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NordBau 2019, Nachbericht, Messe, Fachveranstaltung, Neumünster

Nachbericht zur NordBau 2019: Wohnraum schaffen – aber wie?

Zum Auftakt stellte der Architekt Julian Breinersdorfer aus Berlin sein ebenso nachhaltiges wie radikales Konzept für die zahlreichen Kleingärtenkolonien in der deutschen Hauptstadt vor. Sie nehmen insgesamt 30 km2 Fläche ein, was dem Siebenfachen des Tempelhofer Felds entspricht. Würde man sie unter Beibehaltung der Parzellenstruktur und der Nutzgärten teilweise mit Wohnhäusern bebauen, könnte dort Wohnraum für 700.000 Menschen entstehen. Bauherren sollen dabei die bisherigen Pächter sein und nicht etwa große Investoren, wie in Berlin bereits geschehen. Die Pachtverträge würden auf 99 Jahre verlängert und auf den Parzellen das Baurecht für eine bis zu dreigeschossige Teilüberbauung geschaffen. Breinersdorfer ist sich bewusst, dass ein solches Konzept auch auf Gegenwehr stoßen würde. Doch die bisher vorgesehenen Flächen, auf denen bis 2030 in Berlin neue Wohngebäude entstehen sollen, reichten noch nicht einmal aus, um den bisherigen Bedarf zu decken. Daher ist es laut Breinersdorfer unabdingbar, auch unkonventionelle Konzepte in Betracht zu ziehen.

Einkaufen im Tiefgeschoss - Deutschlandstudie 2019 regt zu Alternativkonzepten für Supermärkte an
Auch Karsten Tichelmann, Professor für Tragwerksentwicklung und Bauphysik an der TU Darmstadt sowie Mitautor der »Deutschlandstudie 2019«, sieht noch viel Entwicklungspotenzial in ungesättigten Wohnungsmärkten. In der Studie haben Wissenschaftler der TU Darmstadt und des Pestel Instituts abgeschätzt, wie viele Wohnungen sich in Deutschland durch Aufstockung und Umnutzung von Nichtwohngebäuden schaffen ließen. Das Ergebnis: Selbst bei konservativer Rechnung ließe sich auf diese Weise der derzeitige Bedarf von 1,2 bis 1,45 Millionen Wohneinheiten in den schnell wachsenden Regionen Deutschlands decken. In seinem Vortrag stellte Tichelmann vor allem das Konzept eingeschossiger Supermärkte in Frage. Diese Gebäude, die zum Großteil ohnehin künstliches Licht bevorzugen, könnten mitsamt Parkmöglichkeiten, die in ihrer Anzahl in Innenstadtlagen auch hinterfragt werden sollten, hervorragend in die Untergeschosse verlegt werden. Über der Erde würde auf diese Weise Platz für wertvollen zusätzlichen Wohnraum freiwerden.

Mit der Weiterentwicklung eines Bestandsquartiers befasst sich Petra Kurzhöfer von der GEWOBA Bremen. Die Wohnungsgesellschaft bewirtschaftet mehrere Tausend Wohnungen im Stadtteil Neue Vahr, der Anfang der 60er-Jahre als Europas größtes Neubaugebiet galt. Knapp 50 Jahre später hat die GEWOBA, begleitet von drei Planungsbüros und unter intensiver Bürgerbeteiligung, das Projekt »Vahr 2035« angestoßen. Darin geht es um die Frage, wie das Quartier durch bessere und vielseitigere Verkehrsanbindung, attraktivere Grünräume und mehr Nutzungsmischung fit für die Zukunft gemacht werden kann. Von Anfang an mit im Boot ist dabei die Stadtverwaltung. So sollen die Chancen steigen, dass die ambitionierten Pläne eines Tages Realität werden können.

Wohnraumpotenzial verborgen in Bauruinen
Thomas Burlon, Partner in den Architekturbüros Brandlhuber+ und schneideroelsen in Berlin, nahm die Zuhörer in seinem Vortrag mit auf eine Entdeckungsreise. Immer wieder finden Burlon und seine Kollegen in ihren Projekten Qualitäten in Gebäuderuinen und Baulücken, die anderen Architekten und Investoren verborgen bleiben. Anhand von Projekten wie der »Antivilla« und dem Projekt »Rachel« in Krampnitz bei Potsdam, dem Galerie- und Ateliergebäude in der Brunnenstraße sowie dem Kirchenumbau von St. Agnes in Berlin zeigte er auf, wie sich aus den baulichen Hinterlassenschaften Anderer großartige Architektur schaffen lässt. Notwendig ist dabei fast immer Wagemut seitens des Bauherrn, ein intensiver Dialog mit den Bau- und Denkmalämtern und bisweilen auch die trickreiche Auslegung von Vorschriften.

Das Fazit der abschließenden Diskussionsrunde lautete, dass man der Zukunft mutig ins Auge blicken solle und die Konfrontation nicht scheuen darf, um ein Umdenken bei Verwaltungsbehörden und den politischen Entscheidungsträgern in Gang zu setzen.

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