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Schwebende Scheibe: Raketenstation Hombroich

Kreis und gleichseitiges Dreieck bestimmen den skulpturalen Entwurf des 2010 verstorbenen New Yorker Architekten Raimund Abraham. Nach siebenjähriger Bauzeit konnte der dritte Bauabschnitt posthum abgeschlossen werden. Ob in Zukunft, wie ursprünglich geplant, tatsächlich Musiker das Gebäude nutzen werden, ist noch ungewiss.

Architekt: Raimund Abraham, New York/Wien
Standort: Raketenstation Hombroich, Minkel 2, D-41472 Neuss

Raketenstation Hombroich, Ostansicht
Foto: Tomas Riehle/arturimages

Bis zum Jahr 1988 wurden auf dem Gelände der Raketenstation Hombroich Flugkörper für den Ernstfall bereitgehalten. Erst 1990 wurde der ehemalige NATO-Stützpunkt geschlossen. Der Immobilienmakler und Kunstsammler Karl-Heinrich Müller erwarb das Areal und ergänzte damit sein Projekt „Kunst parallel zur Natur“ um einen dritten Baustein. Zusammen mit dem Museum Insel Hombroich und dem Kirkeby Feld entstand ein Kulturraum, in dem Kunst, Architektur und Landschaft symbiotisch miteinander verbunden sind. Das ehemalige Gelände der Raketenstation wurde dabei zu einer Art Labor der Künste: heute haben sich dort eine Vielzahl von Komponisten, Dichtern und Wissenschaftler angesidelt um zu arbeiten und interdisziplinär zu experimentieren.

Lageplan Kulturraum Hombroich
Lageplan Kulturraum Hombroich
Lageplan Raketenstation Hombroich
Lageplan Raketenstation Hombroich

Bereits 1996 wurde Raimund Abrahams „Haus für Musiker“ als Entwurf auf der sechsten Architektur-Biennale in Venedig einem breiteren Publikum vorgestellt. Erst im Dezember 2013 konnte die Gebäudehülle jedoch geschlossen werden. Detaillierte Ausführungspläne ermöglichten es, die Ideen des in Österreich geborenen und später in New York arbeitenden Architekten auch nach seinem plötzlichen Tod im Jahr 2010 zu realisieren.

Das festungsartig wirkende Bauwerk aus hellem Sichtbeton wird geprägt von einer kreisförmigen, schrägen Betonscheibe mit einem Durchmesser von 33 Metern. Trotz ihrer massiven Erscheinung und eines stolzen Gewichts von 1 500 Tonnen scheint sie über der Gesamtanlage zu schweben. In einem Winkel von 15° neigt sie sich über die in Form eines gleichseitigen Dreiecks angeordneten Verbindungsgänge, an deren spitzwinkligen Enden sich zylindrische Treppentürme befinden. Die Figur des Dreiecks zeichnet sich nahezu deckungsgleich als Aussparung mit Seitenlängen von jeweils 17 Metern in der Betonscheibe ab. Die nach Osten zeigende Spitze ist exakt auf den Turm ausgerichtet, der als NATO-Relikt noch heute auf dem Gelände der Raketenstation steht. Hier öffnet sich das Gebäude dem Betrachter über Treppen und einen Durchgang zum Innenhof.

Raketenstation Hombroich, Blick auf den alten NATO-Turm
Die nach Osten ausgerichtete Spitze zeigt exakt in Richtung des alten NATO-Turms. Foto: Tomas Riehle/arturimages

Vier zweigeschossige Übungsräume, ein Studioraum im Untergeschoss, ein großer Gemeinschaftsbereich, vier Wohneinheiten und ein Bibliotheksraum fügen sich unter dem Betondach in ein kreisförmiges Ordnungssystem. Aufgrund raumakustischer Belange sind Decken, Wände und Böden nicht parallel angeordnet. Eine 5 x 5 Meter große unterirdisch gelegene Arena bietet Platz für eine begrenzte Anzahl von Zuschauern. Licht erhält dieser Raum ausschließlich über ein exakt in der Mitte des dreieckigen Innenhofs platziertes kreisförmig verglastes Oberlicht. Wie von Raimund Abraham vorgesehen, erhielten Teile des Betonbaus Fassaden und Fenster aus Lärchenholz.

Raketenstation Hombroich, Lärchenholzfassade
Teile des Betonbaus sind mit Lärchenholz bekleidet. Foto: Tomas Riehle/arturimages
Raketenstation Hombroich, Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Erdgeschoss, Grafik: Raimund Abraham
Raketenstation Hombroich, Schnitt
Schnitt, Grafik: Raimund Abraham
Raketenstation Hombroich, Blick in den Innenhof
Blick in den Innenhof, Foto: Tomas Riehle/arturimages

Die Anordnung der Räumlichkeiten ermöglicht vielfältige Nutzungskonzepte. Ein Wettbewerb der Ideen wird darüber entscheiden wie die finale Nutzung des Gebäudes aussieht.

Raketenstation Hombroich, tragende Stütze
Foto: Tomas Riehle/arturimages

Bauherr: Stiftung Insel Hombroich

Architekt: Raimund Abraham, New York/Wien

Statik: Horst Kappauf, Monheim am Rhein
Betontechnologie: Ingo Lothmann/Heidelberg Cement
Beton: Heidelberger Rohbau Rheinland
Schalungstechnik: Deutsche Doka, Maisach

Fertigstellung: Dezember 2013

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