Gehüllt in Weidenmatten
Wohnhaus Toue Cabanée bei Nantes
Inmitten wilder Natur schmiegt sich das kleine Wohnhaus an eine Felswand. © François Massin Castan
Das kleine Wohnhaus von Atelier du Ralliement thront auf einem Felsplateau über einer Hochwasserwiese in der Flusslandschaft der Loire. Einfache Weidenmatten aus dem Baumarkt verkleiden die Holzkonstruktion. François Massin Castan und Clémence Manson – der Architekt und die Architektin arbeiten beide im Zentrum von Nantes – wollten im Grünen leben, in der Stadt arbeiten und auf ein Auto verzichten. Das Grundstück direkt neben dem Pendler-Parkplatz an der Bahnstrecke in Le Cellier, etwa 20 km nordöstlich von Nantes bot beides: Eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und wilde Natur.


Fundamente und Grundmauern blieben erhalten. Eine Holzkonstruktion erweitert die gemauerte Laube vertikal. © François Massin Castan
Grundmauern weiter nutzen
Auf dem Gelände steht eine eingeschossige, gemauerte Laube. Mit einer Grundfläche von nur 28 m² schlechter Bausubstanz wäre ein Abriss nahegelegen. Um keine neuen Auflagen und baurechtliche Hürden zu bekommen, erhielt das Paar Fundamente und Mauern, dämmte das Erdgeschoss und nutzte die bestehenden Grundwasseranschlüsse weiter.
Mit einer Holzrahmenkonstruktion ergänzen die beiden den Bestand um zwei weitere Ebenen. Ein asymmetrisches Satteldach, das mit nussbraunen Aluminiumschindeln gedeckt ist, bildet den Abschluss.


Einfache Weidenmatten aus dem Baumarkt verkleiden die Fassade. © François Massin Castan


© François Massin Castan
Alle packen mit an
Gemeinsam mit sechs Freunden montierte das Paar die Fassadenverkleidung selbst. Die einfachen Weidenflechtmatten aus dem Baumarkt – oft findet man sie als Sichtschutz an Zäunen – fassen Erdgeschoss und Aufstockung zu einer Einheit zusammen und schützen die Wetterschicht aus schwarzer Folie vor Sonnenlicht. Clémence Manson schätzt, dass die Matten mindestens 10 Jahre halten. „Wenn es nötig wird, tauschen wir sie aus, häckseln sie und verteilen sie als Mulch im Garten“.


Die Treppenstruktur im Zentrum steift das Wohnhaus aus und bietet Stauraum für die Küche. © François Massin Castan
Warm und naturverbunden
Die sichtbare Deckenkonstruktion aus Fichtenholz, mit Seekiefer verkleidete Wände und der Bodenbelag aus Kastanienholz schaffen eine warme, naturverbundene Atmosphäre. Die Treppenstruktur im Zentrum steift das Gebäude aus und entlastet die Giebelseiten, die sich im Wohnraum über die ganze Breite zur mit Farnen und Moosen bewachsenen Felswand hin öffnet.


Einzige Wärmequelle in den oberen Geschossen ist ein Schwedenofen. © François Massin Castan
Toue Cabanée – Plattbodenboot?
Mansons und Massin Castan haben ihrem Haus den Spitznamen Toue Cabanée gegeben. Warum? François Massin Castan erklärt: „Die hölzernen Obergeschosse ruhen – wie die Aufbauten der Hausboote auf der Loire auf dem Schiffsrumpf – auf dem Sockel im Erdgeschoss.“ Clémence Mansons ergänzt: „Und die offenen Giebelseiten zusammen mit den geschlossenen Längsseiten. Auch bei einem Toue Cabanée sind die Seiten eher geschlossen, während Bug und Heck offen bleiben, um den Ausblick in Fahrtrichtung zu ermöglichen.“
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Architektur: Atelier du Ralliement + Clémence Mansons
Bauherr: Privat
Standort: Le Cellier (FR)
Tragwerksplanung: VSB Vivier Structure Bois













