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Modulbauweise, Container, Seefracht-Container, Upcycling, Recycling, Green Product Award

Upcycling im Großformat: Seefracht-Container werden zu Wohnmodulen

Die Lebenszeit eines gängigen Frachtcontainers beträgt im Schnitt 13 Jahre. Danach ist die Masse lediglich Metallschrott. Mit der Umnutzung von ausgedienten Großraumbehältern sowie der Aufbereitung zu preiswerten, bezugsfertigen Wohnmodulen will das 2017 gegründete Start-up Containerwerk Eins gleich einer ganzen Reihe von zeitaktuellen Herausforderungen begegnen. Dazu gehören etwa Wohnungsknappheit, Platzmangel, Ressourcenverschwendung oder Umweltverschmutzung. Der Firmengründung gingen lange Entwicklungsprozesse voraus, die unter anderem in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und dem Fraunhofer-Institut erarbeitet wurden. Im Ergebnis entstand auch ein vollautomatisches, mehrfach patentiertes Verfahren, durch das eine monolithische, wärmebrückenfreie und schlanke Hochleistungsdämmung für die Containerhülle möglich wird.

Innovatives Dämmverfahren für neuartige Raummodule
Auch wenn der Umnutzungsgedanke für Frachtcontainer nicht ganz neu ist, der Funktionalität und Serienreife gingen entscheidende Entwicklungsschritte voraus. So mussten im Laufe vieler Jahre Dämmverfahren getestet werden, die letztendlich in einer Innovation und in der Firmengründung des in Stuttgart beheimateten Unternehmens mündeten. Letztendlich kommt Polyurethan-Schaum zum Einsatz, der jedoch extrem schwer zu verarbeiten ist, wie einer der Gründer Iwan Mallinowski erklärt. „Die Temperatur der Wand muss exakt stimmen. Wenn sie zu kalt ist, zieht sich der Schaum zurück und schäumt nicht genug. Und wenn sie zu warm ist, dann schäumt er viel zu stark und klebt. Wir haben viele Versuche gemacht, unter anderem mit BASF, und herausgefunden, dass er bei genau 19,3° aufgebracht werden muss, damit alles funktioniert. Außerdem hat er eine extrem kurze Reaktionszeit im Sekundenbereich, in der er genau an der Stelle sein muss, wo er hin soll.“
Daraus entstand die Aufgabe, einen Polyurethan-Schaum dreidimensional vollautomatisch zu verarbeiten und als monolithische Dämmung in einen Container einzubauen. Mithilfe des Instituts für Kraftstoffverarbeitung an der RWTH Aachen sowie eines Anlagenbauers konnte eine entsprechende Polyurethan-Anlage hergestellt werden. Gemeinsam mit dem zweiten Firmengründer Michael Haiser folgte der Startschuss für Containerwerk und die serielle Fertigung von Wohnraumcontainern im Großmaßstab, die heute am Produktionsstandort Wassenberg bei Düsseldorf erfolgt.


Mikroarchitektur in variantenreicher Gestalt(ung)
Im gewissen Rahmen ihrer ursprünglichen Morphologie sind den Modulen stilistisch keine Grenzen gesetzt. Anlässlich der Mailänder Möbelmesse 2018 präsentierte das Unternehmen gemeinsam mit Partnern in mehreren Installationen mögliche Formen ihrer Mikroarchitektur. Dabei wurden nicht nur die Vielfalt der Fassadengestaltung oder der Grad eines hochwertigen Innenausbaus deutlich, sondern auch die Möglichkeiten, Modulensembles zu ganzen Gebäuden zu konfigurieren. Da die einzelnen Quader variabel in der Horizontalen und Vertikalen miteinander verbunden werden können, lassen sich individuelle Mehrraumlösungen schaffen. Durch ihr geringes Eigengewicht können die Quader gestapelt, aber auch in bestehende Gebäudestrukturen integriert werden. Die kurze Bauzeit, Transportfähigkeit und kostengünstige Bauweise scheint eine denkbare Lösung für temporäre, oder dauerhafte Wohnraumkonzepte zu sein. Daneben stellt der Hersteller auch weitere Nutzungsarten in Aussicht. Vom Büroraum über das Hotel, Boarding House oder Studentenwohnheim, bis hin zur Senioreneinrichtung oder sogar Reha-Klinik können die Container umfunktioniert werden.


Vom Upcycling zum Recycling-Produkt
Auch langfristig verschreibt sich das Neuraumkonzept der Energie- und Rohstoffeffizienz: Mit dem innovativen Dämmverfahren liegt die Mikroarchitektur über EnEV-Standard. Alle verwendeten Materialien können am Ende des Containerlebenszyklus sortenrein getrennt und 100 % recycelt werden. Und da meist mobile Punktfundamente ausreichen, wird das Grundstück geschont und rückstandsfrei geräumt. Ein vielversprechendes Konzept, das bereits in früher Unternehmensgeschichte mehrfach ausgezeichnet wurde. Containerwerk ging als Sieger des Green Product Awards 2018 in der Kategorie Architektur hervor, wurde bei der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ des Bundes zu einem der 100 innovativsten Unternehmen Deutschlands gekürt und wurde bei den GreenTec Awards, die die weltweit besten Projekte im Bereich Umwelt- und Ressourcenschutz auszeichnet, mit zwei Finalisten-Titeln geehrt: in der Kategorie »Bauen & Wohnen« sowie mit dem Start-up Sonderpreis 2018.  

www.containerwerk.com

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