Inkrementelle Blechumformung
Ein Friseursalon als Klanglabor
Der Salt Salon ist als akustischer Erfahrungsraum konzipiert. Haarschnitt, Musik und soziale Begegnung greifen dabei nahtlos ineinander. © Henry Woide
Im London denkt das Büro Unknown Works den Friseursalon neu: als akustischen Erfahrungsraum, in dem Haarschnitt, Musik und soziale Begegnung ineinandergreifen. Gemeinsam mit dem Salonbetreiber John Paul Scott entwickelte das Team den Salt Salon nahe dem Borough Market zu einem hybriden Ort zwischen Studio, Club und Treffpunkt. Ausgangspunkt war die enge Verbindung der Architekten zur Musik. Klang ist nicht nur Hintergrund, sondern identitätsstiftend. Diese Haltung prägt das Konzept: Der Salon wird zur Bühne für Veranstaltungen – von Album-Launches über Podcasts bis hin zu Partys. Erst durch diese programmatische Offenheit erhält die Architektur ihre eigentliche Bedeutung.
Video © Henry Woide
Das Projekt erstreckt sich über drei Etagen eines viktorianischen Getreidespeichers. Unten liegt ein Hör- und Veranstaltungsraum mit maßgeschneiderten Lautsprechern, modularen Möbeln und einer mobilen Bar, die zugleich DJ-Pult oder Empfang sein kann. Darüber befindet sich der Haarschneideraum, während die oberste Ebene als bewusst zurückhaltender Bereich für Colorationen dient. Historische Elemente wie Balken und Falltüren bleiben sichtbar und werden durch neue Eingriffe ergänzt, etwa ein transluzentes Glaselement, das die Ebenen visuell verbindet.


Ein großer, mittig platzierter Spiegel zoniert den Colorationsraum. © Henry Woide
Zentral ist die akustische Gestaltung. Akustikpaneele zwischen den Deckenbalken, asymmetrische Geometrien und Möbel aus recyceltem Schaumstoff verbessern den Klang. Auch die Wegeführung spielt eine Rolle: Vom lauten Markt über ein ruhiges Treppenhaus in den Salon entsteht ein akustischer Übergang. Die Musik verändert sich im Tagesverlauf und beeinflusst Atmosphäre und Rhythmus – die Architektur tritt bewusst in den Hintergrund.


Die 3D-gedruckten Hornlautsprecher sind präzise …
© Unknown Works


… auf die kalt umgeformten Metallpaneele der Schrankwand abgestimmt.
© Unknown Works
Besondere Aufmerksamkeit galt den Lautsprechern. Ihre Gehäuse bestehen aus verzinktem Stahl, gewonnen aus recycelten Regalen, die ursprünglich im Victoria and Albert Museum und im Science Museum genutzt wurden. Die Metallfronten wurden in enger Zusammenarbeit mit den Soundspezialisten von Friendly Pressure entwickelt. Dabei entstand ein hybrides System: Die akustische Feinabstimmung erfolgt im Inneren – in Holzgehäusen und 3D-gedruckten Hornstrukturen –, während die Metalloberfläche die markante äußere Hülle bildet. Das Metall wurde mithilfe inkrementeller Blechumformung durch einen CNC-gesteuerten Drückdorn schrittweise in Form gebracht. Das Ergebnis erfüllt hohe Anforderungen an Robustheit und setzt zugleich einen bewussten Kontrast zum historischen Bestand.
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Architektur, Innenarchitektur: Unknown Works
Bauherr: SALT Salon
Standort: Southwark, London (GB)
Projektleitung: Ben Hayes, Theo Games Petrohilos, Kaowen Ho
Mitarbeitende: Ben Hayes, Julia Remington, Aryan Kaul
Bauleitung: S&G Shopfitters
Tragwerksplanung: Something Studio
Akustikplanung: Friendly Pressure
Metallbau: Comet Catering
Inkrementelle Blechumformung: BLOQS
Verglasungen: Roofglaze, Ultra Visiuon Glazing Systems
Mobiliar: Golden Eagle Outdoor Furniture, Takara Belmont, twentytwentyone




































