14.04.2010

Otto Neurath. Gypsy Urbanism

In einer Zeit, in der die Kultur von Massenmedien dominiert wird, enthüllt der Blick auf das Werk des Universalgelehrten Otto Neurath überraschend Zeitgenössisches. Der Wissenschafter, Wohnbauaktivist und Museumsdirektor, der sich stets um eine Weiterentwicklung partizipatorischer Formen der Demokratie bemühte, arbeitete mit führenden Architekten, Designern und Künstlern seiner Zeit – unter ihnen Franz Schuster, Josef Frank, Margarete Schütte-Lihotzky – sowie mit Protagonisten des Wiener Kreises, dem er angehörte, zusammen. Neuraths anhaltender Einfluss auf so unterschiedliche Disziplinen machen ihn zu einer einzigartigen, typisch österreichischen Persönlichkeit, die weltweit gefeiert wird, aber in Österreich im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent ist.

Die Ausstellung konzentriert sich auf vier wesentliche Aspekte der Arbeit Neuraths. Der erste Teil beinhaltet Artefakte und erstmals gezeigte Filmsequenzen der Wiener Siedlerbewegung der 1920er Jahre, jener Zeit, in der Neurath seine Karriere begann und eng mit den Architekten Franz Schuster und Margarete Schütte-Lihotzky zusammenarbeitete. Nach dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wurde das Vorantreiben des Wohnbaus in Wien zur obersten Priorität der österreichischen Sozialdemokratie. Als sich Siedler „nach Zigeunerart“ öffentliche Grundstücke aneigneten und darauf Häuser und Gärten errichteten, erkannte Neurath dies als Chance für eine Wohnbaureform, die auf Basisorganisation und Tauschhandel beruhen sollte.

Angesichts der politischen Veränderungen zur Zeit des Ersten Weltkrieges konstatierte Neurath einen tiefgreifenden Strukturwandel von der Arbeits- zur Wissensgesellschaft. Das von ihm gemeinsam mit dem Grafiker Gerd Arntz entwickelte internationale Bildkommunikationssystem ist als Reaktion auf die neuen Umstände zu verstehen. Mithilfe von Piktogrammen schufen sie die Wiener Methode der Bildstatistik „Isotype“ (International System of Typographic Picture Education), die allgemein verständliche, präzise Darstellungen komplizierter Sachverhalte, z.B. von Daten und Statistiken, ermöglichte.

Ein weiterer Teil der Ausstellung zeigt die Verbreitung von Otto Neuraths Ideen in England, den USA und der damaligen Sowjetunion, auf. 1933 bezeichnete die New York Times seine Pädagogik als „Bild-Esperanto“ und der Verlag Alfred A. Knopf veröffentlichte 1939 seine Publikation Modern Man in the Making. Beispiele aus diesen Werken werden ebenfalls im MAK zu sehen sein.

Als wichtige Dokumente der „global polis“ zeigt das MAK darüber hinaus Pläne des CIAM (Congrès International d´Architecture Moderne) von 1933 in Athen mit dem Titel „Die funktionelle Stadt“. Die universale Bildsprache hatte internationale Breitenwirkung.

Otto Neurath: International Picture Language, Basic English Publishing, London 1936

Ausstellungsort: MAK-Kunstblättersaal MAK, Stubenring 5, 1010 Wien
Ausstellungsdauer: 10. März 2010–5. September 2010
Öffnungszeiten: Di MAK NITE© 10.00–24.00 Uhr, Mi–So 10.00–18.00 Uhr, Mo geschlossen

Ausstellungsansichten Otto Neurath. Gypsy Urbanism MAK-Kunstblättersaal, 2010

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