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Zukunft des Bauens, Frankfurt, Digitales Planen und Bauen

»Digitales Planen und Bauen«, Frankfurt // Rückblende

Parametrische Planung, der Einsatz von Robotern und automatisierte Herstellungsverfahren eröffnen neue Perspektiven und Potenziale für die Baubranche. Eine modellbasierte Planung und durchgängige Prozessketten senken Fehlerquoten, verkürzen die Montagezeiten auf der Baustelle und verbessern die Qualität beim Bauen. Zusätzlich schaffen digitale Planungs- und Realisierungsmethoden den optimierten Einsatz neuer und bislang für die Baubranche unbekannter Materialien sowie eine eigenständige Architektursprache. Soweit die Theorie. Mit der für 2018 letzten Veranstaltung aus der Reihe »Die Zukunft des Bauens« lenkten Veranstalter und Referenten den Fokus auf die Praxis. Ernüchternd wirkte die Einschätzung der Experten, dass nur wenige der Architekturbüros in Deutschland heute tatsächlich schon nach der BIM-Methode arbeiten und dass sich, entgegen der landläufigen Meinung, vor allem größere Büros mit der Umstellung auf die digitalen Prozesse schwer tun. Nach wie vor fehlt es an einem einheitlichen Verständnis dafür was BIM tatsächlich bedeutet und die momentane Hochkonjunktur im Bauwesen mindert sowohl in den Planungsbüros als auch auf Bauherrenseite die Bereitschaft, sich auf die tiefgreifenden Transformationsprozesse einzulassen. Hinzu kommen oft veraltete Lehrinhalte an den Universitäten und Hochschulen einerseits sowie mangelndes Interesse, gerade der deutschen Architekturstudenten, an speziellen integrativen Masterstudiengängen auf der anderen Seite. Dies erstaunt vor allem vor dem Hintergrund, dass die Vorbehalte gegenüber digitalen Prozessen in anderen Segmenten, etwa beim Einsatz mobiler Geräte, kaum vorhanden sind. Hier stellt sich die Frage, ob die Kommunikation über die Digitalisierung im Bauwesen nicht zu sehr auf technischer Ebene, angeregt von Software- und Bauprodukteherstellern geführt wird und sowohl bei Architekten und Fachplanern als auch bei potenziellen Bauherren zu wenig Neugier darauf erzeugt wird, was die neuen Methoden für die Weiterentwicklung der Architektur bedeuten und welcher Mehrwert daraus entstehen kann. Denn es geht im Wesentlichen doch nicht darum gewisse Standards festzuschreiben, sondern sich auf zukunftsfähige Kollaboration und die kontinuierliche Weiterentwicklung einzulassen, so die Experten.

Zudem wären da noch die politischen Rahmenbedingungen, die in Deutschland aufgrund der gültigen Vergabeverfahren und heterogenen Strukturen im Baugewerbe kaum in den Griff zu bekommen seien. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen sich der Markt ohne politische Einflussnahme formt, spielen sie hierzulande eine wesentliche Rolle. Aber es gerät langsam Bewegung in die Sache, wie Helga Kühnhenrich vom BBSR in Bonn in ihrem Vortrag über die aktuellen Projekte innerhalb der Forschungsinitiative Zukunft Bau aufzeigte. Über allem steht auch hier die Frage, was die Digitalisierung für eine qualitätsvolle Gestaltung von Wohn- und Lebensräumen leisten kann. Es gibt zum Beispiel bereits vielfältige Ansätze im Bereich der Vorfertigung, insbesondere im Holzbau oder der Robotik, wo vor allem eine Veränderung der Berufsbilder durch die verstärkte Kooperation von Mensch und Roboter eine entscheidende Rolle spielt. Und auf der Baustelle geht es um die zentrale Frage, ob sich neben der Digitalisierung von analogen Bauweisen auch neue integrative Bauprozesse entwickeln und etablieren lassen.

Unterschiedliche Aspekte aus der aktuellen Baupraxis, Lehre und Forschung wurden von den weiteren Referenten des Tages beleuchtet: Torben Wadlinger von Graf+Partner Architekten zeigte auf, dass eine verformungs- und denkmalgerechte Bestandserfassung als As-Built-Modell nicht nur möglich ist, sondern auch die Grundlage für weitere Planungen und effizienten Gebäudebetrieb sein kann. Und sie damit – sozusagen als Datenbank – einen zusätzlichen Wert für ein Gebäude darstellt. Valentin Koslowski vom Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen an der Universität Stuttgart erläuterte, welche Potenziale in digitalen Entwurfs-, Simulations- und Fertigungsprozessen für Faserverbundtragwerke stecken. André Pilling und Stefan Waerder von POS4 Architekten & Generalplaner GmbH belegten anhand eines Modellprojektes wie der Digitalisierungsprozess, insbesondere durch die Nutzung von BIM, durch den Mittelstand vorangetrieben werden kann. Und Hannes Mayer, Gramazio Kohler Research, ETH Zürich zeigte einen Ausblick, wie durch neue Technologien auch neues Bauen entstehen kann und wie wir so vielleicht zur stärkeren Verankerung einer digitalen Baukultur gelangen.

Das Publikum erfuhr damit abwechslungsreiche Impulse zu Möglichkeiten und Perspektiven digitaler Planungs- und Bauprozesse und wird den Dialog dazu hoffentlich, auch über die Veranstaltung hinaus, im eigenen Berufsalltag fortsetzen.

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Partner der Veranstaltung:

Zukunft des Bauens, Digitales Planen und Bauen, Schüco

Schüco – Systemlösungen für Fenster, Türen und Fassaden





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