22.08.2010

Roland-Rainer-Forschungsstipendium 2010

Bis zum 20.September können Bewerbungsunterlagen für das Roland-Rainer-Forschungsstipendium 2010 eingereicht werden. Das Stipendium ist als Anreiz für ArchitektInnen und AbsolventInnen europäischer Architekturschulen gedacht, im Rahmen ihrer Forschungsvorhaben jene Themen fortführend zu bearbeiten, die der österreichische Architekt und Stadtplaner Roland Rainer sein Berufsleben lang beschäftigt haben.

Zurück in die Stadt, vorwärts zur Sonne!
Zukunftsfähiger Wohnungsbau in der „Wiener Block“-Typologie


Arch. Dipl.-Ing. Dr. Roland Rainer (1910 - 2004) war als Architekt und Stadtplaner, als Architekturforscher und Architekturlehrer tätig. Sein Lebenswerk lotete weit über Österreich hinaus die Dimensionen des vom Menschen gebauten Raums aus. Rainer hinterfragte Architektur und Städtebau auf ihre Dienstbarkeit an der Gesellschaft. Mit fortschrittsorientiertem Geist zeichnete er Bautraditionen über Kulturgrenzen hinweg nach, übersetzte seine Stadt und Land, Raum und Mensch tangierenden Theorien von Raumgliederung und Baugestaltung in eine umfassende Planungs-, Publikations- und Lehrpraxis. Ein Tätigkeitsschwerpunkt Rainers war die intensive Auseinandersetzung mit Verdichtungsformen des städtischen Wohnens. Sein vom Stadtbauamt herausgegebenes „Planungskonzept Wien“ von 1962 ist bis heute ein Markstein analytischer Überlegungen zur Wiener Stadtentwicklung und zum Wohnbau. In Würdigung dieser Leistungen und als Ansporn für die kommende Generation von Fachleuten vergeben die Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten und die Stadt Wien zweijährlich das nach Roland Rainer benannte Forschungsstipendium.

Themenanriss
Der soziale Wohnungsbau trägt wesentlich zur baulichen Gestalt Wiens bei. Sein gegenwärtiger Status ist die Folge langfristiger Wechselwirkungen zwischen kommunaler Wohnbaupolitik und privatem Wohnungsmarkt. Das „Rote Wien“ reagierte auf qualitative und quantitative Defizite im gründerzeitlichen Wohnungsbestand mit einem Wohnbauprogramm, das 1919 bis 1934 etwa 65.000 Wohnungen in 380 „Gemeindebauten“ hervorbrachte. Große, den städtebaulichen Maßstab prägende Einheiten wie der Karl-Marx-Hof geben ebenso beredtes Zeugnis dieser Epoche wie zahlreiche, architektonisch akkurat gesetzte Wohnhäuser als Lückenschluss im Blockraster.
Nach 1945 setzte die Stadt Wien ihre Einflussnahme auf die Stadtentwicklung über den kommunalen Wohnungsbau in allen Größenordnungen stadterweiternd, später auch bestandsverdichtend fort. Seit 2004 tritt die Stadt Wien nicht mehr als Bauherrin von Wohnhäusern auf, sondern bewirtschaftet das Wohnbauland und knüpft die Vergabe von Wohnbauliegenschaften und der staatlichen Wohnbauförderung an umfassend ausgelegte Kriterien zu den Oberbegriffen soziale Nachhaltigkeit, Architektur, Ökologie und Ökonomie.
Das Roland-Rainer-Stipendium 2010 thematisiert den „Wiener Block“, dieses in Wien omnipräsente städtebauliche Modell des 19. Jahrhunderts. Die Gründerzeit ist die stürmische Phase der Stadtentwicklung, in der Wien jene Infrastrukturen und Baubestände zuwachsen, die es heute noch zum großen Teil ausmachen. Am Beginn stehen, je nach Definition, die Industrialisierung (ab 1840), die Märzrevolution (1848), die Schleifung der Stadtmauern (ab 1857), der Bau der Ringstraße (ab 1859). Liberalismus facht die Wirtschaft an, privater Wohnbau und Bodenspekulation florieren, rund 30.000 Bauobjekte entstehen. Um 1910, als Ergebnis der Gründerzeit, ist Wien die fünftgrößte Stadt der Welt.

Aufgabenstellung
Zukunftsfähiger Wohnungsbau zum Vorteil dieser bereits hoch verdichteten „Wiener Block“-Typologie kann bedeuten, durch blockweisen Abbruch und Neubau zu einer unstetigeren Dichteverteilung zu kommen: Hohe Verdichtung in neu errichteten Blöcken erlaubt Dichtesenkung in angrenzenden Baublöcken. In Wien eignen sich hunderte Blöcke für eine solche „kompensative Kompletterneuerung“. Der Begriff kompensativ weist auf die ausgleichende Wirkung im Maßstab des Quartiers hin: Mit zwei hochverdichteten neuen Blöcken kann ein benachbarter Block freigespielt werden, der dem ganzen Quartier als Park, als Bildungs- und Sozialeinrichtung etc. zu Gute kommt.

Daher stellt das Roland-Rainer-Stipendium 2010 die Aufgabe, in der „Wiener Block“ Typologie eine neuartige Bebauungsstruktur zu entwickeln.

Teilnahmeberechtigung
Teilnahmeberechtigt sind Personen, die zumindest ein Diplom (Master, Dipl.-Ing.) eines Studiengangs Architektur an einer Universität oder Akademie erworben haben und die auf dem Fachgebiet Architektur planend oder forschend tätig sind. Teams von teilnahmeberechtigten Personen sind zugelassen; Teams müssen einen federführenden Bewerber namhaft machen. Als Nachweis hat jede Teilnehmerin / jeder Teilnehmer ein Diplomzeugnis in Kopie vorzulegen. Wenn der einzureichende Antrag zugleich Forschungsprojekt bei einer anderen Institution ist, muss er noch in der Phase der Konzeption oder der Grundlagenerhebung stehen. Zum Zeitpunkt des Einreichtermins abgeschlossene Forschungen, ob publiziert oder nicht, sind nicht einreichfähig und werden ausgeschieden.

Termine
Die Bewerbungsunterlagen müssen bis spätestens 20.9.2010, 16 Uhr, bei der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, Karlsgasse 9/2, A-1040 Wien einlangen.
Die Sitzung des Preisgerichts wird Ende September 2010 stattfinden.
Die Bearbeitungszeit für das Roland-Rainer-Forschungsstipendium 2010 beträgt 6 Monate (Oktober 2010 bis März 2011).
Das Kolloquium mit dem Preisgericht wird nach Vereinbarung mit dem Stipendiaten im November 2010 in Zusammenhang mit der Bekanntgabe des Ergebnisses stattfinden.
Die Bekanntgabe des Ergebnisses des Stipendienwettbewerbs und die Präsentation des Forschungsansatzes finden im Rahmen der feierlichen Verleihung mehrerer Preise der Stadt Wien im November 2010 statt.

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