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Licht, Farbe und Atmosphäre

Markus Michalke

Seit den 80er Jahren hat sich die Freiburger Lichtfirma Spectral einen Namen gemacht –mit komplexen LED-Lösungen und dem vielfach honoriertem Design von Leuchten. Als Markus Michalke die Firma letztes Jahr aus der Insolvenz übernahm, hatte der Münchner Unternehmer klare Visionen für die Zukunft. Ein Teil seiner Pläne sind heute bereits umgesetzt, zum Beispiel die neue Corporate Identity und Webseite der Lichtfirma. Sandra Hofmeister sprach mit dem neuen Inhaber über die Zukunft der LED-Technologie und die Zukunft von Spectral.

DETAIL: Der Firmenname „Spectral“ bezieht sich auf die Farbigkeit von Licht. Welche Bedeutung messen Sie farbigem Licht zu?

Michalke: Viel wichtiger als das Licht an sich ist in meinen Augen seine Wirkung auf Räume. Licht gibt die Tonalitäten und die Stimmung in einem Raum an. Seine Farbigkeit, die übrigens nicht mit „Buntheit“ zu verwechseln ist, schafft eine spürbare Atmosphäre, die sich verändern kann. Mit unterschiedlichen Farben werden Räume unterschiedlich wahrgenommen, je nach Lichtstimmung.

DETAIL: Eines der jüngsten Referenzobjekte – die Lichtdecke im Hörsaal des Klinikums Rechts der Isar in München – setzt die LED-Technologie ein, um gezielte Lichtstimmungen zu schaffen. Welche Vorteile hat dies?

Michalke: Licht beeinflusst unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unseren Organismus. Für eine Klinik oder eine Bildungseinrichtung ist dieser Zusammenhang nicht unwichtig. Bei dem Projekt konnten wir die Vorteile der LED-Technologie – z.B. die verschiedenen Lichttemperaturen – voll ausschöpfen. So lassen sich kühle und warme Stimmungen schaffen– die Variabilität der programmierbaren Lichtstimmungen ist faszinierend. Für jede Stimmung gibt es ein passendes Licht, und mit der Änderung der Lichtfarbe wechselt die Atmosphäre. Die Aufmerksamkeit steigt oder die Entspannung setzt ein. Der Hörsaal ist übrigens europaweit der einzige, der ausschließlich mit LEDs beleuchtet wird.

DETAIL: Wo liegen die Chancen von LEDs für die Zukunft? Wie gehen Sie damit um?

Michalke: Die LED-Technologie wird sich grundsätzlich durchsetzen. Die Entwicklung in Bezug auf ihre Effizienz ist exponentiell, und was die Farbechtheit anbetrifft, sind wir hier zwar erst bei etwa 85 %, doch auch in diesem Punkt wird sich in Zukunft sicherlich viel tun. Außerdem haben wir gesehen, dass gerade das Wissen um den Einsatz von Optik und die Erfahrung mit Kühlkörpern bei der Anwendung der Technologie hilft.

DETAIL: Gilt das nur für Sonderlösungen oder auch für Sortimentsleuchten?

Michalke: Beide Stränge werden weiterhin wichtig sein –die Kooperation mit Architekten und Lichtplanern einerseits, wenn es um komplexe und schwierige Lösungen geht. Andererseits werden wir verstärkt auf unseren eigenen gestalterischen Anspruch bei den Sortimentsleuchen achten. Für den neuen Katalog haben wir viele Produktfamilien überarbeitet und technisch verbessert. Andere hingegen haben wir weggelassen. Diese Konzentration war nötig, um unser gestalterisches Profil zu schärfen. Ich freue mich schon jetzt auf die Light + Building nächstes Jahr, zu der wir in Sachen Design und Anwendungstechnologie überraschen werden.

Was die Sonderlösungen betrifft: Hier gibt es verschiedene Module, die auf spezifische Situationen angepasst werden und mit denen wir leicht umgehen können. Für die Kunden hat diese Methode einen deutlichen Preisvorteil im Vergleich mit einer reinen Sonderlösung, die wir natürlich auch weiter anbieten. Die Variabilität und die Gestaltung der Module fällt sehr vielfältig aus: Das gilt beispielweise für das Omnio-Modul, das auch im Klinikum Rechts der Isar eingesetzt wurde. Die Entwicklung von Anwendungssystemen, die wie als eine Art Baukastensystem funktionieren, öffnet eine gute Perspektive für die Zukunft, auch für Architekten und Lichtplaner.

DETAIL: Spectral war bislang von Firmengründer Paul-Heinrich Neuhorst geprägt. Wie schließen Sie hier an?

Michalke: Durch Offenheit und Dialog. Ich versuche nicht die richtige Antworten zu geben, sondern konzentriere mich lieber auf Suche nach den richtigen Fragen.

Unser Team ist kompetent in der Lichttechnologie, hat gestalterische Gewissheit und ist firm in der Anwendung – da ergeben sich die richtigen Antworten im Prozess.

Zudem etablieren wir ein funktionales, offenes Netzwerk. Dazu gehört beispielsweise unsere Kooperation mit dem Lehrstuhl für Gestaltung der Universität der Künste in Berlin – junge, experimentierfreudige Studenten können uns sicherlich viel Inspiration für neue Formideen oder Materialien liefern. Ein Thema, das uns dabei besonders beschäftigt, ist der Umgang mit LEDs. Soll man die Leuchtmittel einfach in konventionelle Formen packen, oder müssen wir neue Wege gehen?

DETAIL: Sie sprechen die Leuchtkörper an – spielt die Farbe auch hier eine Rolle?

Michalke: Spectral wird weiterhin für klare, reduzierte Formen stehen. Aber wer sagt denn, dass wir immer nur in weiß, schwarz, silber oder grau denken dürfen. So haben wir für unsere Irisfamilie eine Farbkollektion 2010 entworfen, die unsere Erwartungen von ein bisschen mehr Farbe widerspiegelt. Die leichten Pastelltöne verschaffen der Iris ein völlig neue Anmutung. Wir geben so dem Architekten die Möglichkeit, auch in klaren reduzierten Räumen feine Farbakzente zu setzen und so den Spannungsbogen der Gestaltung mit leisen Tönen zu weiten.

DETAIL: Sie selbst sind Kunstsammler und Donald Judd-Liebhaber. Was kann man von der Kunst lernen, wenn es ums Licht geht?

Michalke: Was mich in der Kunst genauso wie beim Licht generell interessiert, ist die konzeptionelle Klarheit und das Verhältnis von Objekt, Person und Raum. Die einzelnen Proportionen zu treffen, ist oft eine Frage des Gefühls, und Donald Judd war in diesem Zusammenhang ein großer Meister. Ein mühsamer Meister, weil er so detailfokussiert gearbeitet hat. Auch in diesem Punkt kann eine Leuchtenfirma von der Kunst lernen.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 10/2009

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