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Informations- Kommunikations- und Medienzentrum der Universität Potsdam

Bibliotheksneu-bau
Nach außen präsentiert sich der Bibliotheksneu-bau stolz und geschlossen, markiert also deutlich seine zentrale Position innerhalb des Campus. Die Innenräume hingegen bieten den Nutzern eine helle und freundliche Atmosphäre.

Die erst 1991 gegründete Universität Potsdam ist die größte des Landes Brandenburg und hat sich in den vergangenen Jahren als bedeutender Forschungs­standort etabliert. Während der zentrale Campus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schlosspark von Sanssouci liegt, befinden sich die meisten Institute der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und die Humanistische Fakultät in Potsdam-Golm. Ein dritter Campus an der Stadtgrenze von Berlin ist Griebnitzsee. Den Standort Golm prägen moderne und architektonisch auffällige Gebäude, welche in ein übergeordnetes Entwicklungs- und Freiraumkonzept eingebettet sind. Als vorläufig letzter Baustein des Masterplans wurde im vergangenen Herbst das markante Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum, kurz IKMZ, von Staab Architekten eingeweiht. Kulturbauten sowie Gebäude für Forschung und Lehre, Büro und Verwaltung zählen zu den Kernkompetenzen des Büros. Eine zentrale Grünachse, beginnend am Bahnhof Golm, ordnet den gesamten Campus. Zu ihr ist der Haupteingang des neuen quaderförmigen Bibliotheksgebäudes ausgerichtet, schräg gegenüber befindet sich ein zweiter Eingang, der zu den Parkplätzen orientiert ist. Die Fassade des Solitärs schimmert wie ein schwarzer Edelstein in unterschiedlichsten Facetten und markiert deutlich seine zentrale und funktionale Bedeutung innerhalb der gesamten städtebaulichen Stuktur.

Informations- Kommunikations- und Medienzentrum der Universität Potsdam
Das ganze Gebäude ist punktsymmetrisch aufgebaut. Vom Foyer aus führen die beiden gegeneinander versetzten offenen Treppen zu den verschiedenen Leseebenen. Die kräftige Farbgebung in Rot und Orange erleichtert die Orientierung.
Zur offenen Raumfolge gehören auch zwei Freihandbereiche. Im Kontrast zu den Lesesälen sind sie in ihrer Gestaltung sehr materialbetont mit roh belassenem Sichtbeton und Estrich. Foto: Marcus Ebener, D-Berlin

Ganz anders hingegen die Wirkung im Inneren. Was man von außen nicht vermuten würde – der Innenraum erstreckt sich offen über mehrere Ebenen, präsent sich farbenfroh und lichtdurchflutet. Ein scheinbar merkwürdiger Kontrast, der sich bei näherer Betrachtung jedoch mehr und mehr auflöst und seine ganz eigene Logik offenbart. Der gesamte innere Aufbau ist punktsymmetrisch, zwei kaskadenartige Treppen in leuchtendem Rot und Orange verbinden das mittige Foyer mit den verschiedenen Lesebereichen in den oberen Ebenen. Deutlich spürbar wird zudem die fiktive Diagonale, welche im Erdgeschoss die beiden Eingänge miteinander verbindet. Doch das eigentlich entwurfsbestimmende Thema heißt Licht. Helle, luftige Lesebereiche mit viel Tageslicht stehen nur schwach beleuteten und vor direkter Sonneneinstahlung zu schützenden Stellflächen für die Bücher gegenüber. Geschickt ineinander verschachtelt, ließen die Architekten Räume mit unterschiedlichster Atmosphäre entstehen – großzügige Räume mit Aussicht über den Campus wechseln sich mit introvertierten Leseplätzen, nur erhellt durch Oberlichter, ab. Dazwischen immer wieder spärlich beleuchtete Zonen für Bücherregale mit fast kellerartigem Charakter. Eine spannende Raumfolge mit hoher Aufenthaltsqualität, die durch den entsprechenden Einsatz von Materialien und einem deutlichen Unterschied im Ausbaustandard unterstrichen wird. Nach oben abschließendes Highlight ist die begehbare Dachterrasse, die ebenfalls zum Lesen und Arbeiten genutzt werden kann.

Der differenzierte Innenraum bietet unterschiedlichste Ein- und Ausblicke. Die Studenten können aus einem vielfältigen Angebot an Leseflächen auswählen, wo sie sich für ihre Arbeit am wohlsten fühlen. Foto: Marcus Ebener, D-Berlin

Dieses differenzierte Interieur galt es in der Fassade abzubilden, ohne den gewollten monolitischen Charakter des Baukörpers zu stören. So entstand die Idee einer scheinbar geschlossenen Hülle mit mosaikartig angeordneten Elementen aus bedrucktem Glas und Naturstein, bei der die einzelnen Fensteröffnungen nach außen nicht sichtbar gemacht werden. Die z.T. auf die Gläser aufgedruckten Steinstrukturen fungieren wie ein zuätzlicher Blendschutz, bieten aber dennoch genügend Transparenz. Zudem ähneln die Glasflächen durch die Bedruckung in ihrer Optik den Natursteinelementen, sodass keine zu großen Kontraste, sondern das gewünschte Zusammenspiel der einzelnen Facetten betont wurde. Deutlich in Erscheinung treten hingegen die großen Öffnungen, durch die Tageslicht auf die Leseplätze fällt sowie die Fenster im Ver­waltungstrakt, die zusätzlich mit vertikalen drehbaren Sonnenschutzlamellen, ebenfalls aus Glas, ausgestattet wurden. Auch die beiden Freihandbereiche mit ihrer rhyth­mischen Fenstergliederung sind an der Fassade ablesbar.

Das facettenreiche Spiel an der Fassade entsteht durch Bekleidungselemente mit vier verschiedenen Ober-flächen: polierter und satinierter Granit sowie bedrucktes transparentes und bedrucktes satiniertes Glas. Eine spezielle Unterkonstruktion erlaubte die flächenbündige Montage. Foto: Marcus Ebener, D-Berlin

Konstruktiv konnte die ebenmäßige Bekleidung geschickt mit einem vorgehängten hinterlüfteten Fassadensysten gelöst werden. Sowohl die gläsernen Elemente auf einer Aluminium-Rahmenkonstruktion als auch die mit einer Leichtbetonplatte verklebten Natursteintafeln aus schwarzem Granit ließen sich auf einem einheitlichen Befestigungssystem montieren. Damit auch die Fugen optisch zurücktreten, wurden sowohl die Kanten der Platten als auch die dahinter liegende Dämmung schwarz kaschiert.

Projektdaten
Bauherr: Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen – Nieder­lassung Potsdam
Architekt: Staab Architekten, Berlin;
Planung: Per Pedersen, Dirk Brändlin (Projektleitung), Daniel Verhülsdonk, Jens Achtermann, Anke Hafner, Sonja Hehemann, Julia Löscher, Sandra Lorenz, Florian Nusser, Petra Wälde, Insa Wagner; Bauleitung: Per Pedersen, Birgit Knicker (Koordination), Uwe-Christian Metz, Michael Schmid, Claus Thiemann (Ausschreibung), Nicole Braune (Vergabe), Nicole Braune, Lutz Bahle, Birgit Knicker (örtliche Bauleitung), Marianne Arnold, Hagen Groß
Tragwerksplanung: HJW + Partner Archi­tekten + Ingenieure, Leipzig
Freiraumplanung: Freiraum, Landschaft & Architektur, Berlin
TGA-Planung: W33 Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
Bodengutachter: Baugrund-Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Reneé Dölling, Potsdam
Brandschutzgutachter: hhp Berlin Ingenieurgesellschaft für Brandschutz mbH, Berlin
Prüfstatik: GSE Ing.-Gesellschaft mbH, Berlin
Akustische Beratung: Beratende Ingenieurin für Bau- und Raumakustik Renate Szabunia, Berlin
Elektroplanung, Kommunikationstechnik, Fördertechnik: W33 Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin

Produkte, Hersteller, ausführende Firmen
Fassade:
Metallfassaden Pfosten-Riegel-Fassaden, Elementfassaden: Wicona, Aluminium, elox. C 31 / C34, Hydro Building Systems GmbH, Ulm, www.wicona.de
Kalt-Fassade, Drehbare Lamellen: »Glassics by Steindl Glas«, Steindl Glas GmbH, (A) Itter, www.steindlglas.com/de
Natursteinfassade: Airtec Stone, Lithodecor GmbH, Deutsche Amphibolin-Werke von Robert Murjahn Stiftung & Co. KG, Netzschkau, www.lithodecor.de
Glas, Glaspaneele Vorhangfassade Freihandbereiche, Drehlamellen, Verwaltung: Saint-Gobain Parsol grau, poliert/satiniert, rückseitig hellgrau bedruckt, Compagnie de
Saint-Gobain Zweigniederlassung Deutschland, www.saint-gobain.de
Unterkonstruktion vorgehängte hinterlüftete Fassade: BWM, BWM Dübel und Montagetechnik GmbH, Leinfelden, www.bwm.de
Sonnenschutz Lesebereiche, Foyer: Sonnenschutzglas, innen liegender Sonnen- und Blendschutz Silver Screen, lichtgrau, www.silverscreen-fabrics.com
Beschläge: »Max Bill«, FSB, Franz Schneider Brakel GmbH + Co. KG, Brakel, www.fsb.de
Dach: Stehfalzdach, Kalzip, Farbton RAL 9007, Glanzgrad 30 ± 5 %, Kalzip GmbH, Koblenz, www.kalzip.com
Bodenbeläge: Betonwerkstein, Rehburger Beton- und Marmorwerk, Rehburg-Loccum, www.rbm-rehburg.de
Linoleum: Colorette PUR 137 - 012, Armstrong DLW GmbH, Bietigheim-Bissingen, www.armstrong.de
Teppichboden: Wool Rep, Farbe 222, Ruckstuhl AG, (CH) Langenthal, www.ruckstuhl.com/de
Holzverkleidungen: amerikanische Weiß­eiche furniert, aufgehellt, teilweise microperforiert (akustisch wirksam), teilweise gelocht Lesetische: amerikanische Weißeiche furniert, aufgehellt, teilweise microperforiert (akustisch wirksam), teilweise gelocht (Quellluft) mit Linoleumeinlage Forbo Desk Top 4176 Eleganza Mushroom, Forbo Flooring GmbH, Paderborn, www.forbo-flooring.com
Tresen Ortsleihe und Infopoint (EG): amerikanische Weißeiche furniert, aufgehellt, HPL-Auflage (Abet Laminati Diafos 3150 Soft), Abet GmbH, Herfort, www.abet.de
Regale: Freihand Stahlregale »Arthek«
und Fahrregalanlagen: Zambelli Metall­technik GmbH & Co. KG, Wegscheid, www.zambelli.de

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