19.09.2010

Die Metropole ergrünt

Das Bürogebäude „Harmonia 57“ in São Paulo ist ein Hybrid aus Gebäude, Skulptur und Maschine, der mit seinem informell anmutenden Äußeren perfekt in das urbane Chaos der 11-Millionen-Einwohner-Stadt passt. Für das innovative Gebäudekonzept erhielt das französisch-brasilianische Architekturbüro Triptyque den Hauptpreis im diesjährigen Zumtobel Group Award.
„Bei traditionellen Gebäuden beginnen mit dem Zeitpunkt der Baufertigstellung unweigerlich die Abnutzungserscheinungen. Sie erreichen nie wieder ihren perfekten Urzustand. Wir wollten bei Harmonia 57 dagegen ein Gebäude schaffen, das auch nach seiner Fertigstellung weiter wächst und an Qualität gewinnt“, beschreiben die vier Partner des Architekturbüros Triptyque ihren Entwurf für das Bürogebäude HARMONIA 57 im Westen von São Paulo.

Foto: Triptyque

Das zentrale Gestaltungsmerkmal des Neubaus ist seine begrünte Betonfassade, die durch ein an der Außenseite des Gebäudes installiertes Sprinklersystem bewässert wird. Der Auftrag an die Architekten hatte gelautet, ein hoch flexibles Ateliergebäude für Künstler zu entwickeln. Verlangt war ein Bauwerk, das spontan veränderbare Raumkonfigurationen und Nutzungsmöglichkeiten bereitstellen sollte. Ein entscheidender Einflussfaktor auf den Entwurf war auch das lokale Tropenklima mit hohen Temperaturen, aber auch mit extremen Niederschlagsmengen vor allem im Winterhalbjahr.

Foto: Triptyque

Der Baukörper von Harmonia 57 besteht aus zwei getrennten, aber durch metallene Fußgängerbrücken miteinander verbundenen Gebäudeblöcken, zwischen denen ein kleiner offener Platz angelegt ist. Der vordere Gebäudeteil steht auf Pilotis, der hintere ist ebenerdig angelegt und auf den Dach mit einem vogelhausartigen Penthouse bestückt. Große Fenster, Blenden und Terrassen vermitteln einen Eindruck von Leichtigkeit.

Foto: Triptyque

Sämtliche Gebäudefassaden sind begrünt und werden durch Sprinkler mit Wasser versorgt. Die Pflanzen wurzeln in porenartigen Vertiefungen in der Betonfassade, deren Betonmischung so konzipiert wurde, dass sie wie ein Schwamm Wasser absorbiert und allmählich wieder an die Pflanzen abgibt. Für die Innenräume erfüllt die vegetabile Außenverkleidung die Funktion einer zusätzlichen Dämmschicht gegen die Hitze und von außen eindringende Geräusche.

Foto: Triptyque

Harmonia 57 verfügt über ein technisch einfaches, aber voll integriertes System zur Regenwassernutzung, das aus Röhren, Kollektoren und Tanks besteht und – etwa in Form von Handläufen – fest in die Architektur einbezogen ist. Ein begrüntes Dach trägt ebenfalls zur Luftreinigung und zu einem angenehmen Raumklima bei und reduziert so den Energieverbrauch der Klimaanlage.

Grafik: Triptyque

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