06.08.2012 Peter Popp

London 2012 - Aquatics Centre

Welle im Olympia-Modus: Die Wettkämpfe im Wasserspringen sind noch in vollem Gange. Nur wer ein Ticket hat, kommt in den Genuss das über dem Becken „schwebende“ wellenförmige Stahldach des Aquatics Centre als plastisch eigenständige Form wahrzunehmen. Von außen versperren leider zwei temporäre, steil aufragende Zuschaueranbauten die freie Sicht. Erst nach den Spielen wird Zaha Hadids Beitrag zu Olympia 2012 aus dieser baulich unglücklichen Umklammerung entlassen. Architekten: Zaha Hadid Architects, London
Standort: Olympic Park, Stratford, GB–E15 2HJ London

Foto: Hufton + Crow, London

Im Aquatics Centre fallen die olympischen Entscheidungen im Schwimmen, Synchronschwimmen und Wasserspringen. Die Halle, senkrecht zur Fußgängerbrücke nach Stratford platziert, liegt am nordöstlichen Haupteingang des Olympiaparks und wird demzufolge von vielen Besuchern frequentiert.

Olympischer Kompromiss: Zwei temporäre Zuschauertribünen nehmen das Aquatics Centre beidseitig in die Zange. Foto: ODA / Anthony Charlton

Die fließende, geschwungene Form des Dachs wird erst nach den Olympischen Spielen voll zur Geltung kommen, wenn die beiden steil aufragenden Zuschaueranbauten entfernt werden. Um das 160 Meter lange und 80 Meter breite Dach leicht und schwebend wirken zu lassen wurde Stahl in einer immensen Menge von 2800 Tonnen verbaut.

Die Stahl-Fachwerkträger des Dachs sind zum Teil 40 Meter lang und 70 Tonnen schwer. Sie spannen von Nord nach Süd und bedecken den großzügigen, stützenfreien Hauptraum. Grafik: Ove Arup & Partners, London

Grafik: Ove Arup & Partners, London

Lediglich über zwei schlanke Betonkerne und eine gegegenüber liegende Betonwand am südlichen Ende werden die Kräfte der versteckten Stahl-Raumfachwerk-Konstruktion punktuell in den Boden eingeleitet.

Foto: Hélène Binet, London

Aktuell befindet sich das Aquatics Centre noch im sogenannten "Olympic Mode". Im postolympischen "Legacy Mode" werden die provisorischen Zuschauertribünen mit ihren zusätzlichen 15.000 Sitzplätzen demontiert, die bogenartigen Öffnungen an den beiden Längsseiten werden mit Glasfassaden geschlossen. Mit einer verbleibenden Zuschauerkapazität von 2.500 Plätzen dient die Schwimmhalle dann Vereinen und Schulen als Trainingszentrum und den Einwohnern von Stratford als „vielleicht schönstes städtisches Schwimmbad der Welt“.

Das Aquatics Centre im »Olympic Mode«........., Rendering: Zaha Hadid Architects, London

........und im »Legacy Mode«. Rendering: Zaha Hadid Architects, London

Auf den Innenraum hat die Kompromisslösung des „Olympic Mode“ zum Glück fast keinen Einfluss. Hier können die Formen ungehindert fließen und mit den handwerklich perfekt ausgeführten Oberflächen eine eindrucksvolle Fusion eingehen. 35.000 exakt beschnittene Holzlamellen bilden die spektakuläre Untersicht des organisch geformten Dachs.

Ungebremste Dynamik im Innenraum, Foto: Hufton + Crow, London

Blick vom Sprungturm in die Halle, Foto: Hufton + Crow, London

Skulptural geformte Sprungbretter aus Sichtbeton biegen sich elegant über das Becken für die Turmspringer. Edler Sichtbeton bestimmt die Zugangswege und Verkehrszonen des Innenraums, kontrastiert durch weiße, schlichte Fliesen.

Foto: Hufton + Crow, London

Skulpturale geformte Sprungbretter als Blickfang, Foto: Hufton + Crow, London

Handwerklich perfekt ausgeführte Oberflächen umfließen die Sprungtürme. Foto: Hufton + Crow, London

Angenehm und für Hadid’sche Verhältnisse überraschend nüchtern wirkt ein weiterer Übungsraum mit Schwimmbecken. Lediglich ein Raster aus blattförmigen Oberlichtern durchbricht die Sichtbetondecke. Da der Raum eine deutlich geringere Höhe benötigt, kann er sich unter die eingangs erwähnte Fußgängerbrücke schieben.

Konzentrierte Atmosphäre: Im Übungsbecken unter der Fußgängerbrücke können die Schwimmer sich auf den Wettkampf vorbereiten. Foto: Hufton + Crow, London

Der Blick vom Übungsraum in den Wettkampfbereich. Foto: Hufton + Crow, London

Längsschnitt durch das Aquatics Centre: Unter der Fußgängerbrücke (im Bild links) befindet sich der Übungsraum.

Bauherr: ODA, Olympic Delivery Authority, London
Architekten: Zaha Hadid Architects, London
Tragwerksplanung: Ove Arup & Partners
Generalunternehmen: Balfour Beatty Group Ltd
Bauzeit: Juli 2008 - Juni 2011
Eröffnung: Juli 2011
Baukosten: ca. 300 Mio Euro
Sitzplätze (Legacy Mode): 2.500
Sitzplätze (Olympic Mode): 17.500
Bebaute Fläche (Legacy Mode): ca. 29.000 m²
Bebaute Fläche (Olympic Mode): ca. 43.000 m²
Gewicht Stahlkonstruktion: 2.800 t
Dimensionen: 160 x 80 m; Höhe 100 m

Foto: Hufton + Crow, London


»Wettkampf – Architektur« – die Serie im Überblick: London 2012 – Infrastrukturgebäude
London 2012 – Aquatics Centre
London 2012 – Olympiastadion
London 2012 – Velodrom
London 2012 – Basketball Arena
London 2012 – Olympische Schießsportstätten
Stadia – Sport and Vision in Architecture (Ausstellung)
Olympiastadion in Kiew – im Gespräch mit Volkwin Marg
Effizienz als Leitmotiv – im Gespräch mit Knut Göppert
Neue Stadiondächer aus Membranwerkstoffen
PGE Arena in Danzig
Nationalarena in Bukarest
Nationalstadion in Warschau
Choreographie der Massen (Ausstellung)

Wettkampf – Architektur
London 2012 - Wie nachhaltig wird Olympia? 
London 2012 - Die Ökobilanz der Spiele
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