Funktionale Blockhütte
Empfangsgebäude für die Vintgar-Klamm von Ofis Arhitekti
Das neue Eingangsgebäude ersetzt eine Holzhütte aus den 1980er-Jahren. © Tomaz Gregoric
Die 1600 m lange Vintgar-Klamm zählt zu den meistbesuchten Naturdenkmälern Sloweniens. Sie wurde durch die Gletscher der letzten Eiszeiten geformt und war bis 1891 weitgehend unzugänglich. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Besucher jedoch stark gestiegen. Um die in der Nähe der Stadt Bled liegende sensible Landschaft zu schützen, stellte der hiesige Tourismusverband die Bewirtschaftung auf ein nachhaltiges Konzept um. Besucherzahlen wurden begrenzt, ein digitales Ticketsystem eingeführt. Im Zentrum der Neuordnung steht das neue Eingangsgebäude von Ofis Arhitekti, das eine Holzhütte aus den 1980er-Jahren ersetzt.


Auf der flussabgewandten Seite versorgt ein Kiosk die Touristen mit Lebensmitteln. © Miran Kambic
Einladender Zugang
Das kompakte neue Eingangsgebäude von Ofis übernimmt die Proportionen des Vorgängergebäudes. Das Projektteam transformierte die ursprüngliche Struktur in einen zeitgenössischen Holzbau mit einer Fläche von 42 m². Im Fokus der Überlegungen stand der Schutz der Naturlandschaft mit ihren zahlreichen Tier- und über 600 Pflanzenarten. Gleichzeitig sollte ein einladender und funktionaler Zugang entstehen. Während die zum Fluss orientierte Gebäudeseite transparent gestaltet ist, zeigt sich die andere Seite bis auf eine Öffnung für den Kiosk überwiegend geschlossen. Der Besucherzugang erfolgt durch den verglasten Teil, der den Blick auf den Fluss Radovna freigibt und so einen unmittelbaren Bezug zur Landschaft herstellt. Die innere Organisation ist klar strukturiert und trennt zwischen Gruppen, Gästen mit Online-Tickets und Besuchern, die aufgrund der Kapazitätsgrenze warten müssen.


Die zur Radovna orientierte Gebäudeseite ist transparent gestaltet und öffnet den Blick in die Natur. © Miran Kambic
Leimfreie Konstruktion
Konstruktiv setzt der Entwurf auf regionale Ressourcen und ein konsequent nachhaltiges Materialkonzept. Die neue hölzerne Fassadenhaut umschließt die konservierten Kernbereiche der alten Struktur; auch der massive Sockel aus Ziegelmauerwerk blieb vollständig erhalten. Alle neuen Materialien entsprechen aktuellen ökologischen Standards. Für die Außenwände kamen leimfreie Holzpaneele zum Einsatz. Die Tragstruktur besteht aus Fichtenholz und ist frei von Leim und chemischen Zusätzen. Auch die Rahmen der dreifach verglasten Fester sind aus Fichtenholz gefertigt. Die äußere Holzoberfläche – sowohl die Fassadenverkleidung als auch die Dachschindeln – besteht aus karbonisiertem Holz, das mit natürlichem Kiefernharz behandelt wurde. Diese Methode schützt vor Feuchtigkeit, wirkt pilzhemmend und ist für Insekten unattraktiv. Je nach Pflege bleibt das Holz dunkel oder hellt mit der Zeit zu Braun- oder Grautönen auf. Im Innenraum schafft naturbelassene, geölte Lärche eine warme Atmosphäre. Die Gestaltung nimmt Anleihen an alpinen Heustadeln: Markante vertikale Holzstützen strukturieren den Raum, in den Verkaufs- und Präsentationselemente integriert sind. Sämtliches Holz stammt aus slowenischer Produktion.


Der Zugang erfolgt über eine Stahlbrücke. © Tomaz Gregoric


Fassade und Dach sind mit verkohltem Holz verkleidet. © Tomaz Gregoric
Eingebettet in die Landschaft
Insgesamt zeigt sich die Architektur zurückhaltend und auf das Nötigste reduziert. Auch die Umgebung des Gebäudes wurde mit minimalen Eingriffen gestaltet. Wegeführungen und Geländemodellierungen orientieren sich am bestehenden Gelände. Jederzeit entscheidend war dabei, den Einfluss des hohen Besucheraufkommens auf die sensible Natur so gering wie möglich zu halten.
Architektur: Ofis Arhitekti
Projekt Team: Rok Oman, Spela Videcnik, Amadej Mravlak, Andrej Gregoric, Janez Martinčič
Bauherr: Bergsteigerverein Gorje, Oberes Gorje
Standort: Triglav-Nationalpark (SI)
Bauunternehmen: Ekoart, Gradbeništvo Franc Novak, Mizarstvo Ovsenik






















