16.09.2006

Das Ein-Personen-Haus

Singlehäuser sollen eine Alternative zur Eigentumswohnung bieten. Nach Automobilherstellern, Restaurants, Bars und Reiseunternehmen haben nun auch deutsche Bauplanungsgesellschaften und Architektenbüros Singles als neue Käuferschicht für sich entdeckt.

Was in Italien, Österreich und der Schweiz bereits seit mehr als zehn Jahren existiert, steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen: das Singlehaus. Da der Trend hin zum Einpersonenhaushalt geht, so die Argumentation der Anbieter, müssten Häuser geschaffen werden, die sowohl von der Größe als auch von der Funktionalität her den Bedürfnissen von Singles angepasst sind. Ein Haus, das diesen Bedürfnissen gerecht wird, sei durchaus eine Alternative zur Eigentumswohnung.

Nach Ansicht des bayrischen Architekten Johannes Morhard sind drei Aspekte für Singles und ihre Häuser von Bedeutung: Funktionalität, Kostenminimierung und Flexibilität. Diese drei Gesichtspunkte sind auch in das Haus eingeflossen, das er gemeinsam mit seinem Team entwickelt hat. So besteht das gesamte Erdgeschoss aus einem einzigen Raum; lediglich die Toilette ist abgetrennt. "Entspannen, essen und kochen", so wird Morhard von der Süddeutschen Zeitung zitiert, "all das kann in einem Zimmer stattfinden." Im Obergeschoss befinden sich schließlich ein Arbeitsbereich, ein geräumiges Bad und ein Schlafzimmer. Die Wohnfläche beträgt 89 Quadratmeter; der Preis beläuft sich auf 92.000 Euro.

Ähnlich konzipiert ist auch eine kleine Singlehaus-Siedlung, die vor einiger Zeit in München entstand. Die einzelnen Häuser, die von der Firma Planteam gebaut wurden, bieten zwar nur 80 Quadratmeter Wohnfläche; sie bestehen allerdings aus vier Etagen, die durch eine schmale Wendeltreppe verbunden sind. Jede Etage besteht aus einer Funktionseinheit: Das Büro befindet sich im Keller, danach folgen jeweils Küche und Essraum, Wohnzimmer und im Dachgeschoss schließlich das Schlafzimmer. Die sechs Häuser der Siedlung sind dabei zwar mit einem einzigen Dach bedeckt. Jeder Hausbesitzer besitzt allerdings eine separate Haustür und einen eigenen Vorgarten. Anders als bei Eigentümergemeinschaften oder Mietwohnungen, so erklärt ein Mitarbeiter von Planteam, könne sich hier jeder Bewohner ausschließlich um seine persönlichen Angelegenheiten kümmern.

Diese Aussage erhärtet einen Verdacht, der bereits beim Singlehaus des bayrischen Architekten Morhard entstand. So ist zu befürchten, dass zahlreiche Singlehäuser konzeptionell eher am Klischee des zurückgezogenen, chaotisch-unordentlichen, aus der Dose essenden Singles ausgerichtet sind, als an den tatsächlichen Interessen der Käuferschicht. Möglicherweise ist das der Grund, warum sich das Ein-Personen-Haus hierzulande bislang noch nicht durchsetzen konnte.

Quelle: LexisNexis

Bildcredit: ©Forbo Flooring

Bildcredit: © Grundmeier KG

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