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Rhythmisierter Show-Box-Effekt: Ladenpavillon "Dreamhouse"

Für den subtilen Umbau eines Gebäudes aus den fünfziger Jahren in Rotterdams beliebtester Einkaufsstraße erhielten KAAN Architecten den Benelux Aluminium Award 2013.

Architekten: KAAN Architecten, Rotterdam
Standort: Karel Doormanstraat 278, NL-3012 GP Rotterdam

Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Fassade und begrüntes Dach
Foto: Sebastian van Damme

Die Lijnbaan ist Rotterdams beliebteste und zugleich die erste autofreie Einkaufstraße Europas. Im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Luftangriffe komplett zerstört, wurde sie zwischen 1949 und 1953 nach Plänen des Büros Van den Broek en Bakema wieder aufgebaut. Inspiriert durch das amerikanische Modell der Shopping Mall und dessen geistigen Vater Victor Gruen, trat dabei die ehemals traditionelle innerstädtische Durchmischung von Wohnen und Arbeiten zugunsten monofunktionaler Einkaufszentren in den Hintergrund. Vor einigen Jahren wurde die Gesamtanlage unter Denkmalschutz gestellt.

Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Lageplan
Lageplan: Grafik: Kaan Architecten
Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Lijnbaan heute
Die Lijnbaan heute, Foto: Sebastian van Damme

Heute wird die Lijnbaan wie nahezu überall durch große und kleine Läden bekannter Marken und Ketten bestimmt, die mit lauten, schrillen Effekten um die Gunst der potentiellen Kundschaft buhlen. Demgegenüber verfolgen KAAN Architecten konsequent ihren Weg eines „new modernism“. Mit präzise geschnittenen Volumina interpretieren sie das bestehende Gebäude von Van den Broek und Bakema in einer unverändert funktionalen Architektursprache, unterziehen es dabei aber dennoch einer behutsamen „Verjüngungskur“.

Die Veränderungen werden in erster Linie an den Fassaden sichtbar. Streng orthogonal und proportional fein ausbalanciert stapeln sich auf drei Geschossen Volumen unterschiedlicher Größe und Ausdehnung. Die Oberflächen und Farben der einzelnen Elemente variieren dabei in kaum wahrnehmbaren Nuancen und symbolisieren Einheit in der Vielfalt.

Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Das Gebäude im Kontext
Foto: Sebastian van Damme

Am auffälligsten werden die subtil eingesetzten Maßnahmen im weit auskragenden ersten Obergeschoss, das auf die ebenfalls vorspringenden Balkone der umliegenden Wohnungsbauten antwortet und durch eine umlaufende, rahmenartige Stahlstruktur akzentuiert wird. Extrem schlanke und scharfkantige Metallstreifen aus Aluminium stehen dabei senkrecht zu den ebenfalls vertikal ausgerichteten, raumabschließenden Glasbändern.

Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, begrüntes Dach perspektivisch
Foto: Sebastian van Damme
Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Grundriss Erdgeschoss
Grundriss EG, Grafik: Kaan Architecten
Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 1. OG, Grafik: Kaan Architecten
Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Schnitt
Schnitt, Grafik: Kaan Architecten
Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Ansicht West
Ansicht West, Grafik: Kaan Architecten

Hergestellt wurden die Sonnenschutzelemente im Fließpressverfahren. Durch Eloxierung entstand eine extrem harte und kratzfeste Oberfläche, die gegen Korrosion, Abrieb und chemische Einflüsse geschützt ist. Die perlgraue Farbigkeit erlaubt dabei eine sanfte Reflexion des Lichts. In Kombination mit einer strengen Rhythmisierung, initiieren die Metallstreifen für das gesamte  erste Obergeschoss eine Art interaktiven Dialog mit der Umgebung, indem sie das ein- und ausfallende Licht beeinflussen und lenken. KAAN Architecten sprechen ob dieser Manipulation gar von einem „geometrisch barocken Spiel mit der Wahrnehmung, jedoch ohne dessen Überschwang an Linien und Kurven“.

Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Kontext Stadtbild
Foto: Sebastian van Damme

Für einkaufshungrige Passanten bieten die Aluminiumschotten einen weiteren überraschenden optischen Effekt. In die Straßenflucht kragend wirkt das Obergeschoss weitgehend geschlossen. Je frontaler man das Gebäude in Augenschein nimmt, umso deutlicher tritt eine Art Show-Box-Effekt ein, der ungehinderten Einblick ins Innere gestattet.

Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Vitrine, Blick von innen nach außen
Foto: Frank Hartwijk
Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten, Interior
Foto: Kaan Architecten
Ladenpavillon Dreamhouse, Kaan Architecten,
Foto: Frank Hartwijk


Architekten:
KAAN Architecten
Projekteam: Luca Baialardo, Timo Cardol, Luuk Dietz, Paolo Faleschini, Kees Kaan, Vincent Panhuysen, Antonia Reif

Fertigstellung:
Mai 2013
Grundfläche: 1.050 m²

Fassade Erdgeschoss (Glas und Aluminium): Reynaers, NL-Helmond
Shopfassade Schaap + Citroen (Glas):
Silatec, D-München
Fassade 1. Obergeschoss (Aluminium): Nedal aluminium, NL-Utrecht

Stichworte:
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