Architekturpreis
ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin gewinnt den DAM Preis 2026
Peter Grundmann Architekten gewinnen den DAM Preis 2026 für das ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin: Einst als Lagerhalle genutzt, ist der Güterbahnhof in Berlin-Moabit heute Ort für Veranstaltungen in Kunst, Kultur und Urbanistik. © Yizhi Wan
In diesem Jahr zeichnet der DAM Preis für Architektur bereits zum zehnten Mal herausragende Bauten deutscher Architekt:innen aus. Eine Jury hat 23 Projekte für die Shortlist 2026 ausgewählt: Fünf der ausgewählten Bauten standen am 30. Januar im Finale. Peter Grundmann Architekten gewinnen den DAM Preis 2026 für das ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin.
Von Lagerhalle zum Kulturort
Der Umbau des Güterbahnhofes in Berlin-Moabit zum ZK/U Zentrum für Kultur und Urbanistik erfolgt bereits seit 2012. Kunst, Stadtforschung, verschiedene Musikveranstaltungen, urbane Strategien, Vorträge, Kino, Kiezmärkte und vieles mehr haben hier ein zu Hause gefunden. Das Angebot ist vielfältig – der Platz wurde knapp, daher entschied man sich 2016 für eine Erweiterung. Umgeben von Park sollte hierfür jedoch keine Fläche versiegelt werden – der Entwurf von Peter Grundmann Architekten setzte deshalb auf eine Aufstockung einer ehemaligen Lagerhalle. Die Wände und Decken des Bestandes blieben erhalten, die Ziegelwände werden von den Glasfassaden des Neubaus umhüllt. Unter- und Erdgeschoss nehmen neue Veranstaltungsräume auf. Das Obergeschoss wird über zwei Außentreppen und einen Laubengang erschlossen. Auch die neue Dachfläche ist als Dachterrasse nutzbar. „Peter Grundmann erfrischt und zeigt uns wieder die Möglichkeiten von Architektur und architektonischem Raum, Sinn zu stiften und Gemeinschaft zu feiern. Für wenig Geld, dafür aber mit sehr viel Mut, klarer Haltung und Optimismus. Dafür vielen Dank”, lobt Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums.


ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin von Peter Grundmann Architekten, © Yizhi Wang
Robustes Haus für mehrere Generationen in München
Als Pilotprojekt der Stadt München ist das Mehrgenerationenhaus von Etal. nicht nur architektonisch sehr interessant: Das Gebäude wurde in einem kooperativen Prozess geplant und regt damit die Debatte um gemeinschaftsorientierten Wohnungsbau an. Auf den zwei Obergeschossen verteilen sich Clusterwohnungen mit je drei Wohneinheiten und gemeinschaftlichen Wohn- und Essbereichen. Die Zimmer sind mit 18 m2 ungefähr gleich groß und können durch sogenannte Sollbruchstellen flexibel gekoppelt werden. Die Struktur bietet damit langfristig Raum für unterschiedlichste Lebensentwürfe. Erdgeschoss und Untergeschoss stehen mit Mehrzweckraum, Werkstatt und Waschraum nicht nur den Bewohner:innen des Hauses zur Verfügung, sondern sollen auch das Quartier um einen neuen Ort zum Austausch ergänzen.


Die Fassade des dreigeschossigen Mehrgenerationenhauses besteht aus sägerauer Fichtenlattung und leicht ausgestellten Feldern. © Federico Farinatti Fotografie


Die Untersichten der Decken aus Brettschichtholz beziehungsweise die sichtbaren Sparren im zweiten Obergeschoss sind naturbelassen. © Federico Farinatti Fotografie
Wohnen F//9 in Köln
Das Wohngebäude von Aretz Dürr Architektur greift das Thema der zügigen Nachverdichtung von Ballungsräumen durch ein hohes Maß an Vorfertigung auf. Eine 25 m breite Baulücke in einem Blockrand der Kölner Südstadt wird durch einen Neubau aus vorgefertigten Holzmodulen auf einem pfahlgegründeten Streifenfundament geschlossen. Ein Stahl-Holzregal auf der Südseite löst neben der Nutzung als Balkon auch den Sonnenschutz konstruktiv. Es entstehen sieben Wohneinheiten vier unterschiedlicher Wohngrößen zwischen 45 m² und 85 m².


Das Wohngebäude von Aretz Dürr Architektur schließt eine Baulücke im Blockrand der Kölner Südstadt. © Luca Claussen
730 Schlafplätze in Vierbettzimmern
Die Landeshauptstadt München bietet seit 2013 ein bundesweit einzigartiges Übernachtungsangebot für obdachlose Männer, Frauen und Kinder. In einem städtebaulich wenig attraktivem Umfeld zwischen Lagerhallen, Großmärkten und Parkplätzen gibt der Neubau von Hild und K einen ersten Impuls für ein zukünftig gemischt genutztes Quartier. Das neue Versorgungszentrum im Stadtbezirk Schwabing-Freimann soll Hilfesuchenden dabei mehr als nur Nothilfe bieten. Neben dem großen Angebot des Übernachtungsschutzes bietet der Neubau Räumlichkeiten für eine umfassende Versorgung, die von Beratung über einen Tagestreff bis hin zur medizinischen Behandlung reicht. Das Tragwerk des Gebäudes ist ein Betonskelettbau aus Fertigteilelementen, der ein hohes Maß an Flexibilität garantiert. Sollte zukünftig eine grundsätzliche Lösung für das Problem der Obdachlosigkeit gefunden werden, kann das Gebäude rück-, um- oder weitergebaut werden.


Nach außen tritt Beton als robustes Sockelgeschoss in Erscheinung, die Fassade der oberen Geschosse des Versorgungszentrums ist als geschossübergreifende Vorhangfassade ausgeführt. © Michael Heinrich
Zwei Schulen unter einem Dach
An der Allee der Kosmonauten in Berlin sind ein Gymnasium und eine Integrative Sekundarschule entstanden. PPAG Architects vereinen eine zweistöckige Doppelsporthalle mit den beiden Schulen zu einem Gesamtkomplex für etwa 1600 Schüler:innen. Im Erdgeschoss teilen sich beide Schulen den Eingang, einen schaltbaren Mehrzweckraum, Musikräume, Bibliotheken, Mensen und Werkstätten. Diese Bereiche sowie die Sporthallen sind durch gezielte Planung auch für außerschulische Aktivitäten zugänglich – vier Türen verhindern, dass externe Sportler:innen aus den Sporthallen in die Schulbereiche gelangen. Im Schulkonzept stehen Projektarbeit und freies Lernen im Mittelpunkt, daher benötigt das Gebäude funktional und atmosphärisch entsprechende Raume für unterschiedliche Lernmethoden wie Einzelarbeit, Gruppenarbeit und Präsentationen. Zusätzlich stehen im dritten Obergeschoss Fachräume zur Verfügung. Auch den großzügigen Außenbereich mit verschiedenen Sport-, Spiel- und Erholungsbereichen teilen sich beide Schulen.


Fünf baugleiche, fünfgeschossige Compartmentarme sind sternförmig um die großen und doppelt hohen Sporthallen angeordnet. © Jan Bitter
Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum
Die 23 Gebäude der Shortlist können bis zum 10. Mai 2026 im Deutschen Architekturmuseum bestaunt werden. Zu entdecken sind Themen wie Bauen im Bestand, flexible Architektur, Museen, Schul- und Veranstaltungsgebäude bis hin zur funktionalen Architektur einer Schleuse. Die 106 Bauten aus der Longlist werden zudem im Architekturführer Deutschland 2026 veröffentlicht.
Ausstellung: DAM Preis 2026
Ausstellungsort: Deutschen Architekturmuseum (DAM)
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main (DE)
Ausstellungsdauer: 31. Januar bis 10. Mai 2026
Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 11–18 Uhr; Mittwoch 11–20 Uhr; Montag geschlossen; An Feiertagen 11–18 Uhr
Weitere Informationen: dam-online.de





















