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Patrick Schweitzer & Associés Architectes, Architekturfakultät, Kigali, Ruanda

Wasser, Feuer, Erde, Luft: 
Architekturfakultät in Kigali

Noch steckt die Architektenausbildung vielerorts in Afrika in den Kinderschuhen. Das einstige Bürgerkriegsland Ruanda, das aufgrund seiner Wirtschaftskraft und seiner Binnenlage mittlerweile gelegentlich als die »Schweiz Afrikas« bezeichnet wird, hat jetzt immerhin wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen. 20 Jahre nach seiner Gründung enthält das College of Science and Technology der University of Rwanda eine neue Architekturfakultät. 2012 hatten sich Patrick Schweitzer & Associés aus Straßburg in einem internationalen Wettbewerb durchgesetzt, Ende 2017 wurde der Gebäudekomplex auf einer Anhöhe im Westen der Landeshauptstadt Kigali fertiggestellt.

Statt eines kompakten Baublocks konzipierten die Architekten einen nur zweigeschossigen, fast dorfähnlich kleinteiligen Komplex entlang einer zentralen Erschließungsachse. Büros, Werkstätten, Computer- und Seminarräume sowie ein großer Hörsaal liegen im Erdgeschoss; die Arbeitsräume der Studenten sowie ein größerer Saal für Entwurfsbesprechungen in den Obergeschossen unter 13 markanten Pyramidendächern. Insgesamt sollen in dem 5600 Quadratmeter großen Neubau 600 Studenten Platz finden.

Bei ihrer Materialwahl ließen sich die Architekten von den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft aus der antiken griechischen Philosophie inspirieren. Nach außen verschließt sich der Fakultätskomplex mit hohen, mit Lavasteinen verkleideten Betonmauern, die für das Element Erde stehen. Zur zentralen Erschließungsachse öffnet er sich, soweit das örtliche Klima dies zulässt. Öffnungen in den Fassaden und hoch oben in den Betondächern unterstützen die Luftzirkulation, sodass die Neubauten ganz ohne Heizung und Klimatisierung auskommen. Das Element Feuer symbolisiert der leuchtendrot gestrichene Verputz auf den Dächern und den gedämmten Betonfassaden. Für Wasser schließlich stehen die Pflanzbeete im Freibereich. Das Regenwasser von den Dächern läuft nicht einfach in die Kanalisation, sondern wird in Zisternen gespeichert.

Im Obergeschoss verbinden zahlreiche Fußgängerbrücken die Baukörper miteinander. Auf einen Aufzug verzichteten die Architekten aus Kosten- und Wartungsgründen. Stattdessen mäandriert eine lange Rampe durch den Saal für die Entwurfsbesprechungen und ermöglicht einen barrierefreien Zugang ins Obergeschoss.

In den abwechslungsreich gestalteten Freibereichen sollen Bänke und Sitzstufen die Kommunikation der Studenten untereinander fördern. Teilweise wurden sie aus Stampflehm gefertigt. Auch sonst bemühten sich die Architekten, wo immer möglich traditionelle Handwerksmethoden und lokale Arbeitskraft in das Projekt einfließen zu lassen. Während der Bauphase wurden eigens eine Zimmermanns- und eine Schlosserwerkstatt auf dem Grundstück eingerichtet. Die Wände und Decken der Häuser wurden auf traditionelle Weise aus Ortbeton hergestellt und anschließend teilweise mit Lavasteinen im Mörtelbett verkleidet. Insgesamt waren auf der Baustelle bis zu 400 Menschen gleichzeitig beschäftigt.

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Weitere Informationen:

Ingenieure: Egis, Saint-Quentin-en-Yvelines
Landschaftsarchitekten: Acte 2 Paysage, Obernai
Bauunternehmen: CATIC

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