbildung zum Architekten absolvierte er in Los Angeles und an der Cooper Union in New York bei John Hejduk. Im Jahr 1995 gründete Ban das „Voluntary Architects Network VAN“, eine NGO zur Unterstützung von Katastrophen- und Krisenopfern weltweit. Bereits 1994 hatte er provisorische Unterkünfte aus Papprollen für Flüchtlinge in Ruanda entworfen. Dieses System entwickelte er im Rahmen des „Paper Log House“ für vietnamesische Flüchtlinge weiter, die nach dem Erdbeben von Kobe obdachlos geworden waren. Für die Opfer des Tsunami in Japan 2011 gestaltete er eine Siedlung aus Frachtcontainern.

Cardboard Cathedral
Paper Log House
Hualin Temporary Elementary School
Concert Hall in L'Aquila

Der Vorsitzende des Pritzker-Preisgerichts, Lord Palumbo, drückte seine Wertschätzung für den japanischen Architekten mit folgenden Worten aus: „Shigeru Ban ist eine Naturgewalt, die – beziehungsweise der – mit seiner freiwilligen Arbeit angemessen auf die Bedürfnisse Obdachloser und Vertriebener reagiert, deren Landstriche von Naturkatastrophen zerstört wurden. Aber er erfüllt auch all die Kriterien des ‚architektonischen Pantheon‘: ein profundes Wissen auf seinem Fachgebiet mit einer besonderen Vertiefung in den Bereichen neue Materialien und Technologien, eine große Neugier und Hingabe, endlose Innovationskraft, ein unbestechliches Auge und eine große Sensibilität – um nur einige Eigenschaften zu nennen.“

Naked House

Die Pritzker-Jury betonte Shigeru Bans experimentellen Ansatz in der Verwendung alltäglicher und ungewöhnlicher Materialien und Gegenstände von der Papierrolle bis zum Schiffscontainer. Diese setzt er – teils als Konstruktionselemente, teils als Ready-Mades – für den Bau humanitärer Unterkünfte ebenso ein wie für private Wohnhäuser, temporäre Bauten wie den japanischen Expo-Pavillon in Hannover (2000) oder kulturelle Einrichtungen wie das Centre Pompidou in Metz. Dazu gehören auch Bambus, Textilien und Verbundmaterialien aus Recycling-Papier, Fasern und Plastik. Ein experimenteller Holzbau ist auch Bans erstes Projekt in der Schweiz, ein siebengeschossiges Bürogebäude für die Tamedia-Gruppe in Zürich aus dem Jahr 2013.

Curtain Wall House

Besondere Erwähnung fand das „Naked House“ aus dem Jahr 2000, in dessen offenem, zweigeschossigem Volumen sich vier halboffene Boxen auf Rädern durch den Raum fahren lassen. Diese „Zimmer“ können frei bespielt und konfiguriert werden. Die Konstruktion des „nackten Hauses“ besteht aus einem Holzrahmen, dessen Wände mit durchsichtigem Wellplastik und weißen Acrylplatten verkleidet sind. Dadurch entsteht bei nächtlicher Innenbeleuchtung ein Licht, das an jenes der Shoji-Schreine erinnert.

Centre Pompidou Metz
Centre Pompidou Metz
Expo-Pavillon, Hannover 2000
 

Die Grenzen des architektonischen Verständnisses von „Wand“ und „Bekleidung“ lotet Ban auch beim „Curtain-Wall-House“ von 1995 aus: Der Umriss des Hauses wird über Vorhänge markiert, die über zwei Geschosse reichen und  sich je nach Bedarf öffnen und schließen lassen. Das 14-geschossige Nicolas G. Hayek Center setzt auf große Glas-Jalousien an der vorderen und der rückwärtigen Fassade des Gebäudes, die ebenfalls vollständig geöffnet werden können. Für das „Nomadic Museum“, das von New York (2005) über Santa Monica (2006) nach Tokio (2007) reiste, benutzte er Frachtcontainer. Die Eröffnung des nach seinem Entwurf errichteten Aspen Art Museum in Colorado ist für August 2014 geplant.

Metal Shutter House

Shigeru Ban ist insgesamt der siebte japanische Architekt, der mit dem Pritzker-Preis geehrt wird. Seine Vorgänger waren Kenzo Tange (1987), Fumihiko Maki (1993), Tadao Ando (1995), Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa (2010) sowie Toyo Ito (2013). Die Preisverleihung wird am 13. Juni 2014 im Rijksmuseum in Amsterdam stattfinden – und damit zum ersten Mal in den Niederlanden. Ein Live-Stream zur Preisverleihung wird auf pritzkerprize.com geschaltet.

Nicolas G. Hayek Center
Nicolas G. Hayek Center
Nine Square Grid House
Nine Square Grid House
Onagawa Contemporary Housing
Onagawa Contemporary Housing
Concert Hall in L'Aquila
Concert Hall in L'Aquila
Paper Church
Paper Church
Emergency Shelter
Emergency Shelter
Paper Shelter in Haiti
Paper Temporary Studio
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