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Sauerbruch Hutton führen durch die Sammlung Brandhorst

Foto: Frank Kaltenbach, München

Am Donnerstag öffnet sich in München ein Vorhang aus 36000 bunten Keramikröhrchen für die Öffentlichkeit. Das Innenleben des Museum Brandhorst wird sehnlich erwartet, denn das Gebäude ist bereits seit Herbst 2008 fertig (Siehe DETAIL 10/2008 S. 1072f). Doch wie sieht es drinnen aus? Die Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton führen Sie durch die wichtigsten Räume.

Detail: Herr Sauerbruch, zunächst einmal Gratulation zum vollendeten Werk. Im Vorfeld wurde das Museum Brandhorst ja vor allem wegen seiner Farbigkeit diskutiert, weshalb ist die Fassade eigentlich so bunt?
»Das Museum ist ein verhältnismäßig großer Baukörper und grenzt an die typisch bunten Blockrandbebauung der Maxvorstadt an. Wir nehmen diese Farbigkeit auf, um das Gebäude mit seiner Umgebung zu verorten.«

Foto: Frank Kaltenbach

Detail: »Wie sind Sie eigentlich auf das Material Keramik für die Fassade gestoßen Frau Hutton?«
»Wir wollten eine Vielschichtigkeit erzeugen und haben zuerst an verschiedene Ebenen aus Glas gedacht. Dann haben wir die Keramik entdeckt. Die Überlagerung mit der dahinterliegenden horizontal gestreiften Blechfassade, ergibt genau die Wirkung, die wir uns vorgestellt hatten. Außerdem hat die Keramik eine schöne Haptik zum Anfassen.«

Foto: Frank Kaltenbach

»Natürlich soll die Farbigkeit auch das Innere, die Kunst nach außen tragen und sichtbar machen. Die Verortung mit dem Kontext findet aber auch über die Verteilung der Baumassen statt. Gegenüber steht das Wohnhaus von Sepp Ruf. es ist von der Straße zurückgesetzt, weil zu seiner Bauzeit noch die Türkenkaserne auf dem Grundstück des heutigen Museum Brandhorst stand, das die Wohnungen verschattet hätte. Dieser Kontext ging nach dem Abriss der Türkenkaserne verloren. Mit unserem Kopfbau, in dem das Foyer liegt nehmen wir die Höhe des Ruf-Gebäudes auf und schaffen so eine Art Torsituation zum Kunstareal.«

Grundrisse und Schnitte der Sammlung Brandhorst im Münchner Kunstareal
Grundrisse und Schnitte von Sauerbruch Hutton

»Auf den Schnitten sieht man wie wir trotz der innerstädtischen Lage auf allen drei Ausstellungsebenen Tageslicht in die Räume bringen. Selbst ins Untergeschoss. Meiner Meinung nach ist die Qualität des Tageslichts durch keine Kunstlichtlösung zu ersetzen, sei sie auch noch so ausgeklügelt. Wir haben also über eine große horizontale Verglasung auf Hofebene Licht in die hohe loftartige Halle im Basement gebracht. Das ist die karierte Fläche auf dem Erdgeschossgrundriss. Im mittleren Geschoss wird das seitliche Oberlicht so getreut, dass der Raum gleichmäßig beleuchtet ist. Im Obergeschoss waren natürlich traditionelle Oberlichter möglich. Aber schauen wir uns doch am besten die Räume an.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Hier sind wir jetzt im Foyer im Kopfbau. Als wichtigstes Material verwenden wir Eiche, das wie eine innere Raumschicht die Regale, Theken und Wandbekleidungen bildet und sich in Form des Holzbodens und der Holztreppe wie ein Leitsystem der Erschließung durch das gesamte Gebäude erstreckt. Links sehen Sie auf der anderen Straßenseite den frisch renovierten Wohnungsbau von Sep Ruf«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Hier sind wir in der großen Treppenhalle von der aus alle geschosse erschlossen sind. Ich schlage vor wir gehen zuerst ins Basement und begehn das Ausstellung dann von unten nach oben. links sehen Sie die große verglasung, die aus der Vertikalen auf Eingangsniveau zum Glasdach der Ausstellung im Unterscheschoss wird. Mit Integrierten Sonnenschutzlamellen können wir hier das Tageslicht von 10 000 Lux bis auf 300 Lux reduzieren.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Hier stehen nun die berühmten Boxen von Damien Hirst. Der Charakter des Raumes soll wie ein Loft sein, indem auch noch größere Werke gezeigt werden könnten.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Links oben die Stahlkonstruktion mit dem Glasdach und Lichttechnik, die dann zur vertikalen Fassade der Treppenhalle wird.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»In den hinteren Bereichen des Basement sind außer Andy Warhol auch Neoninstallationen ausgestellt die kein Tageslicht benötigen.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Durch das Glasdach fällt meist ausreichendes Tageslicht ein das mit den Leuchtstoffröhren ergänzt werden kann.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Im Erdgeschoss sehen wir gleich eine andere Strategie um die Säle natürlich zu belichten.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Bestimmt ist Ihnen aufgefallen, dass wir zwar die Räume klassisch aneinander gereiht haben. Die Eingänge zu den Sälen liegen aber nicht auf einer Achse, sondern sind gegeneinander versetzt. Das macht neugierig auf den nächsten Raum und schafft eine eher flanierende Bewegung.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Hier kommt das Tageslicht durch einen seitlichen Oberlichtstreifen von links, also nur von einer Seite. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass die gegenüberliegenden Wände vollkommen unterschiedlich ausgeleuchtet sind. Deshalb lenken wir das Licht außen vor der Fassade mit Prismen in die Raumtiefe, wo die Decke parabolisch gekrümmt ist um das Licht zu verteilen.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Da wir eine ebene Untersicht wollten ist eine Ebene aus weiße Sofflamellen eingezogen, die das Licht zusätzlich streuen und diesem Geschoß auch architektonisch eine eigene Identität geben.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Nur im letzten Raum dieser Enfilade fehlen die Lamellen, da hier Skulpturen gezeigt werden und die Lichtverteilung auf den Wänden nicht so sensibel ist. Außerdem ist es der einzige Ausstellungsbereich, der durchgesteckt ist, das heißt hier kommt das seitliche Oberlicht von beiden Seiten und schafft eine ausgewogene Ausleuchtung.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Trotzdem sind nicht beide Außenwände gleich behandelt. Zur belebten Türkenstraße blickt ein großes Schaufenster, dessen Sicht- und Blendschutz hochgefahren werden kann.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Der Besucher betrachtet normalerweise die Kunstwerke und nicht die Decke. Beim Blick senkrecht nach oben sieht man ganz deutlich wie das Licht von beiden Seiten zur raummitte gelenkt wird. Die von der Tageslichttechnik abgeleitete Form der Doppelvouten, hat aber durchaus skulpturale Reize.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Nun gehen wir ins Obergeschoss, wo sich der Hauptraum mit dem Lepantozyklus von Cy Twombly befindet. Die Treppengeländer haben wir übrigens bewusst haptisch gestaltet. Gerade in Museen, wo die Besucher nichts berühren dürfen, finden wir die Materialwahl wichtig. Deshalb sind die Handläufe mit Leder bezogen und die Brüstungen aus robuster Eiche, die durch die leichten Schrägen und die Rundungen geradezu einladen um sich anzulehnen oder aufzustützen.«

Foto: Frank Kaltenbach, München
Foto: Frank Kaltenbach, München

»Das ist also der Lepanto Saal. Wir sind etwas ungewöhnlich von der Seite hereingekommen um den räumlichen Kontrast zwischen Enge und Weite noch zu verstärken.«

Foto: frank Kaltenbach, München

»Der Raum wurde speziell für diese Bildserie von Cy Twombly gebaut, die den Verlauf der Schlacht bei Lepanto darstellt. Sie sehen, dass die einzelnen Wandsegmente unterschiedlich breit sind, in Abstimmung auf die Bilder. Die innere Raumschale folgt hier nicht den Fassaden. In den trapezförmigen Rohbau ist eine polygonale innere Schale eingezogen, die wie im Halbkreis alle Bilder auf einmal ähnlich einem Panorama erfassbar macht. Durch das quadratische Fenster hat man wie durch einen Bilderrahmen einen Blick auf die Pinakothek der Moderne.«

Foto: frank Kaltenbach, München

»Das ist der Panoramablick in der Gebäudeachse, den der Besucher beim direkten Betreten von der Treppehalle in den Saal hat.«

Foto: Frank Kaltenbach

»Im Gegensatz zu den Lepanto-Bildern haben wir diese Rosenserie von Cy Twombly zum erstem Mal vor zwei Wochen gesehen. Der Raum ist also nicht auf ein bestimmtes Werk maßgeschneidert, sondern als neutraler Raum konzipiert. Da er die gesamte Breite des Gebäudes einnimmt, muss man ihn im Gegensatz zu den Sälen im Erdgeschoss auf dem Rundgang durchschreiten. Das Tageslicht kommt hier nicht von seitlichen Oberlichtern wie im Erdgeschoss sondern fällt gleichmäßig vertikal ein. Auch hier haben wir dezente kleinmaßstäbliche Ausblicke auf die Stadt integriert, die sich als »Bilderrahmen« in den Duktus der Wandbilder integrieren.«

Foto: Frank Kaltenbach, München

»Hier in der Lounge endet der Rundgang durch das Museum Brandhorst. Der Blick zur Pinakothek der Moderne und zur Alten Pinakothek schafft aber nicht nur städtebauliche Bezüge, sondern auch inhaltliche. Der zweite Bauabschnitt der Pinakothek der Moderne steht dringend an und die Gesamtgestaltung des Kunstareals ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.«

Detail: »Vielen Dank für die interessante Führung.«

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