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Architektur | Themen

Toyo Ito erhält Pritzker Preis 2013

Für uns ist es eine besondere Freude: Die gestern verkündete Auswahl von Toyo Ito für den Pritzker Preis 2013 bestätigt erneut die internationale Bedeutung des japanischen Altmeisters, dem wir bereits im Jahr 2011 mit der Zuerkennung des DETAIL-Ehrenpreises unsere große Wertschätzung für sein Werk ausgedrückt hatten. DETAIL-Chefredaktuer Christian Schittich fand damals folgende Worte: „Toyo Ito ist nicht nur ein großer Architekt, sondern auch ein maßgeblicher Vordenker der Disziplin, der mit seiner spielerisch und leicht anmutenden Architektur einen eigenständigen Weg in der aktuellen Baukunst einschlägt. Sein Grundthema von Beginn an ist es, die sich wandelnde Gesellschaft des Informationszeitalters in seiner Architektur zu reflektieren.“   

Der 71-jährige Ito, dessen Beitrag „Architecture possible here?“ für den japanischen Pavillon auf der Biennale 2012 zuletzt mit einem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden war, kann auf ein reiches Werk und zahlreiche Ehrungen zurück blicken. Er ist bereits der sechste japanische Architekt, der mit dem seit 1979 von der Hyatt Stiftung vergebenen Pritzker-Preis geehrt wird: Vor ihm kamen aus diesem Land Kenzo Tange (1987), Fumihiko Maki (1993), Tadao Ando (1995) sowie Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa (2010). 

Silver Hut (house), Nakano-ku, Tokyo, Japan, 1984

Dass die beiden Gründer von SANAA ihm heute zwar bezüglich ihrer Prominenz voraus sind, schmälert seine Bedeutung jedoch keineswegs. Schließlich war Kazuyo Sejima selbst jahrelang Mitarbeiterin in Itos Büro und wurde von ihm gefördert. Itos Architektur legte –beispielsweise mit seinem „Tower of Winds“ (Yokohama, 1986) und seiner architektonischen wie kuratorischen Auseinandersetzung mit digitalen Medien – einen der Grundsteine für die in Japan so starke „Ästhetik des Verschwindens“, die von SANAA-Schüler Junya Ishigami heute auf die Spitze getrieben wird. Es ist nur folgerichtig, dass einer der „Stammväter“ dieser ideellen Genealogie nun mit dem Pritzker Preis gewürdigt wird.

Tower of Winds, Yokohama-shi, Kanagawa, Japan, 1986, Foto: Tomio Ohashi

Zu den wichtigsten Bauten Itos, der seine Karriere mit dem Bau von Wohnhäusern begann, gehören unter anderem die Mediathek in Sendai (die auf nahezu wundersame Weise von der Erdbeben-Katastrophe 2011 fast völlig verschont blieb) und die von filigranen Betonbögen geprägte Universitätsbibliothek Tama in Tokio (2007). Besonders erwähnenswert sind zudem das Friedhofsgebäude in Kakamigahara (2007) und das von ihm selbst entworfene Toyo-Ito-Architekturmuseum am Seto-See (2011).

Tama-Universitätsbibliothek (Hachi?ji campus), Hachioji-shi, Tokyo, Japan, 2007

Im Interview mit Christian Schittich 2011 legte Ito einige seiner grundlegenden Gedanken zur Architektur dar, die sich zum Beispiel in der Mediothek in Sendai manifestieren: „Ich möchte, dass die Menschen eine größere Offenheit im städtischen Leben vorfinden und mache mir Gedanken, was die Architektur dazu beitragen kann. Die Mediothek in Sendai ist dafür eines der besten und erfolgreichsten Beispiele. Sendai ist eine sehr traditionelle, sehr konservative Stadt. Noch während des Wettbewerbs stieß unser Vorschlag auf großes Unverständnis. Denn normalerweise ist das Raumprogramm in einem öffentlichen Gebäude in Japan stark nach Funktionen getrennt. Wir aber haben die Funktionen durchmischt und einen offenen Raum geschaffen, den sich die Benutzer selbst aneignen können. Die Menschen nutzen die Mediothek wie einen öffentlichen Park: Junge Paare verabreden sich hier, Schulkinder und alte Leute kommen hier zusammen, spontane Gespräche entstehen. Die Architektur unterstützt die Kommunikation – das ist mir sehr wichtig. In Sendai haben wir uns vielen neuen Herausforderungen gestellt, die dann von den Nutzern überraschend positiv aufgenommen wurden.“

Meiso no Mori Municipal Funeral Hall Kakamigahara-shi, Gifu, Japan, 2006

Der Vorsitzende der Pritzker-Preis-Jury, Lord Palumbo (London), sagte zur Begründung für die Auszeichnung Itos: „Toyo Ito hat ein Werk kreiert, dass konzeptionelle Innovation mit superb ausgeführten Gebäuden vereint. Er hat in mehr als 40 Jahren herausragende Architektur geschaffen.“ 

Ito selbst kommentierte die Würdigung äußerst bescheiden: „Architektur ist an viele gesellschaftliche Bedingungen geknüpft. Ich habe Architektur immer mit dem Anspruch gestaltet, komfortablere Räume zu schaffen, die uns ein wenig von diesen Einschränkungen befreien sollen. Jedoch wurde mir meine eigene Unzulänglichkeit jedes Mal schmerzhaft bewusst, wenn einer meiner Entwürfe fertig gestellt war. Diese Unzufriedenheit habe ich jedoch immer als Antrieb und Energiequelle für das nächste Projekt genutzt. Vermutlich wird dieser Prozess sich auch in Zukunft wiederholen. Daher werde ich meinen Architekturstil niemals fixieren und niemals mit meinem Werk zufrieden sein.“

Der Pritzker-Preis ist mit 100.000 Dollar dotiert. Die Verleihung findet am 29. Mai 2013 im Kulturzentrum „John F. Kennedy Presidential Library and Museum“ in Boston, Massachusetts, statt. Dieses Zentrum wurde von Pritzker-Preisträger Ieoh Ming Pei gestaltet. (CV)

Toyo Ito Museum of Architecture, Imabari-shi, Ehime, Japan, 2011, Foto: Daici Ano

Von Cordula Vielhauer
18.03.2013

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