You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Foto: Kurt Hörbst

Traditionsbewusste Modernität: Hotel Schani Wien

Zeit und Raum genießen, sich ungezwungen austauschen bei einem heißen Getränk: Die Kaffeehauskultur ist eine Geschichte mit langer Tradition und fest verankerter Bestandteil im Wiener Alltag. Fußläufig gerade einmal fünf Minuten vom Bahnhof entfernt liegt das Hotel Schani Wien. Mit lässig vorgetragener Nonchalance werden hier lokale Eigenarten in eine charmant ausgestattete Hotel-Landschaft übersetzt. Für die Umsetzung suchte man die Zusammenarbeit mit den Architekten und Designern von archisphere, die neben langjähriger Expertise im Bereich Hotelarchitektur eine Designhaltung mitbringen, »die sich aus der Identität des Ortes und der lokalen Gesellschaft ableitet«. Maßgefertigte Möbel und die ungewöhnliche Verwendung ortstypischer baulicher Elemente stehen für ihren Ansatz, Hotels »ohne Schablone« zu entwerfen.

So erhält die Bassena, ein Wasserbrunnen, eine objektartige Rückwand aus poliertem Messing; das als Raumteiler konzipierte Greißlerregal wird als blickdurchlässiger Tante-Emma-Setzkasten inszeniert. Den Charme der noch häufig im Wiener Altbau anzutreffenden Aufputzwasserleitung übersetzen archisphere in ein durchlaufendes Motiv für die Lobby: Standardrohre aus dem Baumarkt verwandeln sie in gelb lackierte Hängeregale, Tischgestelle für das Frühstücksbuffet oder in einen konstruktiven Unterbau für eine gemütliche Sitznische mit Kaffeehaustisch am Fenster. Matt glänzende Oberflächen aus Messing finden sich auch an der zentral positionierten Bar – die zudem als Rezeption fungiert – und an einer Wand aus mobilen Trennelementen. Außerhalb der Essenszeiten ­verhüllt sie das rückwärtige Buffetregal und bildet einen eleganten Hintergrund für unterschiedliche Veranstaltungen, bevor sie am nächsten Morgen komplett im Nebenraum verschwindet.

Wie an dieser Stelle vorhandene Möglichkeiten ausgelotet werden, steht für die gelungene räumliche Organisation der Lobby als Erlebnisraum insgesamt. Beispielhaft dafür ist auch der zwanglos integrierte, nicht nur Hotelgästen vorbehaltene Coworking-Bereich, der als zweite Ebene in den Raum gestellt ist. Über den Frühstückstischen thronend, spiegelt er die Gewohnheiten des digital vernetzten Büronomaden, der bereits beim Frühstück an die Arbeit denkt.

Weitsichtigkeit demonstriert auch die Kooperation mit dem Projekt FutureHotel des Fraunhofer-Instituts IAO. Sie mündet in ein virtuelles Reservierungssystem, mit dem sich Gäste bereits vorab das gewünschte Hotelzimmer sichern und bei Ankunft – ohne Zwischenstopp an der Rezeption – per Smartphone-App öffnen können. In einigen der 135 Zimmer, darunter zehn Maisonettes, werden außerdem neuartige Produktlösungen wie gesteuerte Lichteffekte oder ressourcenschonende Messtechnik eingesetzt und erprobt.

Peter Popp

Kurze Werbepause

weitere Informationen:

Mitarbeiter: Gabriel Kacerovsky, Andreas Schicht, Ivona Dumitrescu
Projektsteuerung: VT Plan, Wien
Gebäudetechnik: ZTRB DI Reinhold Bacher; Emmerich Csernohorsky GmbH, Wien
Generalunternehmer: HABAU Hoch- und Tiefbaugesellschaft m.b.H., Wien

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
INSIDE I1/2016
Inside 1/2016

inside 1/2016

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.