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Gezielte Nachverdichtung: Stair Case Study Houses (01/02)

Unter dem Motto "Einbreiten statt Ausbreiten" entwickelt der Hamburger Architekt Gerd Streng individuelle Lösungsansätze für die "Nachverdichtung" bestehender Wohnsituationen. Ausgehend von der Tatsache steigender Mietpreise in deutschen Metropolregionen, sucht er nach räumlichen Ressourcen in den eigenen vier Wänden und schafft Platz "durch geringfügige aber gezielte Reorganisation der vorhandenen Grundstruktur". In enger Absprache mit den Nutzern entstehen überraschende und funktional ausgeklügelte Konzepte rund um das Thema Treppe, die aufgrund gezielter Licht- und Farbgestaltung auch dramturgisch überzeugen. Bislang wurden sechs dieser sogenannten "Stair Case Study Houses" realisiert. Wir zeigen die Projekte SCSH 01 und SCSH 02. Weitere Lösungen finden Sie unter nachfolgenden Links: SCSH 03, SCSH 04, SCSH 05, SCSH 06


Stair Case Study House 01

Situation:
Den Bauherren wurde die 3-Zimmer-Wohnung im ersten Obergeschoss einer malerischen Hinterhofbebauung in HH-Eimsbüttel zu klein. Nach Zukauf der darunterliegenden Erdgeschosswohnung entstand eine Maisonettewohnung.

Maßnahme:
Beide Etagen werden über eine neu eingefügte Treppenskulptur verbunden, die im Erdgeschoss in ein U-förmiges Sitzmöbel übergeht. Im privaten Obergeschoss (ca. 80 m²) befinden sich nun alle Schlaf- und Kinderzimmer sowie das Hauptbadezimmer. Das Erdgeschoss wurde komplett entkernt und saniert und wird als Wohnraum mit neuer Küche und Essbereich genutzt. Das Möbel ist zugleich Sideboard, Stauraum und Wohnzimmercouch. Sämtliche Einbauten inklusive der Podeststufen sind mit Schubladenelementen ausgestattet.

Die Trittstufen sind weiß lackiert und führen auf dem Weg nach unten zum weißen Wohnzimmermöbel. Die gelben Setzstufen bilden auf dem Weg nach oben eine Einheit mit dem monochrom gelben Treppenraum. Tagsüber wird das Treppeninnere durch eine Öffnung mit einem laminierten Polyesterrost (GFK) beleuchtet. Abends wird der Rost zum leuchtenden Fenster.

Nutzer: privat (5 köpfige Familie)
Architekt / Innenarchitekt: Gerd Streng   
Bauleitung: Eigenleistung Bauherr
Tragwerksplanung: assmann beraten und planen

Projektdaten:
Standort: 20253 Hamburg
Grundstücksgröße: ca. 911 m²
Nutzflächen: EG: ca. 37,0 m², OG: ca.78,5 m², gesamt ca. 115,5 m²
Brutto-Rauminhalt: ca. 346 m³
Baukosten:
Gesamt brutto ca. 45.000 € ohne Eigenleistung

Hersteller:
Glasfaserverstärkte Polyesterplatten: CTS GmbH, www.ctscom.de
Beleuchtung EG: "Puk Wing Twin", www.top-light.de
Beleuchtung Treppenraum: Philips ‚Ledino’ LED Wandleuchte, www.lighting.philips.de


Stair Case Study House 02

Situation:
Ein klassisches Einfamilienklinkerhaus aus dem Jahre 1939 sollte energetisch saniert und an die Raumbedürfnisse einer vierköpfigen Familie angepasst werden. Die räumlichen Veränderungen beschränken sich auf wenige gezielte Eingriffe, die orange hervorgehoben sind.

Maßnahme:
Ein neues Treppenobjekt erschließt den bislang ungenutzten Spitzboden. Die hierfür benötigte Fläche wurde aus einem der beiden Kinderzimmer ausgespart. Ursprünglich lediglich über eine Leiter erschlossen, beherbergt der Speicher nun ein vollwertiges Schlafzimmer mit einem hochwertigen Einbaumöbel. Die Wohnfläche konnte von ca. 98 m² auf ca. 115 m² erhöht werden.

Platzmangel sowie die bestehenden Zugbalken der Dach- und Deckenkonstruktion erforderten eine Neuinterpretation der klassischen Wendeltreppe. Die neue imaginäre Spindel verläuft diagonal durch den Raum. Der Nutzer bewegt sich in einem Korridor um sie herum. Es entsteht eine Treppenskulptur, die sich bei gleicher Ein- und Austrittsbreite lediglich mit einem Viertel der Grundfläche einer vergleichbaren traditionellen Spindeltreppe begnügt. Die orange lackierte Holztreppe verbindet sich mit dem ebenfalls orangefarbenen Kautschukbelag des Spitzbodens.

Ein begehbarer, glasfaserverstärkter Polyesterrost (GFK) fungiert in geöffnetem Zustand zusammen mit dem gegenüberliegenden Sitzradiator als Absturzsicherung, in geschlossenem Zustand dient er als lichtdurchlässige Zimmertür und ist dabei leichter und günstiger als Glas. Ein Schlips als Grifflasche erleichtert - zusammen mit einer Gasdruckfeder - das Öffnen und Schließen. Die flexibel nutzbaren Beleuchtungselemente können je nach gewünschter Atmosphäre positioniert, gestellt oder umgehängt werden.

Das Einbaumöbel im Spitzboden ist passgenau in den Giebel eingefügt. Das Eulenfenster ist konisch ausgespart mit reflektierenden hochglanzlackierten Laibungen. Faltschiebetüren und Schublade-in-Schublade-Elemente bieten optimalen Stauraum.

Nutzer: privat (4 köpfige Familie)   
Architekt / Innenarchitekt / Bauleitung: Gerd Streng  
Beratung Tragwerk: Mark Lyczynski, Lüneburg
Lichtberatung: Marc Nelson Lichtdesign, www.marc-nelson.de

Projektdaten:
Standort: 22525 Hamburg
Grundstücksgröße: ca. 662 m²
Nutzflächen: EG: ca. 59,5 m², OG: ca.37,9 m², Spitzboden: ca. 15 m², gesamt ca. 112,4 m²
Bruttogeschossfläche: ca. 156 m²
Brutto-Rauminhalt: ca.560 m³ (inkl. Kellergeschoss)
Baukosten: Sanierungs- und Renovierungskosten Gesamt brutto ca. 140.000 € ohne Eigenleistung; Gesamt netto ca. 1.245 €/m² NF

Hersteller:
Glasfaserverstärkte Polyesterplatten: CTS GmbH, www.ctscom.de
Treppe (Ausführung und Beratung): Tischlerei Suhm, www.tischlerei-suhm.de
Beleuchtung Spitzboden: Flos "Mayday", www.flos.com
Innendämmung Spitzboden:Xella ‚Multipor’
Kautschukboden Spitzboden: Kautschukfliesen Objektfloor, 'artigo ZERO.4', orange, www.objectflor.de  
Elektro: GIRA, Flächenschalter weiss, www.gira.de

 

Weitere Projekte zum Thema »Treppen, Rampen, Aufzüge« lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe DETAIL 2014/4.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2014

Treppen, Rampen, Aufzüge

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