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Wellenförmiges Segel: Überdachung des Cour Visconti im Louvre Paris

23 Jahre nach der Eröffnung der damals ­revolutionären Glaspyramide des Louvre ­erhält das Museum in einem Innenhof des Süd­flügels nun einen weiteren spektakulären zeitgenössischen Einbau, der die neu geschaffene Abteilung für islamische Kunst aufnimmt. Einem Segel ähnlich, scheint das wellenförmige transluzente Dach über dem Cour Visconti zu schweben und stellenweise fast den Boden zu berühren.

Architekten: Mario Bellini, Mailand / Rudy Ricciotti, Bandol
Standort: Musée du Louvre, F-75001 Paris

Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
© 2012 Musée du Louvre / Philippe Ruault

Den Wettbewerb gewannen die Architekten mit der Idee, den Hof nicht komplett zu überdachen, sondern ihn lediglich mit einer luftigen, von seinen Rändern leicht abgerückten Konstruktion zu bespielen. Diese Geste, die die historischen Hoffassaden des 18. Jahrhunderts weiterhin offen und sichtbar lässt, beweist zum einen den rücksichtsvollen Umgang mit dem Bestand, zum anderen gewährleistet das leichte Flächentragwerk aus Stahl und Glas helle tageslichtdurchflutete Ausstellungsräume. Den nötigen Filtereffekt schafft ein Metallgewebe, das die ondulierende Oberfläche des Dachs sowohl außen als auch innen komplett verkleidet.

Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
Lageplan © M. Bellini – R. Ricciotti / Musée du Louvre
Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
Schnitt © M. Bellini – R. Ricciotti / Musée du Louvre
Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
© 2012 Musée du Louvre / Antoine Mongodin
Detail: Metallgewebe im Außenraum <br>© 2011 Musée du Louvre / Olivier Ouadah
Detai: Metallgewebe im Innenraum <br>© 2012 Musée du Louvre / Antoine Mongodin

Die auf den ersten Blick simple Geste der textil anmutenden Welle erfordert ein hochkomplexes technisches System. Der Geometrie des Entwurfs liegt daher ein computergesteuerter Rechenprozess zugrunde, der die 1700 m² messende Gesamtfläche in viele kleine Rauten- und Dreiecksformen aufteilt. Dies erlaubt es, die insgesamt 1800 Gläser und 2350 Metallgitterpaneele an die freie Form anzupassen. 

Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
Foto: Antoine Mongodin
Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
doppelschichtiges Tragwerk aus Stahlrohen mit dreieckigen Gläsern © 2011 Musée du Louvre / Antoine Mongodin
Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
Montage der oberen Streckmetallelemente auf dem Dach © 2011 Musée du Louvre / Antoine Mongodin

Das mit 135 t relativ leichte doppelschichtige Tragwerk besteht aus miteinander verschweißten Stahlrohen und ruht auf Stahlstützen, die unterschiedlich geneigt sind, was eine erhöhte Lateralstabilität zur Folge hat. Eine Herausforderung stellten die beengten Arbeitsräume und Anlieferbedingungen dar. Da über den Bestandsbau  nichts in den Hof mittels Kran eingehoben werden durfte, musste der komplette Materialtransport über eine nur 2,70 m breite Einfahrt abgewickelt werden.


Der Baufortschritt zwischen September 2008 und November 2011:

Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
2010 © Musée du Louvre / Spacem
Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
April 2011 © Musée du Louvre / Spacem
Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
August 2011 © Musée du Louvre / Spacem
Nov 2011 © Musée du Louvre / Antoine Mongodin

Von den angrenzenden Sammlungen des Louvre betreten Besucher den Hof durch geschlossene Verbindungsgänge, die anstelle der ehemaligen Ausgänge direkt in den neuen Pavillon führen. Dessen Ornamentik lässt ihn zur adäquaten Hülle für die orientalisch-islamische Ausstellung werden. Die insgesamt 2800 m² große Fläche erstreckt sich über zwei Ebenen und zeigt mit mehr als 3000 Exponaten viele der bedeutendsten Werke der islamischen Kunst zwischen dem 7. und 19. Jahrhundert von Andalusien bis Indien. 

Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
Foto: Raffaele Cipolletta / Mario Bellini Architects
Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
© 2012 Musée du Louvre / Antoine Mongodin

Das durch Leichtigkeit und Transparenz charakterisierte Erdgeschoss präsentiert kleinteilige Kunstobjekte in Glasvitrinen. Es wird über Treppen und Lufträume mit dem Untergeschoss verbunden, das von Dämmerlicht und schwarz eingefärbten Betonwänden bestimmt und daher lichtempfindlichen Objekten wie z.B. Teppichen vorbehalten ist. Neben Architekturexponaten wie Holzportalen und mosaikverzierten Wandverkleidungen prägt hier die Stimme eines Erzählers den Raum, der türkische, persische und arabische Lyrik rezitiert.

Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
© 2012 Musée du Louvre / Antoine Mongodin
Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
© 2012 Musée du Louvre / Philippe Ruault


Eine ausführliche Print-Dokumentation zum Projekt lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe DETAIL 2013/4 zum Thema »Sanierung«.

Cour Visconti im Louvre Paris, Mario Bellini / Rudy Ricciotti
© 2012 Musée du Louvre / Antoine Mongodin
Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2013

Sanierung, Umnutzung, Ergänzung

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