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Foto: Thies Wachter, CH–Zürich

Ambivalente Adaption: Ferienhaus in Lenzerheide

Isoliert betrachtet erinnert das Haus selbst an die Topologie eines Berges: Ein massives sich nach oben hin verjüngendes Steinkonstrukt auf dessen Gipfel eine Holzhütte steht, mit rundum verglaster Aussichtsplattform.
Der Eingang, ein steinerner Tunnel, wirkt wie der Eingang in ein Bergwerk. Am eindrücklichsten vermittelt sich die Analogie zaum Berg wenn man den außenliegenden steinernen Wanderweg emporsteigt. Dieser schlängelt sich, auf der untersten Ebene vor dem Gebäude beginnend, Etage für Etage um den Bau herum. Kurz bevor man die Hütte erreicht, passiert man am äußersten südlichen Ausläufer des Weges einen überdachten steinernen Ausguck mit daran anschließenden Rastbänken für Panoramablicke ins Tal.
Der Haupteingang auf der untersten Etage führt direkt in das Innerste des Gebäudes, einen rautenförmigen Lichtraum. Dieser dient als Treppenhaus und zentraler Erschließungspunkt aller sich kreisförmig darum schließenden Räume. Im Eingangsgeschoss befindet sich eine großzügige Garage mit angrenzender Garderobe, Wasch-, Technik- und Lagerräumen. Im Obergeschoss reihen sich fünf Schlafzimmer aneinander, davon eines mit eigenem Bad und Badewanne. Für die restlichen Zimmer stehen ein separat liegendes Bad und ein WC zur Verfügung. Der angrenzende Wellnessbereich wird von außen erschlossen, eine Glastür führt auf die Terrasse.Hier stehen ein Dampfbad und eine Sauna zur Verfügung, verbunden durch einen zentralen Ruheraum. Die oberste Etage ist ein einziger offener, rundum verglaster Gemeinschaftsraum mit einer umlaufenden Holzbank. Lediglich eine offene Küche mit fünfeckiger Kochinsel und ein von der Decke hängender eiserner Kamin gliedern den Raum. Über der Raummitte öffnet sich das mehrfach gefaltete Dach nach Norden in einer Gaube. Sie liefert zusätzliches Licht für das zentrale Treppenhaus.Vertikal geschalter Weißbeton bestimmt die Oberflächen des mineralischen Sockels, also sämtlicher Außenanlagen und Innenwände des Kellergeschosses. Seine helle Farbe erhält der Beton durch den regionalen weiß eingefärbten Zement sowie durch Titandioxidzuschläge.Auf den Böden im Erdgeschoss sowie den Treppenstufen und den Terrassen wurden lokale gebürstete Natursteine verlegt. In die Kellerdecke eingespannt sitzen vorgefertigte Träger aus Brettschichtholz regionaler Nadelbäume. Sie tragen die Decke des Erdgeschosses und das darüber liegende allumspannende Dach – dieses Konstruktionsprinzip ähnelt jenem lokaler Scheunen. Die Träger gliedern neben den Wänden des Dachgeschosses auch die innenseitig verkleideten und tapezierten Innenwände der Schlafzimmer im ersten Obergeschoss. Böden und Einbauschränke wurden ebenfalls aus regionalen Fichten und Lärchenhölzern gefertigt. Analog zum Wechsel vom steinernen ins hölzerne Geschoss ändert sich auch die Materialität der Treppe: Ein dunkles Geländer aus schwarzem Stahlblech säumt die hellen Stufen aus Lärchenholz.Im offenen lichtdurchfluteten Gemeinschaftsraum reduziert sich das Treppengeländer in seiner Massivität noch einmal: Rund um das Treppenauge spannt sich eine Absturzsicherung aus einem originalen Lawinenschutzgitter aus Edelstahlringen: Das neue Ferienhaus Tgiesa Crapera ist ein detailliert durchdachtes Projekt, dass sich dezidiert mit den örtlichen Begebenheiten und lokalen Technologien auseinandersetzt. Die vielzähligen angewandten Stilmittel lassen großzügig Platz für freie Interpretationen.

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