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Intelligente Fassadenkonstruktion zur Filterung des Lichts

Moeding, Keramikfassaden, Ziegelfassade, Israel-Museum, Jerusalem
Foto: Moeding Keramikfassaden/Timothy Hursley

Das Israel-Museum in Jerusalem, die wohl bedeutendste kulturelle Investition des Staates und eines der führenden Museen für Kunst und Archäologie, entstand auf Betreiben von Teddy Kollek nach Entwürfen von Alfred Mansfelt und Dora Gad und wurde 1965 eröffnet. In den 46 Jahren seit Bestehen des Museums hat sich die Besucherzahl verzehnfacht. Der Verkehrsfluss innerhalb der Anlage war entsprechend anzupassen, gleichzeitig waren die ca. 50?000 m2 Ausstellungsfläche teilweise zu erneuern, zu erweitern und neu zu organisieren. Die Entwürfe dazu wurden von James Carpenter Design Associates, New York, entwickelt. Die Renovierung der bestehenden Bausubstanz lag in den Händen der Architekten Efrat-Kowlasky und A. Lermann, Tel Aviv.

Moeding, Keramikfassaden, Ziegelfassade, Israel-Museum, Jerusalem
Foto: Moeding Keramikfassaden/Timothy Hursley

Die Übertragung des Lichts, sein Reflexionsverhalten und dessen Berechenbarkeit standen im Fokus der intelligenten Lösungen, aus denen James Carpenter seine gestalterischen Entwürfe entwickelt hat. Das äußere Erscheinungsbild des Museums ist gleichermaßen geprägt von den hellen Sandsteinfassaden der bestehenden Gebäude sowie den Moeding-Ziegelfassaden der Neubauten, die sich farblich zwar im Ton absetzen, dennoch aber eher eine Referenz an das Bestehende darstellen als sie zu kontrastieren. Dem architektonischen Ansatz von James Carpenter entsprechend sind die neuen Gebäude jedoch geprägt von heller Transparenz und luftiger Offenheit, was bei dem Ursprungsbauten eher weitgehend vermieden wurde, um eine Erwärmung aufgrund der unerbittlichen Sonneneinstrahlung in diesen südlichen Breiten zu vermeiden, d.h. überall dort, wo Tageslicht hereingelassen wurde, entstanden harte Kontraste von Licht und Schatten. Vor diesem Hintergrund begannen die eigentlichen projektspezifischen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des Büros James Carpenter, die dann von Moeding Keramikfassaden GmbH in die Praxis umgesetzt wurden. Ziel war es dabei, die Sonnenwärme weitgehend zu blockieren, dennoch aber so viel Licht wie nur möglich in die Häuser hineinzulassen und gleichzeitig den Blick nach Draußen zu öffnen.

Moeding, Keramikfassaden, Ziegelfassade, Israel-Museum, Jerusalem
Foto: Moeding Keramikfassaden/Timothy Hursley

Die als Sonnenschutz entwickelten Ziegellamellen entsprechen der o.g. Situation und den neuen Vorgaben. An den Südfassaden berücksichtigt eine spezielle Querschnittsgestaltung des um die Mittagszeit fast senkrechten Sonnenstands; die breiteren Flächen sind dabei, wie übrigens auch gen Norden, in horizontaler Lage angeordnet und erlauben so, aufgrund der offenen Zwischenräume, den größtmöglichen Lichteintritt. Die West- und Ostfassaden werden hingegen bei dem tieferen Stand der Nachmittagssonne durch die fast geschlossenen, d.h. um ca. 90° gedrehten Lamellen deutlich abgeschirmt. Eine sich verjüngende Lippe am oberen Rand der der Sonne zugewandten flachen Seite schiebt sich bei der senkrechten Stellung der Lamellen hinter das darüber liegende Element und reflektiert durch ihre konkave Ausformung das Sonnenlicht diffus in den Raum. Impressionen der unmittelbaren Umgebung werden damit schemenhaft im Inneren abgebildet. Diese keramischen Sonnenschutzwände stehen in unterschiedlichem Abstand vor den Glas-Wandkonstruktionen, im Extremen soweit davon entfernt, dass in Verbindung mit dem auskragenden Dach ein wunderbar schattiger Vorhof entsteht, in dem der durch Form und Anordnung der Lamellen entstehende thermische Auftrieb der warmen Luft eine angenehme leichte Brise entstehen lässt. Dank der intelligenten Fassadensysteme erscheinen die neuen Innenräume des Israel-Museums jetzt in einem sanften ambivalenten Licht und kommunizieren visuell mit der Außenwelt.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:

DETAIL 6/2011

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