30.06.2010

Das Design Ethos von Dieter Rams

Noch bis zum 5. September 2010 wird im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst die Ausstellung LESS AND MORE. DAS DESIGN ETHOS VON DIETER RAMS gezeigt. Über 500 Exponate, die einen Querschnitt durch klar gestaltetes deutsches Alltagsdesign zeigen - und bei der man sich häufig denkt "Hätte man das Teil doch besser aufgehoben seinerzeit..."

Denn trotz aller Umsicht sind doch viele der Gegenstände, die bis heute in ihrer Art der Gestaltung, ihrer klaren Schlichtheit kaum übertroffen sind, dem einen oder anderen Umzug bzw. Entrümpelungsaktionen zum Opfer gefallen. In der Ausstellung werden die entsprechenden Erinnerungen sicherlich bei jedem Besucher geweckt - nicht zuletzt auch der iPhone-Generation - das Design des Rechners auf der ersten iPhone-Version war eindeutig der von Dieter Rams nachempfunden.
Dieter Rams war vier Jahrzehnte lang, von 1955 bis 1995, für das 1921 in Frankfurt gegründete Unternehmen Braun als Gestalter tätig, seit 1961 war er dort Chefdesigner und Leiter eines großen Gestaltungsteams, das neue Maßstäbe zur Produktgestaltung setzte und weltweit größte Anerkennung fand. „Braun Design“ wurde zu einer Gestaltungshaltung, die das „Projekt Moderne“ weiterentwickelte und bis heute junge Gestalter inspiriert und motiviert.

Neben seiner Tätigkeit für Braun war Dieter Rams seit 1957 auch als Möbelgestalter tätig. 1959 gründete sich das Unternehmen „Vitsoe“, das bis heute ausschließlich Entwürfe von Dieter Rams produziert. Sein vielfach ausgezeichnetes Regalssystem „606“ wird seit 50 Jahren hergestellt und bis heute weltweit höchst erfolgreich verkauft. Sein Sessel „620“ steht nicht nur im Berliner Bundeskanzleramt, sondern auch in vielen Wohnzimmern und Büros auf der ganzen Welt.

Braun Taschenrechner „ET 66 control“ von 1987, Detail, Design: Dieter Rams und Dietrich Lubs - ein kurzes Revival erlebte das Design virtuell auf dem iPhone. Foto: Koichi Okuwaki

Einen wichtigen Schwerpunkt dieser Ausstellung bildet sowohl der historische als auch der gestalterische Kontext zu Dieter Rams und zeigt kursorisch die wesentlichen Positionen einer sowohl ästhetischen wie gleichzeitig funktionalen Gestaltung des 20. Jahrhunderts auf: von Peter Behrens über den Russischen Konstruktivismus und De Stijl, den Werkbund, die Stahlrohrmöbel und die großen Ausstellungen der Zwanziger Jahre bis hin zu Positionen der Nachkriegszeit. So werden auch Arbeiten der HfG Ulm, von Hans Gugelot und Peter Raacke oder von Richard Sapper gezeigt. Schließlich versucht die Ausstellung aber auch einen Ausblick auf die Gegenwart und die mögliche Zukunft der Produktgestaltung zu geben. Das Ausstellungsprojekt beleuchtet daher nicht nur umfangreich die Welt von Dieter Rams, sondern widmet sich intentional auch der Zukunft unserer Produktwelten.

Dabei werden bisher noch nicht gezeigte Modelle und Entwürfe von Dieter Rams und seinem Team vorgestellt werden, um den Entwurfsprozess und die spezifische Designmethodologie zu rekonstruieren. Und auch das Corporate Design, die Werbeund Printmedien von Braun und Vitsoe werden ausführlich Raum finden. Hier wird man auch den konkreten Künstler und Werbegrafiker Wolfgang Schmidt wieder entdecken können, der ein poetisches und gleichzeitig sachlich-funktionales Erscheinungsbild und Kommunikationsmodell für Vitsoe entwickelte.

Dieter Rams bei der Eröffnung der Ausstellung. Foto: Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt

Einen wichtigen Schwerpunkt dieser Ausstellung bildet sowohl der historische als auch der gestalterische Kontext zu Dieter Rams und zeigt kursorisch die wesentlichen Positionen einer sowohl ästhetischen wie gleichzeitig funktionalen Gestaltung des 20. Jahrhunderts auf: von Peter Behrens über den Russischen Konstruktivismus und De Stijl, den Werkbund, die Stahlrohrmöbel und die großen Ausstellungen der Zwanziger Jahre bis hin zu Positionen der Nachkriegszeit. So werden auch Arbeiten der HfG Ulm, von Hans Gugelot und Peter Raacke oder von Richard Sapper gezeigt. Schließlich versucht die Ausstellung aber auch einen Ausblick auf die Gegenwart und die mögliche Zukunft der Produktgestaltung zu geben. Das Ausstellungsprojekt beleuchtet daher nicht nur umfangreich die Welt von Dieter Rams, sondern widmet sich intentional auch der Zukunft unserer Produktwelten.

Dabei werden bisher noch nicht gezeigte Modelle und Entwürfe von Dieter Rams und seinem Team vorgestellt werden, um den Entwurfsprozess und die spezifische Designmethodologie zu rekonstruieren. Und auch das Corporate Design, die Werbeund Printmedien von Braun und Vitsoe werden ausführlich Raum finden. Hier wird man auch den konkreten Künstler und Werbegrafiker Wolfgang Schmidt wieder entdecken können, der ein poetisches und gleichzeitig sachlich-funktionales Erscheinungsbild und Kommunikationsmodell für Vitsoe entwickelte.
Im Zusammenhang mit dem Thema Design stellt sich immer wieder die Frage nach dem „Weniger und Mehr“ bei der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen. Dabei geht es um mehr als um Minimalismus, Ästhetisierung oder eindimensionale Funktionalität. Dieter Rams hat Gestaltung immer umfassend gedacht und praktiziert. Seine 10 Thesen zu einem guten Design aus dem Jahr 1985 fordern sowohl Nützlichkeit, Verständlichkeit, Ehrlichkeit und Unaufdringlichkeit als auch eine hohe innovative und ästhetische Qualität, eine konsequente Detailgestaltung und nicht zuletzt Langlebigkeit und Umweltverträglichkeit. Und schließlich soll gutes Design so wenig Design wie möglich sein.

Das Design bestimmt das Bewusstsein und das Bewusstsein bestimmt das Design. Design ist auf jeden Fall mehr als nur Dekoration des Lebens und es ist auch nicht zuvorderst ein Instrument des Marketings, sondern es behandelt ganz grundsätzlich die Frage, wie wir leben können und wie wir es wollen.

In einem schier unübersehbaren Überfluss an Produkten in den reichen Ländern dieser Welt stellt sich dabei auch die Frage neu und durchaus grundsätzlich, welche Produkte wir zukünftig benötigen und wie sie dabei beschaffen sein sollten. Neben einem quantitativen Konsum könnte in der Zukunft zunehmend ein qualitativer Konsum mit Produkten eine Rolle spielen, die länger halten und einen intensiveren Zugang, letztlich auch mehr Vergnügen ermöglichen. Die amerikanische Firma Apple oder die japanische Kaufhauskette Muji scheinen das gerade vorzumachen.

Braun Phonosuper „SK 4“ von 1956 - besser bekannt als "Schneewittchensarg". Design:Hans Gugelot und Dieter Rams. Foto: Koichi Okuwaki

Worauf sich dabei der Chefdesigner von Apple, Jonathan Ive, der britische Gestalter Jasper Morrison oder Naoto Fukasawa in Japan in fast jedem Interview immer wieder beziehen, sind das deutsche Unternehmen Braun und der Gestalter Dieter Rams, die seit Mitte der 50er Jahre eben jene zivile Haltung zu den Alltagsgegenständen entwickelt haben, die sowohl eine kalte Industrieästhetik als auch jede Form von Dekoration überwunden hatte. Die Produkte sollten ebenso gebrauchbar wie auch ästhetisch anspruchsvoll und möglichst einfach in der Handhabung sein. Gibt es also ein „gutes Design“, das nicht dogmatisch oder schematisch ist? Die Ausstellung „Less and More. Das Design Ethos von Dieter Rams“ geht dieser Fragestellung nach.

Braun Haartrockner „HLD 4“ von 1970,

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