You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
BAU 2017, Auer Weber, Verwaltungsgebäude Garching

Einheit von Form und Konstruktion: Verwaltungs- und Konferenzgebäude in Garching

Das räumliche Tragsystem erfordert bei der statischen Berechnung schon frühzeitig eine dreidimensionale Modellierung des Gesamtsystems. Anpassungen und Änderungen im Zuge des Entwurfsprozesses mussten in dieser Phase fortlaufend zwischen den Planern abgesprochen und berücksichtigt werden. Die Zusammensetzung des Planerteams aus Architekten und Ingenieuren erfolgte bereits während des gemeinsamen Realisierungswettbewerbs. Dies ermöglichte eine frühzeitige Abstimmung der gestalterischen, nutzungstechnischen und konstruktiven Aspekte und gewährleistete die notwendige Kontinuität der planerischen Arbeit.

Auskragende Geschosse – effiziente Lösung durch räumliches Tragverhalten
Wesentliche Entwurfskriterien des neuen Büro- und Konferenzgebäudes der ESO waren die kreisförmige Grundrissgeometrie mit der umlaufenden zweigeschossigen Auskragung sowie die stützenfreien Bereiche zwischen den drei Gebäudeabschnitten I, II und III. Der gestalterisch beabsichtigte Eindruck eines über dem Gelände schwebenden Gebäudes sollte durch das eingerückte Sockelgeschoss als trichterförmige Aufständerung erzielt werden. In diesen Kontext musste ein entsprechendes Tragsystem integriert werden.
Im Zuge der Entwicklung des Tragsystems wurden unterschiedliche Varianten zur Realisierung der zweigeschossigen Auskragung untersucht. Um die Auskragungslänge zu reduzieren, erfolgte in einem ersten Optimierungsschritt die Schrägstellung der Stützen im Erdgeschoss. Zur Lastabtragung der verbleibenden Auskragung von ca. 4,60 m ergaben sich drei unterschiedliche Tragwerksvarianten mit einem zwei- bzw. dreidimensionalen Tragverhalten.

Zweidimensionales Tragverhalten: »Tischtragwerk« und »Dachtragwerk«
Bei den Tragsystemen mit einer zweidimensionalen Lastabtragung muss das Kragmoment der zweigeschossigen Auskragung jeweils von einer verstärkten Deckenplatte aufgenommen werden.
Bei der Variante »Tischtragwerk« erfolgt dies durch eine verstärkte Decke über dem Erdgeschoss. Bei der Variante »Dachtragwerk« übernimmt die Dachdecke diese Funktion. Die Geschossdecken sind hierbei über Zugstützen am Ende der Kragarme an die Dachdecke angeschlossen. Beide Varianten erfüllen nur bedingt den angestrebten schwebenden Eindruck des Gebäudes mit schlanken Deckenaußenkanten. Die verstärkten Stahlbetondecken über dem Erdgeschoss bzw. in der Dachebene führen außerdem zu einem hohen Materialverbrauch mit großen ständigen Eigengewichtsbelastungen und einer wuchtigen Fassadenansicht mit Deckenstärken inklusive Dämmung von bis zu 80 cm.

Dreidimensionales Tragverhalten: »Schottwandtragwerk«
Bei der Variante »Schottwandtragwerk« erfolgt im Gegensatz zu den beiden vorherigen Varianten eine Lastabtragung über ein räumliches, dreidimensionales Tragsystem, bestehend aus Decken, Zug- und Druckstützen im 1. Obergeschoss und Schottwänden im 2. Obergeschoss. Die um 50 cm eingerückten Zugstützen im 1. Obergeschoss schließen am Kragarmende die auskragende Decke über dem Erdgeschoss an die darüber positionierten Schottwände des 2. Obergeschosses an. Die Schottwände als wandartige Träger lagern innenseitig auf den Druckstützen des 1. Obergeschosses sowie auf den schräggestellten Stützen im Erdgeschoss auf. Mit der Verbindung der Dachdecke und der Geschossdecke des 2. Obergeschosses durch Schottwände wird ein räumliches Tragsystem erzeugt. Das Kragmoment der Schottwände kann als horizontales Kräftepaar durch die beiden kreisförmigen Decken aufgenommen und zu den aussteifenden Treppenhauswänden geleitet werden.

Effiziente Tragsysteme erfordern immer auch eine materialgerechte Konstruktionsweise. Die ausgeführte Stahlbetonskelettbauweise ermöglicht die optimale, kraftschlüssige Verbindung der Tragelemente untereinander.

Kurze Werbepause

Weitere Informationen:

Der Autor Lars Schiemann ist Professor für Tragwerksplanung und Konstruktives Entwerfen an der Hochschule München. Er war bei Mayr | Ludescher | Partner als projektleitender Ingenieur für die Tragwerksplanung des Gebäudes verantwortlich.

Ausführliche Print-Dokumentationen finden Sie in den Ausgaben DETAIL Konzept 2016/09 mit dem Themenschwerpunkt »Bürogebäude« sowie in DETAIL structure 2016/2.

Aktuelles Heft
DETAIL 11/2018
DETAIL 11/2018, Licht und Raum

Licht und Raum

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.