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Lichtdurchflutete Raffinesse: Architekturschule in Straßburg von Marc Mimram

Der Erweiterungsbau der Architekturfakultät von Marc Mimram ist Bestandteil eines ausgeklügelten Stahlrahmenbaus, dessen Gebäudehülle ein facettenreiches Spiel mit Transparenz und Transluzenz erzeugt. Der französische Architekt entwarf ein prägnantes Bauwerk, das sich zur Umgebung öffnet und die Architekturausbildung mit Blick auf die Stadt in direkten Bezug zum Kontext setzt.

Architektur:
Marc Mimram, Paris
Standort: Boulevard Wilson, F-67000 Straßburg

Vogelperspektive der Architekturschule in Straßburg
Foto: Julien Lanoo

Bereits seit 1987 hat die École Nationale Supérieure d’Architecture de Strasbourg (Ensas) ihren Sitz am östlichen Altstadtrand in einem umgebauten früheren Autohaus aus den 1950er-Jahren. Direkt gegenüber, inmitten dieses gewachsenen Viertels mit guter Verkehrsanbindung, entwarf der Pariser Architekt Marc Mimram einen lichtdurchfluteten Neubau inklusive Dachterrasse und Blick über die Dächer der Stadt.

Lageplan der Architekturschule in Straßburg
Lageplan, Grafik: Marc Mimram

Spannungsvolle Ein- und Ausblicke verknüpfen den Neubau mit seiner Umgebung, vom aufgeglasten Sockelgeschoss über die semi-transparente Aluminiumverkleidung der verglasten »Boxen« und deren überdimensionalen »Fenstern« bis zu den Dachterrassen. Die markante Gebäudekubatur der gestapelten zweigeschossigen Quader – die unteren kragen über das Erdgeschoss aus, der obere springt als Attikageschoss zurück – ist aus städtebaulichen Vorgaben und bestehenden Traufhöhen entwickelt.

Strassenfassade der Architekturschule in Strassburg Blick von Osten
Foto: Julien Lanoo
Dreidimensionales Schema der Architekturschule in Straßburg
3D Schema, Grafik: Marc Mimram

Der Stahl-Glas-Bau ist ebenso kraftvoll in der Form wie raffiniert in der Oberfläche: Für die Aluminiumhülle, die je nach Lichteinfall von dunkelgrau-opaken Flächen zu flirrenden Linienmustern changiert, wurden spezielle geschosshohe Paneele aus Streckmetall entwickelt. Sie umspielen die Fassade wie ein Vorhang aus dünnem Stoff, dessen reizvoller »Faltenwurf« durch die unterschiedlich gewellten Paneele entsteht.

Frontalansicht der Architekturschule in Straßburg bei Tag
Foto: Julien Lanoo

Tagsüber dient die Hülle als Sonnenschutz und Lichtfilter, am Abend gibt sie den Blick in die Innenräume frei und lässt die Tragstruktur sichtbar werden: Jede Box besteht aus 7 m hohen, bis zu 27 m langen Stahlrahmen in Fassadenebene, die stützenfreie, flexibel unterteilbare Geschossebenen ermöglichen. Die Rahmen selbst werden gebildet aus einem kombinierten System von Fachwerk- und Vierendeelträgern, um die großen »Fenster« zu integrieren.

Axonometrie des Stahlskeletts der Architekturschule Straßburg
Axonometrie Stahlskelett, Grafik: Marc Mimram
Explosionsgrafik des Fassadenaufbaus der Architekturschule Straßburg
Explosionsgrafik, Grafik: Marc Mimram
Detailaufnahme der Fassade von außen
Detailaufnahme der gestapelten Kuben mittlerer Quader
Fotos: Claudia Fuchs
Detailaufnahme transluzente Aluminiumhülle
 

Im Innern setzen sich die klare Gliederung und die Konzentration auf wenige Materialien konsequent fort. Die kühl-sachliche, fast spröde Gestaltung überrascht zunächst: Stahltragwerk, Sichtbeton, Streckmetall und grauer Estrich wirken für eine Hochschule unkonventionell, sie erinnern mehr an kreative Lofts. Zentraler Treffpunkt ist die Treppe des Atriums, sie verbindet als Kommunikationsort Eingangshalle, Hörsäle im Souterrain und Seminar- und Übungsräume der oberen Etagen.

Treppe im Atrium der Architekturschule in Straßburg
Foto: Julien Lanoo
Grundriss Erdgeschoss der Architekturschule in Straßburg
1 Eingang, 2 Atrium, 3 Ausstellung, 4 Cafeteria<br>Grundriss EG, Grafik: Marc Mimram
Grundriss 3.Obergeschoss der Architekturschule in Straßburg
5 Verbindungssteg, 6 Seminarraum, 7 Dachterrasse<br>Grundriss 3.OG, Grafik: Marc Mimram
Grundriss Untergeschoss der Architekturschule in Straßburg
2 Atrium, 8 Hörsaal, 9 Lichthof<br>Grundriss UG, Grafik: Marc Mimram
Schnitt durch die Architekturschule in Straßburg
Schnitt, Grafik: Marc Mimram
Eingangsebene der Architekturschule in Straßburg
Foto: Julien Lanoo

Im ersten Obergeschoss führt ein Verbindungssteg zum Bestandsgebäude, das derzeit umgestaltet wird. Aufzüge, Nebenräume und Treppenhäuser sind im schmalen massiven Bauteil untergebracht, der an die Nachbarbebauung anschließt. In den großzügigen Übungsräumen, ebenfalls in zurückhaltendem Grau-Weiß gestaltet, herrscht Workshop-Atmosphäre. Hier wird entworfen und diskutiert, Konzepte und Modelle entstehen – stets mit direktem Blick zur Stadt.

Arbeitsraum mit Außenbezug der Architekturschule in Straßburg
Foto: Julien Lanoo
Strassenfassade der Architekturschule in Straßburg
Foto: Claudia Fuchs

Bauherr: Ministère de la Culture et de la Communication
Architektur: Marc Mimram
Projektteam: Fabien Mauduit, Pamela Durasamy, Francis Jacquid, Sergio Pauletto, Sylvia Singer Bayrle, Nicolas Videgrain

Wettbewerb:
2008
Baubeginn: 2010
Fertigstellung: 2013
Baukosten: 13,4 Mio Euro

Fläche Neubau: 4.500 m²
Fläche Umbau: 4.400 m²

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe
DETAIL 2014/1+2 zum Thema »Bauen mit Holz«

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 1+2/2014

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