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Prägnanter Glaskubus mit sichtbarer Stahlfachwerkkonstruktion


Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Foto: Claudia Fuchs

Das Schulhaus Leutschenbach ist eines der größten Schulgebäude Zürichs: ein prägnanter Glaskubus, getragen von einer sichtbaren Stahlfachwerkkonstruktion, gegliedert durch die schmalen Bänder der Geschossdecken, bekrönt von einer rundum verglasten Turnhalle. Im Gegensatz zur horizontalen Gliederung vieler Schulbauten sind die Räume hier in einem kompakten Baukörper übereinander gestapelt, was die bebaute Fläche zugunsten eines großzügigen Schulparks minimiert.

Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Foto: Claudia Fuchs
Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Foto: Claudia Fuchs

So ungewöhnlich der Baukörper, so innovativ sind auch Raumkonzept, Tragwerk und Materialwahl. Der Züricher Architekt Christian Kerez entwickelte einen flurlosen Grundriss: Auf drei Etagen ordnen sich die Klassenzimmer zweiseitig um das zentrale Treppenhaus an. Dessen gegenläufige Treppen führen auf großzügige Plattformen als Gemeinschaftszonen. Sie können aufgrund der vor den Fassaden umlaufenden Fluchtbalkone flexibel genutzt werden, als Aufenthaltsräume ebenso wie für teamorientierten Unterricht.

Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Grundriss Erdgeschoss
Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Grundriss 1.OG
Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Grundriss 4.OG
Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Querschnitt

Anstelle massiver Wandscheiben teilt transluzentes Profilbauglas die Klassenzimmer von den zentralen Bereichen und untereinander ab. Die schimmernden, lichtdurchlässigen Wände trennen die Räume akustisch, ermöglichen zugleich jedoch subtile optische Verbindungen: Tageslicht strömt bis tief ins Innere des Gebäudes, und auch die Bewegungen der Schüler zeichnen sich schemenhaft durch das Glas ab. Allseitig belichtet und mit Raumhöhen von 3,60 m wirken Unterrichts- und Gemeinschaftsbereiche mehr wie Atelierräume denn wie Standardklassenzimmer. Die Materialien Sichtbeton und Glas verstärken diesen Eindruck.

Schulanlage Leutschenbach, Zürich
Foto: Claudia Fuchs

So reduziert und puristisch die Materialauswahl, so differenziert sind andererseits die Raumvolumina. Christian Kerez entwickelt eine spannungsvolle Dramaturgie vom niedrigen Eingangsgeschoss mit Mensa und Schülerklub über die Klassenzimmerebenen bis in die vierte Etage mit Aula, Bibliothek, Lehrerzimmer und schließlich zuoberst die überraschende Raumfülle der 7 m hohen, stützenfreien Doppelturnhalle mit weitem Panoramablick wie von einer Aussichtsplattform.

Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Foto: Dario Pfammatter

Das außenliegende Tragwerk der Turnhalle besteht aus raumhohen umlaufenden Fachwerkträgern. Eine zweite große Trägerstruktur nimmt die drei Stockwerke der Unterrichtsräume auf. Die gesamte Konstruktion wird über weitere Fachwerkelemente auf sechs »dreibeinigen« Stahlstützen im Erdgeschoss abgetragen, ähnlich einer Tischkonstruktion. Als »Tischplatte« fungiert die vierte Etage, von deren Querträgern der Unterrichtstrakt abgehängt ist. Auf ihnen liegt auch die Turnhalle auf.

Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Foto: Claudia Fuchs
Schulanlage Leutschenbach, Christian Kerez, Zürich
Foto: Schollglas

Stahlbetonrippendecken steifen die Stahlkonstruktion aus, in den Decken ist die Haustechnik integriert. Das außergewöhnliche Tragwerk, das eine Einheit mit dem architektonisch-räumlichen Konzept bildet, wurde gemeinsam mit dem Tragwerksplaner Joseph Schwartz entwickelt, mit dem Christan Kerez bereits das Wohnhaus in der Forsterstraße in Zürich realisierte (s. Detail 12/2005).
Schon während der Bauzeit zog das großzügige, innovative Schulhaus für künftig 400 Schüler der Grund-, Unter- und Oberstufe Architekten, Ingenieure, Pädagogen und Anwohner an. Als Leitprojekt für das neu entstehende Wohn- und Büroquartier Leutschenbach setzt es nun auch ein Zeichen für die Bedeutung der Institution Schule in der städtischen Gemeinschaft.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 9/2009

Schulen modernisieren

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